Zum Hauptinhalt springen

Pfeilgerade durchs Aaretal

Eine Reise im BLS-Führerstand eröffnet ganz neue Perspektiven.

Stephan Künzi
Hinter dieser Tür ohne Falle wird der Zug gesteuert.
Hinter dieser Tür ohne Falle wird der Zug gesteuert.
Adrian Moser

Gerade einladend sieht diese Tür nicht aus. Ihr helles Grau wirkt zwar freundlich, doch die fehlende Falle macht rasch klar, dass Eintreten nicht erwünscht ist. Ein blaues Schild bittet zudem, den Platz nicht zu versperren. Aus gutem Grund: Im Notfall soll hier, ganz an der Spitze des BLS-Doppelstöckers Mutz, der Lokführer, die Lokführerin möglichst ohne Hindernis das Weite suchen können.

Hinter der Tür sitzt an diesem Nachmittag die 36-jährige Beatrice Gusset. Nein, sagt sie gleich, in eine Notsituation, die eine Flucht nach hinten nötig gemacht hätte, sei sie in den zweieinhalb Jahren seit ihrem Berufsabschluss nie geraten. In brenzligen Situationen sei bisher immer alles noch gut gegangen. Zum Glück, denn: «Man kann sich zwar Szenarien zurechtlegen, doch wie man tatsächlich reagieren wird, zeigt sich erst im Ernstfall.»

Die 36-jährige Beatrice Gusset ist seit zweienhalb Jahren Lokführerin. Bilder: Adrian Moser
Die 36-jährige Beatrice Gusset ist seit zweienhalb Jahren Lokführerin. Bilder: Adrian Moser

Doch genug der trüben Gedanken. Schliesslich läuft alles wie am Schnürchen in der Lokführerkabine, die so gar nichts von der Enge hat, die manche an der Spitze des Zuges vermuten. Nach der Tür geht es zuerst ein paar Schritte durch einen Gang, hinter dessen Wänden links und rechts sich mannigfaltige Technik versteckt. Vorne wirkt der Führerstand selber sehr geräumig, was nicht zuletzt durch grosszügig im Halbrund angebrachte Bedienelemente unterstrichen wird.

Auf diversen Bildschirmen kann Gusset kontrollieren, ob sie pünktlich unterwegs ist. Ob sie die Geschwindigkeit einhält. Ob alle Schiebetritte eingefahren und alle Türen geschlossen sind. Und ob die Stromabnehmer der beiden gekoppelten Doppelstöcker ordnungsgemäss an die Fahrleitung gedrückt sind.

Gruss um Gruss

Ihren Dienst beginnt Gusset im Bahnhof Thun auf der S1 nach Freiburg. Sanft fährt der Mutz um Punkt 14.43 Uhr an, sanfter, als er müsste, denn eigentlich dürfte er mit Tempo 40 über die Ausfahrweichen fahren. Tut er aber nicht, aus Rücksicht auf die Passagiere, für die abrupte Ablenkbewegungen unangenehm sind: «Der Fahrplan auf der S1 lässt mir genug Zeit.»

Auf diversen Bildschirmen kontrolliert Gusset unter anderem, ob sie pünktlich unterwegs ist.
Auf diversen Bildschirmen kontrolliert Gusset unter anderem, ob sie pünktlich unterwegs ist.

Pfeilgerade geht es nun durchs Aaretal, und sogar für regelmässige Pendler wird die Reise zu einem ganz neuen Erlebnis. Die Landschaft fliegt regelrecht auf die Frontscheibe zu. Dorf folgt auf Dorf und Bahnhof auf Bahnhof, schon führt der Lorraineviadukt schnurstracks in den Bahnhof Bern.

Später, nach der Kantonsgrenze, schlängelt sich das Gleis in Kurven und Einschnitten durchs Hügelland. Bevor kurz vor Freiburg der Horizont wieder weit wird und mit dem Grandfey-Viadukt die zweite grosse Brücke naht.

Gusset ist voll in ihrem Element. Sie grüsst die Lokführer in den entgegenkommenden Zügen, erklärt, dass sie auch deshalb nicht immer mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sei, weil sonst bei den kurzen Distanzen zwischen den Halten zu viel Energie verloren ginge. An den Stationen selber achtet sie auf die vorgeschriebenen Haltezeiten – schliesslich sollen auch Leute, die nicht gut zu Fuss sind, bequem ein- und aussteigen können.

Nicht zu vergessen sei der privilegierte Blick aus dem Cockpit, sagt Gusset.
Nicht zu vergessen sei der privilegierte Blick aus dem Cockpit, sagt Gusset.

Herrliche Ausblicke

Was die Faszination an ihrem Beruf ausmacht? Es ist die Vielfalt, die Mischung aus technischem Wissen und zwischenmenschlichem Kontakt, die Tatsache auch, dass kein Tag wie der andere verläuft. Nicht zu vergessen der privilegierte Blick aus dem Cockpit: «Durchs Gürbetal zu fahren und in die Alpen zu blicken, das ist einfach nur schön.»

Für den BZ-Adventskalender schauen wir bis Weihnachten jeden Tag hinter eine Tür, die sonst nicht geöffnet wird oder werden darf. Hier können Sie nachlesen, wo wir bisher zu Besuch waren:

Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Was sich hinter dieser Tür im Berner Inselspital verbirgt, erfahren Sie im letzten Bericht unserer Serie: Die Adventstür vom 24. Dezember.
Christian Pfander
Was verbirgt sich hinter dieser schwarzen Türe in der Reitschule in Bern? Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 22. Dezember.
Was verbirgt sich hinter dieser schwarzen Türe in der Reitschule in Bern? Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 22. Dezember.
Nicole Philipp
Was haben Steuerverwaltung und Archäologischer Dienst gemeinsam – ausser dass sie sich den Personaleingang teilen? Hier gehts zur Adventstüre vom 21. Dezember.
Was haben Steuerverwaltung und Archäologischer Dienst gemeinsam – ausser dass sie sich den Personaleingang teilen? Hier gehts zur Adventstüre vom 21. Dezember.
Nicole Philipp
Der Hintereingang des Stadttheaters führt in den dreistöckigen Backstage-Bereich. Dahinter herrscht vor einer Aufführung emsiges Treiben. Hier gehts zur Adventstüre vom 20. Dezember.
Der Hintereingang des Stadttheaters führt in den dreistöckigen Backstage-Bereich. Dahinter herrscht vor einer Aufführung emsiges Treiben. Hier gehts zur Adventstüre vom 20. Dezember.
Raphael Moser
Hinter der Türe des Autobahnwerkhofs herrscht Hochbetrieb, wenn es draussen eiskalt ist. Hier gehts zur Adventstüre vom 19. Dezember.
Hinter der Türe des Autobahnwerkhofs herrscht Hochbetrieb, wenn es draussen eiskalt ist. Hier gehts zur Adventstüre vom 19. Dezember.
Raphael Moser
Hinter der Metalltüre neben den Papageientauchern befindet sich die Tierarztpraxis des Tierparks Bern. Hier gehts zur Adventstüre vom 18. Dezember.
Hinter der Metalltüre neben den Papageientauchern befindet sich die Tierarztpraxis des Tierparks Bern. Hier gehts zur Adventstüre vom 18. Dezember.
Raphael Moser
Hinter dieser versprayten Holztür verbirgt sich das innere des Berner Blutturms. Der Name des Turms verheisst Gefährliches. Jonas Schütz der Turmmeister klärt auf. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 17. Dezember..
Hinter dieser versprayten Holztür verbirgt sich das innere des Berner Blutturms. Der Name des Turms verheisst Gefährliches. Jonas Schütz der Turmmeister klärt auf. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 17. Dezember..
Raphael Moser
Hinter einem grossen gelben Tor am Berner Bollwerk verbirgt sich der nicht öffentliche Bereich des Hauptbahnhofs. Was sich hinter den Kulissen des Verkehrsknotenpunkts abspielt. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 16. Dezember..
Hinter einem grossen gelben Tor am Berner Bollwerk verbirgt sich der nicht öffentliche Bereich des Hauptbahnhofs. Was sich hinter den Kulissen des Verkehrsknotenpunkts abspielt. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 16. Dezember..
Christian Häderli
Hinter diesem Gittertor erklärt der Klärwerkmeister Hans Stucki wie die ARA Langnau funktioniert. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 15. Dezember..
Hinter diesem Gittertor erklärt der Klärwerkmeister Hans Stucki wie die ARA Langnau funktioniert. Hier erfahren Sie mehr zur Adventstüre vom 15. Dezember..
Beat Mathys
Hinter diesem Tor, wie man es auch in anderen Industriebetrieben und bei Autogaragen antrifft, wird nicht etwa mit grobem Stahl oder Öl gearbeitet. Was die Roviva Roth & Cie dahinter produziert, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 14. Dezember.
Hinter diesem Tor, wie man es auch in anderen Industriebetrieben und bei Autogaragen antrifft, wird nicht etwa mit grobem Stahl oder Öl gearbeitet. Was die Roviva Roth & Cie dahinter produziert, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 14. Dezember.
Beat Mathys
Hinter diesem Zaun zwischen Lorrainbrücke und Hodlerstrasse befindet sich die älteste Drogenanlaufstelle der Welt. Das «Fixerstübli» ist mehr als ein Ort, an dem sich Süchtige einen staatlich tolerierten Schuss setzen können: Die Adventstüre vom 13. Dezember.
Hinter diesem Zaun zwischen Lorrainbrücke und Hodlerstrasse befindet sich die älteste Drogenanlaufstelle der Welt. Das «Fixerstübli» ist mehr als ein Ort, an dem sich Süchtige einen staatlich tolerierten Schuss setzen können: Die Adventstüre vom 13. Dezember.
Raphael Moser
Diese Tür ohne Falle macht es deutlich: Eintreten für unbefugte nicht erwünscht. Wer dahinter sitzt und das sie dort tut, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 12. Dezember.
Diese Tür ohne Falle macht es deutlich: Eintreten für unbefugte nicht erwünscht. Wer dahinter sitzt und das sie dort tut, erfahren Sie hinter der Adventstüre vom 12. Dezember.
Adrian Moser
In der Rechtsmedizin werden jährlich rund 280 Leichen untersucht. Und meist lüftet sich hinter dieser Tür auch das letzte Geheimnis... Hier gehts zur Adventstüre vom 11. Dezember.
In der Rechtsmedizin werden jährlich rund 280 Leichen untersucht. Und meist lüftet sich hinter dieser Tür auch das letzte Geheimnis... Hier gehts zur Adventstüre vom 11. Dezember.
Raphael Moser
Die Liquid Biobank des Inselspitals ist ein Archiv für Gewebe und Blutproben. Was sich hinter der blauen Türe verbirgt, lesen Sie hier: Adventstüre vom 10. Dezember.
Die Liquid Biobank des Inselspitals ist ein Archiv für Gewebe und Blutproben. Was sich hinter der blauen Türe verbirgt, lesen Sie hier: Adventstüre vom 10. Dezember.
Franziska Rothenbühler
Hinter dieser Tür in Ostermundigen backen fleissige Hände Weihnachtsleckereien. Wie die Bären auf die Lebkuchen kommen, lesen Sie hier: Adventstüre vom 9. Dezember.
Hinter dieser Tür in Ostermundigen backen fleissige Hände Weihnachtsleckereien. Wie die Bären auf die Lebkuchen kommen, lesen Sie hier: Adventstüre vom 9. Dezember.
Sibylle Hartmann
In Löwenberg bei Murten findet man im Wald den Eingang zu einem alten Infanteriebunker. Was sich darin befindet, lesen Sie hier: Adventstüre vom 8. Dezember
In Löwenberg bei Murten findet man im Wald den Eingang zu einem alten Infanteriebunker. Was sich darin befindet, lesen Sie hier: Adventstüre vom 8. Dezember
Raphael Moser
Mitten in der Stadt Bern verbirgt sich ein mehrere Hundert Meter langer Stollen. Welch beeindruckendes Bijou sich hinter der Tür befindet, lesen Sie hier: Adventstüre vom 7. Dezember.
Mitten in der Stadt Bern verbirgt sich ein mehrere Hundert Meter langer Stollen. Welch beeindruckendes Bijou sich hinter der Tür befindet, lesen Sie hier: Adventstüre vom 7. Dezember.
Beat Mathys
Der Samichlous und der Schmutzli haben uns in ihrem Waldhaus im Inselwald bei Niederwangen empfangen. Wie im Innern des Häuschens aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 6. Dezember.
Der Samichlous und der Schmutzli haben uns in ihrem Waldhaus im Inselwald bei Niederwangen empfangen. Wie im Innern des Häuschens aussieht, lesen Sie hier: Adventstüre vom 6. Dezember.
Beat Mathys
Hinter dieser Tür im Bremgartenwald befindet sich das Camp dreier Waldmenschen. Wieso auf die Annehmlichkeiten eines Stadtlebens verzichten und in den Wald ziehen? Dazu erfahren Sie mehr hier: Adventstüre vom 5. Dezember.
Hinter dieser Tür im Bremgartenwald befindet sich das Camp dreier Waldmenschen. Wieso auf die Annehmlichkeiten eines Stadtlebens verzichten und in den Wald ziehen? Dazu erfahren Sie mehr hier: Adventstüre vom 5. Dezember.
Raphael Moser
Diese Tür befindet sich in der Gärtnerei Ellenberger und Fuhrimann in der Berner Altstadt. Dahinter reiht sich Blumenbeet an Blumenbeet – fünfzig Meter den Hang hinab, wie Sie hier lesen können: Adventstüre vom 4. Dezember.
Diese Tür befindet sich in der Gärtnerei Ellenberger und Fuhrimann in der Berner Altstadt. Dahinter reiht sich Blumenbeet an Blumenbeet – fünfzig Meter den Hang hinab, wie Sie hier lesen können: Adventstüre vom 4. Dezember.
Beat Mathys
Hinter dieser Tür in Port bei Biel liegt das Reich von Claudia Schuler. Sie arbeitet hier als Schleusenwärterin. Wie es in ihrem Kabäuschen aussieht, und warum sie im Winter wenig zu tun hat, lesen Sie hier: Adventstüre vom 3. Dezember.
Hinter dieser Tür in Port bei Biel liegt das Reich von Claudia Schuler. Sie arbeitet hier als Schleusenwärterin. Wie es in ihrem Kabäuschen aussieht, und warum sie im Winter wenig zu tun hat, lesen Sie hier: Adventstüre vom 3. Dezember.
Beat Mathys
Kurz vor 5 Uhr hebt sich das erste Tor des Tramdepots Bolligenstrasse in Bern. Wer hat den Schlüssel? Lesen Sie es hier: Adventstüre vom 2. Dezember
Kurz vor 5 Uhr hebt sich das erste Tor des Tramdepots Bolligenstrasse in Bern. Wer hat den Schlüssel? Lesen Sie es hier: Adventstüre vom 2. Dezember
Sibylle Hartmann
1 / 24
Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch