Paradies für Gratisparkierer

Oberwangen

Eine Einsprache des Ortsvereins bringt das Thema aufs Tapet: Köniz schränkt das Parkieren in Oberwangen nicht durch die blaue Zone ein. Zur Freude der Pendler.

Weisse Felder: In Oberwangen darf nach wie vor ohne zeitliche Beschränkung parkiert werden.

Weisse Felder: In Oberwangen darf nach wie vor ohne zeitliche Beschränkung parkiert werden.

(Bild: Nicole Philipp)

Stephan Künzi

Weisse Parkfelder werden von den Pendlern geschätzt. Sie erlauben ihnen nicht nur, das Auto gratis abzustellen, sondern kennen auch keine zeitliche Begrenzung. Wenn sie darüber hinaus nahe bei einer S-Bahn-Haltestelle mit attraktiven Verbindungen in die Stadt liegen, erfreuen sie sich nur noch umso grösserer Beliebtheit. Daran wiederum verärgert die Anwohner. Weil dann für sie weniger Platz für ihre Autos bleibt

Die alte Villa

Genau in diesem Zweispalt steckt Oberwangen. Das Dorf im Westen von Köniz liegt zwar nur rund 20 Fahrminuten vom Stadtzentrum von Bern entfernt und gehört nicht zuletzt seiner Lage wegen eigentlich noch in den Agglogürtel. Trotzdem haben die Behörden bislang darauf verzichtet, die Felder blau anzumalen und so die Parkdauer einzuschränken. Weil in Köniz blaue Zonen nur für die städtisch geprägten Quartiere vorgesehen sind, Oberwangen dagegen in offizieller Lesart zum ländlichen Teil der weitläufigen Gemeinde zählt.

Dazu kommt die S-Bahn. Zwar hält in Oberwangen nur der langsamere der beiden Züge, die jede halbe Stunde in beiden Richtungen durchs Wangental fahren. Dafür kann das Dorf für sich in Anspruch nehmen, direkt an der Zonengrenze des Libero-Tarifverbundes zu liegen. Wer also von ausserhalb die Stadt Bern erreichen will, zahlt ab hier nur die beiden Kernzonen – und fährt so spürbar günstiger.

Das spricht sich herum, gerade bei den Pendlern aus dem nahen Kanton Freiburg: Ortsvereinspräsidentin und SVP-Politikerin Kathrin Gilgen jeden­falls sieht auf den weissen Parkfeldern regelmässig Autos mit Freiburger Nummern.

Die Bautätigkeit im Dorf trägt ihrerseits zu einer weiteren Verknappung bei. Mit jedem zusätzlichen Haus und jeder zusätzlichen Wohnung nehme der Druck zu, so Gilgen weiter. Weil die neuen Einwohner nicht selten mehr Autos als private Parkplätze hätten. Und gleichzeitig auch noch ihren Besuch ins Dorf brächten – wenn dann ein Handwerker sein Auto nur noch neben die Park­felder stellen könne, «ist die Gemeinde mit dem Bussenblock immer rasch zur Stelle».

Vor diesem Hintergrund hat der Ortsverein gegen ein aktuelles Bauprojekt Einsprache erhoben. Konkret geht es um den Ausbau des sogenannten Schlössli an der Wangenhubelstrasse 1, in dessen unmittelbarer Umgebung in letzter Zeit eine neue Siedlung mit mehreren Mehrfamilienhäusern entstanden ist. Nun soll die ehemalige, gut hundertjährige Villa auf Vordermann gebracht werden, statt wie bisher zwei soll sie künftig vier Wohnungen bieten – dumm nur, dass die Anzahl Parkplätze, die die Gemeinde dem Perimeter zugesprochen hat, bereits ausgeschöpft ist.

Im Baugesuch stellten die Investoren deshalb das Begehren, für die vier Wohnungen von der Parkplatzpflicht ausgenommen zu werden. Was wiederum dem Ortsverein nicht gefällt: «Wir haben Einsprache erhoben», bestätigt Präsidentin Gilgen.

Der Blick in die Zukunft

Im Moment ist das Geschäft bei den Könizer Behörden hängig. Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) äussert sich deshalb nicht näher. Zur Frage, ob im doch vorstädtisch geprägten Oberwangen langfristig nicht die blaue Zone eingeführt werden muss, sagt sie immerhin: «Langfristig sollte das System gemeindeweit einheitlich sein.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt