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Als Sicherheit gab es ein wertloses Pferd

Mit gefälschten ­Dokumenten gewann ein ­ehemaliger Reitstallbetreiber das Vertrauen von privaten Geldgebern. Diese gaben ihm grosszügig Darlehen – und ­sahen ihr Geld nicht wieder.

Das Amtshaus: Hier steht der Pferdestallbesitzer vor dem bernischen Wirtschaftsstrafgericht.
Das Amtshaus: Hier steht der Pferdestallbesitzer vor dem bernischen Wirtschaftsstrafgericht.
Keystone

Der Schuldenberg ist riesig. Mit gut 1,5 Millionen Franken steht der Mann, ein ehemaliger Grossrat aus dem Kanton Luzern, bei rund dreissig Personen in der Kreide. Er hat von ihnen zwischen 2013 und 2016 grosszügig Darlehen erhalten.

Zurückbezahlt hat der 53-Jährige praktisch nichts. «Ich kann nicht viel dazu sagen. Es ist nicht gut, dass ich so vielen Leuten so viel Geld schulde», sagte der Angeklagte am Dienstag vor dem Wirtschaftsstrafgericht, wo er sich wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten muss.

Um an die Darlehen zu kommen, tischte der ehemalige Reitstallbetreiber seinen Geldgebern immer die gleiche Geschichte auf. Er benötige einen Überbrückungskredit, weil er gerade keine flüssigen Mittel habe. Aber schon in ein paar Tagen verfüge er über Geld aus einer Erbschaft respektive aus einem Kiesabbau auf dem Grundstück seines verstorbenen Vaters.

Als Beweis ­legte er ein Dokument einer ­Gemeinde aus dem Luzerner Hinterland vor. Dieses sollte ­bestätigen, dass dem Mann rund 1,5 Millionen Franken aus einer Erbschaft zustünden.

In einer Druckerei gefälscht

Das echt aussehende Dokument war aber gefälscht. Unterschrift des Gemeindeschreibers und Gemeindelogo hatte er aus einem echten Schreiben kopiert. «Den Inhalt dazwischen habe ich einer Angestellten in einer Papeterie diktiert», gab der Angeschuldigte zu.

Warum er das Schreiben der Gemeinde angefertigt habe, wenn es doch angeblich einen offiziellen Vertrag mit dem Kieswerk gebe, wollte der Gerichtspräsident wissen. Auf diesem seien keine Beträge drauf, versuchte der Mann zu erklären.

Die Geldgeber haben weder die Angaben noch die hohen Zinsversprechungen hinterfragt. Einem hat der Angeschuldigte den Pass eines Pferdes als Sicherheit übergeben. Das Tier habe einen Wert von 50 000 Franken. Bei einer Versteigerung konnte dieses aber wegen seines Alters nicht verkauft werden. Ein anderer Gläubiger erhielt einen Pferdeanhänger als Pfand.

Bezahlt hatte der Angeklagte den Anhänger – richtig – mit dem nicht zurückbezahlten Darlehen einer anderen Person. Mit den Geldern habe er nicht nur Löcher aus früheren Schulden gestopft, betonte er: «Ich habe in den Reitstall investiert, um diesen auf Vordermann zu bringen.»

Am Mittwoch folgen die Plädoyers. Das Urteil wird am Freitag eröffnet.

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