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Plädoyer für gehörnte Kühe

Laura Fehlmann gefallen gehörnte Kühe besser – obwohl sie sich der Unfallgefahr bewusst ist.

Auf Obriste Morgeten gibt es Kühe mit und ohne Hörner.
Auf Obriste Morgeten gibt es Kühe mit und ohne Hörner.
Christian Pfander

Im Stall der Alp Obriste Morgeten stehen Kühe mit Hörnern und solche ohne. Mir gefallen die Gehörnten besser, obschon ich weiss, dass sie eine Verletzungsgefahr für ihre Artgenossen und die Menschen darstellen. Vor einigen Tagen habe ich erlebt, wie Bauer Ueli Siegenthaler mit einer blutenden Platzwunde über dem linken Auge aus dem Stall kam.

Die Kuh Meise hatte ihm unabsichtlich einen Stoss verpasst. Sie war verspätet von der Weide gekommen, ihre Nachbarin ­hatte das «Geleck» bereits ­gefressen. Meise stand vor der leeren Futterkrippe und warf wütend den Kopf hin und her, als der Bauer sie anbinden ­wollte. So passierte der kleine Unfall, der böse hätte ausgehen können.

Ich bin aber überzeugt: Solche Verletzungen wie bei Bauer Siegenthaler passieren unabsichtlich. Bei Rangeleien unter Rivalinnen kriegt allerdings auch ab und zu eines der Tiere einen blutigen ­Kratzer ab.

Beim täglichen Striegeln der Tiere bin ich bei den Gehörnten automatisch vorsichtiger und achte darauf, dass immer genug Platz bleibt, um notfalls aus­weichen zu können. Wenn ich zwischen zwei gehörnten Kühen stehe und der einen den Hals und den Nacken striegle, ­während sie entspannt den Kopf senkt und mit halb ­geschlossenen Augen die ­Massage geniesst, meldet sich garantiert ihre Nachbarin.

Mag sie nicht warten, bis sie an der Reihe ist? Eifersucht hin oder her, sie schubst mich mit der Nase oder leckt mich mit der schmirgelpapierähnlichen Zunge. Dabei kommt sie mir mit den Hörnern bedrohlich nahe, und ich weiss: Jetzt ist Vorsicht am Platz.

Beim Thema gehörnte Kühe kommt auf der Alp natürlich auch die Horninitiative zur Sprache. Siegenthalers sind noch unschlüssig, wie sie am 25. November abstimmen wollen. Sie haben Kühe mit und ­ohne Hörner, finden aber, dass reinrassige Simmentaler gehörnt sein sollten, weil dieser Kopfschmuck zu ihnen passe. Bei den anderen – na ja, Hansueli Siegenthaler zuckt mit den Schultern und sagt: «Jeder sollte es so machen können, wie er es für richtig hält.»

Das sagt auch sein Sohn Hansjürg. Und Sennerin Martina Lempen meint, ein Franken Subvention pro gehörnte Kuh und Jahr könne ja eigentlich kaum ein Anreiz sein, den Kühen die Hörner zu belassen. Übrigens ist die Prozedur des Enthornens bei älteren Tieren eine blutige, schmerzhafte Angelegenheit.

Interessant: Anders als im Berggebiet sind im Mittelland fast durchwegs hornlose Kühe zu sehen. Trotzdem sind in der Werbung stets nur Tiere mit Hörnern zu sehen. Warum wohl?

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