Bern

Papst Franziskus persönlich traute ihn

BernIm Sommer 2016 zog Luca Schäfer nach Rom, bereit, als Schweizer ­Gardist im Fall der Fälle für Papst Franziskus sein Leben zu lassen. Ende Juli kam er zurück – quicklebendig und mit der grossen Liebe.

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1968 erschien der Film «In den Schuhen des Fischers». Es ist die Geschichte eines russischen Erzbischofs, der nach jahrelanger Gefangenschaft im sibirischen Gulag frei kommt und dann Papst wird.

Als Luca Schäfer diesen Film zum ersten Mal sah, war er 7 Jahre alt. Ein Detail fiel ihm dabei speziell auf: die Akteure in den bunten Uniformen, die Schweizer Gardisten. «Ihre Aufgabe, ihre Uniformen und ihre ­Waffenkammern faszinierten mich», sagt Schäfer. Von da an war für ihn klar: So ein Gardist will ich auch einmal werden.

Der Entscheid

Heute ist Luca Schäfer 23-jährig, hat kurze schwarze Haare, kräftige Arme, eine kleine feine Narbe auf der Nase und spricht in ­bedächtigen Worten. Er wuchs in Bern auf, wo sein Vater noch heute eine Hausarztpraxis führt.

Vor ihm habe nie jemand in seiner Familie einen direkten Bezug zur Schweizergarde gehabt, sagt er. Zwar besuchten sie jeweils gemeinsam die Gottesdienste in der katholischen Kirche von Bern, der Dreifaltigkeitskirche, und gingen auch nach Rom in die ­Ferien. Aber dass seine Begeisterung für die Schweizergarde die Kinder- und Jugendjahre überlebt, damit rechneten in seinem Umfeld nur die wenigsten.

Und doch fällte er nach der Matura und der Rekrutenschule den Entscheid, für 25 Monate in Rom dem Papst zu dienen.«Meine Berner Freunde haben es mir zuerst gar nicht geglaubt», sagt Schäfer. Viele hätten erst da realisiert, wie wichtig ihm die Kirche und der Glaube seien.

Die Aufgabe

Der Eid, den ein Schweizer Gardist vor seinem Dienst ablegen muss, hat es in sich. Nicht nur muss er geloben, dem Papst «treu, redlich und ­ehrenhaft» zu dienen. Er muss auch schwören, sein Leben hinzugeben, falls dies «erheischt sein sollte».

Sowieso: Es ist kein normaler Job, ein Schweizer Gardist zu sein. Kasernenleben, 13-stündige Arbeitstage, ständige Einsatz­bereitschaft – in diesen «langen Stunden» brauche es viel Überzeugung, sagt Luca Schäfer. «Man muss einen Sinn in der Aufgabe sehen.» Aber man bekomme auch einiges zurück.

Die Show

Wenn Luca Schäfer von seiner Zeit im Vatikan erzählt, ist er fast ausnahmslos am Schwärmen. «Für mich ist es der eindrücklichste Flecken auf Erden», sagt er. Als Gardist erlebte er, wie ­Besucher aus der ganzen Welt nach Rom pilgerten – darunter auch viele Promis. Ist da nicht auch viel Show dabei?

Dass manche den Vatikan auch als Bühne benutzen, will Schäfer gar nicht verneinen. So war er auch beim Besuch von Donald Trump hautnah dabei. Aber: «Die wahre Show ist für mich die Kulisse.» Diese Kulisse, mit Bauten wie dem Petersdom oder dem Apostolischen Palast, sei stets ein paar Nummern grösser als die Mächtigen, die sich davor versammelten, sagt Schäfer.

Die schönste Begegnung

Im Vatikan lernte er Italienisch, schloss neue Freundschaften, genoss das römische Flair direkt vor der Haustür. Aber die schönste Begegnung war jene mit seiner heutigen Frau, Letícia Vera. Auch sie arbeitete zu dieser Zeit im ­Vatikan, im «Office of the Patrons of the Arts», einer Abteilung der Vatikanischen Museen.

Zum ersten Mal sahen sie sich kurz nach seiner Ankunft am Lago di Bracciano, einem See etwas ausserhalb Roms. Dass heute Tausende Menschen weltweit von ihrer Liebe wissen, ist auf die Hochzeit von Mitte Juli zurückzuführen.

Da ging ein Bild viral. Es zeigt das Brautpaar bei der Trauung. Und vor ihnen, da steht Papst Franziskus mit dem Messbüchlein in der Hand. Er führte die Trauung durch, was ein Papst sonst praktisch nie macht.

Als sie das Datum der Heirat wussten, schrieben sie Papst Franziskus einen Brief, so Schäfer. Sie rechneten eigentlich nicht damit, dass dieser die Einladung annehmen würde. Aber am Ostertag ­bekamen sie eine Antwort: Ja, er werde die Trauung sehr gerne durchführen.

Die Hochzeit

Da ging das Bibbern los, ob nicht doch noch etwas dazwischenkommen könnte. «Wir weihten nur sehr wenige Personen im Vorfeld ein», sagt Schäfer. Von der gut 120-köpfigen Hochzeitsgesellschaft wusste daher quasi niemand, was sie erwarten würde. «Einigen war auch zu Beginn der Zeremonie noch nicht klar, dass da vorne Papst Franziskus stand», sagt Schäfer lachend.

Dass diese Nachricht nach der Hochzeit dermassen die Runde machen würde, damit hatte das Brautpaar nicht gerechnet. «Es geriet etwas ausser Kontrolle. Zum Teil wurden auch Informationen verbreitet, die gar nicht stimmten», sagt Schäfer. Vor allem in Brasilien, der Heimat von Letícia, liessen die Medien fast nicht mehr locker. Mittlerweile hat sich das Ganze etwas beruhigt, und Schäfer sieht auch die positiven Seiten.

Das Studium

Für ihn beginnt nun ein neuer ­Lebensabschnitt. Er und seine Frau Letícia sind nach Bern ge­zogen, sie lernt derzeit fleissig Schweizerdeutsch. Im Herbst beginnt er ein Medizinstudium an der Uni Bern. Im Gegensatz zu seinem Ausflug zur Schweizergarde folgt er da einer Familientradition. Es ist das gleiche Studium, das sein Vater und zwei seiner Geschwister auswählten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 15.08.2018, 21:42 Uhr

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Die Päpstliche Schweizergarde gibt es schon seit über 500 Jahren. Sie sichert verschiedene Zugänge zum Vatikan ab und ist für die persönliche Sicherheit des Papstes verantwortlich. Ein Gardist muss praktizierender Katholik sein, den Schweizer Pass besitzen und die RS absolviert haben. Er verpflichtet sich jeweils für gut zwei Jahre. Laut der Medienstelle der Schweizergarde kommen derzeit sieben Gardisten aus dem Kanton Bern. (qsc)

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