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Paco spendet 300 Milliliter Blut

75 Hunde spenden im Tierspital Bern regelmässig Blut und retten so verletzte und kranke Artgenossen. Der 9-jährige Paco ist ein Spender. Der Moment der Blutentnahme ist heikel. Danach gibts zur Belohnung ein Festmahl.

Paco wedelt mit dem Schwanz und legt seinen Kopf schräg. Er kennt Tierärztin Helene Rohrbach. Und er scheint zu wissen, dass nach getaner Arbeit ein grosser Napf mit Futter auf ihn wartet. «Paco ist ein Profi», sagt Helene Rohrbach. Ein Profi in jeder Hinsicht. Paco ist ein 9 Jahre alter Schutzhund. Mit seinem Besitzer Ulrich Kohler bewacht er den Militärflugplatz in Meiringen. Heute aber hat Paco frei und spendet im Tierspital Bern Blut. 75 Hunde gehören zum Spenderteam. Mit dem Blut dieser Hunde retten Tierärztinnen und Tierärzte das Leben von schwer verletzten oder kranken Artgenossen.

Paco muss Haare lassen

Auf ein kurzes Zeichen seines Meisters springt Paco auf den Untersuchungstisch. Die Tierärztin, ihre beiden Helferinnen und Hundebesitzer Kohler legen den Rüden auf die Seite und halten ihn fest. Obschon Paco das Prozedere gewohnt ist, wirkt er nun angespannt. Er hechelt, seine Zunge hängt aus dem Maul, und hie und da hört man ein leises Winseln.

Helene Rohrbach rasiert eine kleine Stelle am Hals von Paco. Das Fell ist sehr dicht. Haarbüschel fallen zu Boden. «Jetzt hast du dann wieder eine hässliche Frisur», sagt Ulrich Kohler zu Paco.

Paco muss still liegen

Das eigentliche Blutspenden dauert fünf bis zehn Minuten. Die Tierärztin tastet nach der Halsvene und führt die Kanüle ein. Heikel wird es, sobald das Blut fliesst: Nun muss der Hund ganz ruhig liegen, damit die Nadel nicht verrutscht. Bewegt sich der Spender, bevor 300 Milliliter Blut aufgefangen sind, ist das wertvolle Gut verloren. Das Verhältnis von den im Beutel enthaltenen Konservierungsmitteln und dem Blut stimmt dann nicht. Es ist still im Behandlungsraum. Niemand spricht. Nur das schnelle Atmen von Paco ist zu hören. Im Behandlungsraum riecht es nach Hund. Dunkelrot läuft das Blut in den Schlauch und füllt langsam den Beutel. Bei 50 Millilitern zuckt Paco zusammen und richtet seinen Kopf auf. «Schschsch. Ganz ruhig», versucht Helene Rohrbach den Hund zu beruhigen. Aber die Nadel ist schon nicht mehr an ihrem Platz. «Wir müssen es auf der anderen Seite noch einmal versuchen», sagt die Tierärztin. Der Besitzer entschuldigt sich. «Kein Problem, das kann vorkommen», beruhigt Rohrbach. Zehn Minuten später befinden sich 300 Milliliter Blut im Beutel. Eine Menge für einen 25 Kilogramm schweren Hund. Aber Hunde können im Verhältnis zu ihrem Gewicht und im Vergleich zum Menschen mehr Blut spenden. «Prima gemacht, Paco!», lobt die Tierärztin.

Pacos seltene Blutgruppe

Hunde haben 13 verschiedene Blutgruppen. Davon können 7 bestimmt werden. Bei Bluttransfusionen wird nur die wichtigste Blutgruppe bestimmt. Pacos Blut ist besonders wertvoll, da bei ihm diese Blutgruppe negativ ist. Blut mit negativem Faktor kann für alle Hunde verwendet werden, ist aber seltener als positives Blut. Bevor ein Hund Blut erhält, wird ein Verträglichkeitstest mit seinem eigenen Blut durchgeführt. Katzen erhalten am Tierspital Bern meistens einen synthetischen Blutersatz. Denn Blutspenden mit Katzen funktioniere nicht so einfach wie mit Hunden, erklärt Rohrbach. Eine Katze müsste narkotisiert werden. Es eignet sich auch nicht jeder Hund als Spender. Neben gewissen körperlichen Eigenschaften, die er erfüllen muss, muss er auch kooperativ sein. Darum wird bei einem Bewerber zuerst ausprobiert, ob er eine gewisse Zeit ruhig auf der Seite liegen kann. Wenn er dabei zu nervös wird, kann er nicht Blut spenden. «Wir wollen dem Hund keine Angst machen», sagt Helene Rohrbach. «Das Spenden soll für ihn ein positives Erlebnis sein.» Ulrich Kohler kommt mit Paco zum Blutspenden, weil er findet, «dass es eine gute Sache ist, und weil wir vielleicht auch mal froh sind, wenn ein anderer Hund Blut gespendet hat».

Paco interessiert sich derweil vor allem für seine Belohnung: Er verschlingt schmatzend das Futter, das ihm die Tierarzthelferin vor die Nase gestellt hat.

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