Pfarrer Urwyler blitzt vor dem Verwaltungsgericht ab

Köniz

Der Könizer Pfarrer André Urwyler bleibt beurlaubt: Das bernische Verwaltungsgericht hat seine Beschwerde gegen einen Entscheid der kantonalen Kirchendirektion abgewiesen.

Pfarrer Urwyler ist zurecht freigestellt worden, urteilte das bernische Verwaltungsgericht.

Pfarrer Urwyler ist zurecht freigestellt worden, urteilte das bernische Verwaltungsgericht.

(Bild: Beat Mathys)

Bis zum Abschluss des hängigen Abberufungsverfahrens sollte in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Köniz eine «möglichst ungestörte Atmosphäre» herrschen, heisst es in der am Montag veröffentlichten Urteilsbegründung. Die Freistellung Urwylers sei deshalb zurecht erfolgt.

Der Kanton hatte geltend gemacht, ein geordneter Betrieb in der Kirchgemeinde sei kaum denkbar, solange Pfarrer Urwyler sein Amt ausübe. Die Beurlaubung ist eine provisorische Massnahme; über die Abberufung selber wird die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) frühestens in diesem Herbst entscheiden.

Der Fall Urwyler erhitzt seit langem die Gemüter. Seit Mitte der 1990er Jahre gab es immer wieder Spannungen zwischen dem Pfarrer und den Behörden der Kirchgemeinde, wie das Verwaltungsgericht unter Berufung auf einen Bericht des Synodalrats schreibt.

Im November 2010 zog der Kirchgemeinderat die Reissleine und stellte beim Kanton den Antrag auf Abberufung des Pfarrers. Wenige Tage später entschied die Kirchendirektion erst einmal, Urwyler sei sofort im Amt einzustellen. Das nahm der Pfarrer zunächst hin - die Verfügung blieb unangefochten.

Andauernde Spannungen

Neue Hoffnung schöpfte Urwyler Anfang 2011, als die administrative Leitung der Kirchgemeinde änderte: Der mit Urwyler zerstrittene Kreisverwalter wurde ersetzt durch eine Kirchenkreiskommission, die dem Pfarrer freundlicher gesinnt ist. Sie bat den Kanton umgehend, die Beurlaubung Urwylers aufzuheben.

Der Kanton lehnte dies ab - zu Recht, wie das Verwaltungsgericht jetzt entschied. Denn die Beurlaubung sei ja eine Folge des hängigen Abberufungsgesuchs, und die Gründe für die Suspendierung seien nach wie vor gültig.

Am schlechten Verhältnis zwischen Pfarrer und Kirchgemeinderat habe sich ja nichts geändert. Ausserdem habe der Geistliche auch Probleme mit anderen Mitarbeitenden gehabt, das sei in den Akten hinlänglich dokumentiert. Die Suspendierung ist in den Augen des Gerichts daher weiterhin eine sinnvolle Massnahme.

Die Rolle der Kirchenkreiskommission

Urwyler hatte in seiner Eingabe auch geltend gemacht, der Kirchgemeinderat hätte gar kein Abberufungsgesuch stellen dürfen. Dafür sei die Kirchenkreiskommission zuständig.

Dem widerspricht das Verwaltungsgericht. Schliesslich sei es der Kirchgemeinderat, der die Aufsicht über die Amtsführung der Pfarrer ausübe und auch den Antrag auf Abberufung stellen müsse. Die Kirchenkreiskommission nehme demgegenüber nur administrative Aufgaben wahr; sie habe keine Aufsichtsfunktionen.

Zwei Fälle

Urwyler ist nicht der einzige Geistliche in der Region Bern, der nach Spannungen beurlaubt ist. Auch im Fall des katholischen Pfarrers Marian Miklaszewski (Wabern) läuft ein Abberufungsverfahren - und auch er hat seine Beurlaubung vor dem Verwaltungsgericht angefochten. Das Urteil steht noch aus.

met/sda

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