Pillen in grossem Stil gefälscht

Das Regionalgericht hat einen 43-Jährigen zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 23 Monaten verurteilt. Er hatte Medikamente gefälscht und auf dem Schwarzmarkt abgesetzt. Ein dicker Fisch.

<b>Das Regionalgericht Bern-Mittelland:</b> Hier fand der Medikamentenfälscher-Prozess statt.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland: Hier fand der Medikamentenfälscher-Prozess statt. Bild: Keystone

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Die Mittel sorgten für grosse Muskeln, verbesserten die Manneskraft oder machten schlank. Das Ganze hatte allerdings einen Haken: Die Medikamente waren gefälscht und für die Konsumenten gefährlich. Am Dienstag befasste sich das Regionalgericht Bern mit einem grossen Fall von gefälschten Medizinalprodukten.

Er liegt bereits über zehn Jahre zurück. Denn der Hauptbeschuldigte hatte sich im Mai 2008 nach Thailand abgesetzt und wurde erst im letzten Frühling verhaftet, als er in die Schweiz zurückkehrte.

Ein «Jahrhundertfall»

Gerichtspräsidentin Bettina Bochsler sprach vom grössten Fall von Arzneifälschungen im Kanton Bern, vielleicht sogar schweizweit. Sie habe «leer geschluckt», als sie die Akten studiert habe. Die Aktion lief damals unter der Abkürzung Jafa, für «Jahrhundertfall».

Bei den Hausdurchsuchungen in der Region Bern waren vor zehn Jahren in verschiedenen Lagerräumen rund 750 000 Einzeldosen beschlagnahmt worden. Die Analysen der total mehrere Tonnen wiegenden Substanzen zeigten, dass die Wirkstoffe verboten sind.

Seit rund sechs Jahren hatte der Haupttäter mithilfe von Mitarbeitern die Mittel selber her­gestellt. Dabei wurde, so die Anklageschrift, gegen die «elementarsten Sicherheits- und Hygienevorschriften» verstossen, alles war «chaotisch».

Handel florierte

Die Mittel wurden auf dem Schwarzmarkt abgesetzt, hauptsächlich an Personen aus der Bodybuilding- und der Lifestyle­szene: Nahrungsergänzungsmittel mit Anabolika, Potenzmittel, Appetithemmer, Stimulanzien oder Psychopharmaka. Wie hoch der Umsatz und der Gewinn waren, konnte nicht eruiert werden. Man müsse aber von einem relativ schwungvollen Handel ausgehen, sagte Bochsler.

Damit die Medikamente hochwertig wirkten, wurden auf professionelle Art Verpackungen und Beipackzettel angefertigt. Die Arzneien stammten demnach von fiktiven Firmen – etwa aus Bangladesh, Burma, Ungarn oder von den Philippinen.

Volles Geständnis

Am Dienstag erhielt der Haupttäter in einem abgekürzten Verfahren die Quittung. Das Urteil fiel mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 23 Monaten und einer unbedingten Busse von 900 Franken mild aus. Wären diese gewerbsmäs­sigen Widerhandlungen gegen das Arzneimittelgesetz und die Warenfälschungen nämlich unmittelbar nach der Tat beurteilt worden, hätte ihm eine mehr­jährige Gefängnisstrafe gedroht.

Strafmildernd wirkte sich aus, dass die Delikte über zehn Jahre zurückliegen und er nach seiner Verhaftung ein volles Geständnis ablegte.

Die Flucht nach Thailand und der dortige Aufenthalt verliefen allerdings nicht ohne Probleme. Einmal war er ohne gültige ­Aufenthaltspapiere aufgegriffen worden. 820 Tage sass er deshalb in Untersuchungshaft – bei äusserst prekären Bedingungen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2018, 18:56 Uhr

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