Patientin verklagt Inselspital

Bern

Eine Patientin ­fordert vom Inselspital eine finanzielle Genugtuung. Sie sei wegen einer falschen ­Behandlung halbseitig gelähmt, argumentiert sie.

An einem Abend im Mai 2003 suchte eine Bernerin die Notfallstation des Inselspitals auf. Sie litt unter Lähmungserscheinungen im linken Bein und in der linken Körperhälfte. Sie hatte zuvor ihren Hausarzt angerufen, und dieser riet ihr, sie solle direkt in die Insel fahren. Dort wurde die Frau untersucht. Unter anderem mit einer Computertomografie (CT). Anschliessend wurde ihr Aspirin verabreicht und ein blutdrucksenkendes Pflaster aufgelegt.

Nach Mitternacht verlegte man die Patientin ins Regionalspital Münsingen. Dort verschlechterte sich ihr Zustand akut: Ihre linke Körperhälfte war nun vollständig gelähmt. Die Frau wurde notfallmässig ins Inselspital zurückgebracht, wo weitere Untersuchungen zeigten, dass eine Halsschlagader und eine Gehirnschlagader verschlossen waren. Die Patientin musste mehrmals operiert werden – die halbseitige Lähmung wegen des Schlaganfalls blieb aber bestehen.

Heute ist die Frau pflegebedürftig. Und sie ist überzeugt, dass letztlich ein ärztlicher Fehlentscheid am Inselspital schuld an ihrem Gesundheitszustand ist.

Genugtuung gefordert

Die Patientin fordert vom Inselspital eine finanzielle Genugtuung von mindestens 50'000 Franken, wie aus einem am Freitag veröffentlichten Urteil des bernischen Verwaltungsgerichts hervorgeht. Ob sie diese allerdings bekommen wird, ist noch nicht entschieden. Die Richter kommen zum Schluss, dass zur Beurteilung wichtige Informationen fehlen. «Es ist nicht Sache des Verwaltungsgerichts, ein solches Gutachten einzuholen», heisst es im schriftlichen Urteil, mit dem der Fall an die Vorinstanz zurückgewiesen wird.

Bereits mehrere Gutachten

In dem Fall liegen bereits mehrere Gutachten vor. Zum Teil hatte sie die Klägerin in Auftrag ge­geben, zum Teil die Inselspital-Stiftung. Eine Expertenmeinung hatten die beiden Parteien sogar gemeinsam eingeholt. Dennoch kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass keines der Gutachten die Frage beantworten kann, ob die Behandlung am Inselspital, beziehungsweise die Verlegung der Patientin, einen kausalen Zusammenhang mit ihrem heutigen Gesundheitszustand hat. Zum Teil widersprechen sich die Gutachter.

Die Patientin macht gegenüber der Insel-Stiftung eine Entschädigung wegen der Verletzung ärztlicher Sorgfaltspflicht geltend. Sie versuchte zuerst, sich mit der Stiftung, beziehungs­weise deren Haftpflichtversicherung, gütlich zu einigen. Die Parteien fanden aber keine aussergerichtliche Lösung.

Berner Zeitung

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