Per Initiative zur Schulsozialarbeit

Walkringen

Bedürfnis oder Zwängerei? Ein Bürger­komitee will die Schulsozialarbeit per Volksentscheid ­einführen – gegen den Willen des Gemeinderates.

Ob Mobbing oder Prüfungsangst: Die Schulsozialarbeit springt dann ein, wenn es im Klassenzimmer zu Konflikten kommt. Im Kanton Bern führen 90 Gemeinden ein solches Angebot. Vielleicht bald auch Walkringen.

Ob Mobbing oder Prüfungsangst: Die Schulsozialarbeit springt dann ein, wenn es im Klassenzimmer zu Konflikten kommt. Im Kanton Bern führen 90 Gemeinden ein solches Angebot. Vielleicht bald auch Walkringen.

(Bild: Fotolia)

Die Schulsozialarbeit kommt vor das Walkringer Stimmvolk. Ein Bürgerkomitee will die professionelle Unterstützung für Schulkinder, Lehrer und Eltern mittels Gemeindeinitiative im Bildungsreglement der Gemeinde verankern. Mitte September startete die offizielle Unterschriftensammlung. Mitte Oktober hatten die benötigten 10 Prozent der Stimmberechtigten – 150 Personen – unterzeichnet.

Am Montag deponierten die Initianten schliesslich 249 Unterschriften auf der Gemeindeverwaltung. Sind diese Unterschriften gültig, kommt es im Verlauf des nächsten Jahres zur Abstimmung an der Gemeindeversammlung – und zum Showdown zwischen den Befürwortern und dem Walkringer Gemeinderat.

«Zeit, dass sich Volk äussert»

In den vergangenen Jahren hatte die örtliche Schulkommission zweimal vorgeschlagen, die Schulsozialarbeit im Dorf ein­zuführen. Zweimal stellte sich die Gemeindeführung gegen das Vorhaben. Mit der Begründung: zu hoch die Kosten, zu tief der ­Bedarf.

Die Stimmberechtigten konnten beide Male nicht mitreden; das Geschäft lag im Kompetenzbereich des Gemeinderats. «Es ist Zeit, dass sich das Volk zur Thematik äussern kann», sagt Evelyne Brogle vom Walkringer Bürgerkomitee.

Bedürfnis?

Evelyne Brogle rechnet sich gute Chancen aus: «Das Anliegen entspricht einem Bedürfnis der Basis.» Im Gespräch verweist sie mehrfach auf die positiven Erfahrungen, welche andere Gemeinden in der Region mit der Schulsozialarbeit gemacht hätten: ­Biglen, Grosshöchstetten, Konolfingen. Der Initiantin schwebt demnach ein vergleichbares, «niederschwelliges Angebot» vor, sprich: eine 20-Prozent-Stelle. Man geht von jährlichen Kosten von rund 20'000 Franken aus.

Ob das Anliegen im Dorf deshalb mehrheitsfähig ist, wird sich dennoch weisen müssen. Denn wie so oft, wenn es um Sozialausgaben geht, treffen irgendwann parteipolitische Dogmen aufeinander. Sparen oder zahlen. Sozialabbau gegen Sozialausbau. Rechts versus links.

Mehrere ­Initiantinnen betonen unabhängig voneinander, dass man politisch ungebunden sei: «Es geht um die Sache, nicht um rechts oder links.» Grabenkämpfe seien verfehlt, heisst es mit Nachdruck. Ob diese deswegen ausbleiben, darf aber trotzdem bezweifelt werden.

Zwängerei?

Denn: An der Haltung des mehrheitlich bürgerlichen Gesamtgemeinderates ändert das Volksbegehren nichts. Zumindest nicht, wenn es nach Gemeindepräsident Peter Stucki (parteilos) geht. Man hält an den früheren Entscheiden fest. Der Initiativweg stehe allen offen. «Dagegen habe ich nichts», so Stucki. Trotzdem sei das Begehren auch ein Beweis dafür, dass die Gegenseite «Entscheide nicht akzeptiert».

Er sehe ein, dass das Angebot hilfreich sein könne, aber deswegen sei es noch lange nicht essenziell. Stucki: «Wenn es um Überlebenswichtiges ginge, wäre es längst obligatorisch.» Die Gemeinde ­habe auch so schon genügend Verpflichtungen gegenüber Bund und Kanton. Überhaupt: «Das ­Soziale schiesst ein bisschen aus dem Boden.»

Bedürfnis oder Zwängerei? Das letzte Wort zur Schulsozialarbeit haben die Walkringer Stimmberechtigten.

Berner Zeitung

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