Ouvertüren zur Eröffnung

Mit dem traditionellen Open-Air-Konzert auf dem Bundesplatz eröffnete das Berner Symphonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Mario Venzago die neue Saison.

Konzert vor atemberaubender Kulisse: Das Berner Symphonieorchester trat zur Saisoneröffnung auf dem Bundesplatz auf.

Konzert vor atemberaubender Kulisse: Das Berner Symphonieorchester trat zur Saisoneröffnung auf dem Bundesplatz auf.

(Bild: Iris Andermatt)

Konzert Theater Bern ist zurück: Mit dem Theaterfest bot das Vierspartenhaus am Samstag ein buntes Programm, das im mittlerweile traditionellen Open-Air-Konzert des Berner Symphonieorchesters auf dem Bundesplatz gipfelte. Die Wetterbedingungen waren perfekt, der Publikumsaufmarsch auf dem Bundesplatz gross, die Stimmung gut.

Brücken schlagen

Das Berner Symphonieorchester steigt nach seinen sechswöchigen Sommerferien mit höchstem musikalischem Niveau in das Open-Air-Konzert ein – von Anlaufschwierigkeiten keine Rede. Mit viel Elan und Präzision eröffnet das Orchester unter Mario Venzago mit Georges Bizets Ouvertüre zur Oper «Carmen» das Konzert. Das Stück dient an diesem Abend als metaphorische Brücke zwischen der vergangenen und der neuen Saison: «Carmen» in der Inszenierung von Stephan Märki, die vergangene Spielzeit Premiere feierte, wird in der kommenden Saison wieder aufgenommen.

Den Begriff «Eröffnung» nimmt Mario Venzago für das Programm des Abends wörtlich. Im Konzertprogramm reihen sich Eröffnungsmusiken zu Opern aus allen Epochen an­einander – auf Bizets Ouvertüre folgt Verdi («Don Carlos»), nicht fehlen dürfen natürlich auch Mozart («Zauberflöte») und Wagner («Tannhäuser»). Eröffnen heisse für ihn auch, Herzen zu öffnen, lässt der Maestro verlauten, und das gelingt ihm allein schon durch seine gekonnte Moderation. Mit gehalt- und humor­vollen Überleitungen, gespickt mit Anekdoten zu den Kom­ponisten und Werken, führt der Charmeur durch den Abend.

In all den Ouvertüren steht das mittig programmierte Stück des israelischen Komponisten Avner Dorman ein bisschen quer in der Landschaft. Der Satz «Spices» aus Dormans 2006 uraufgeführten Werk «Spices! Per­fumes! Toxines!» hat seinen Platz im Konzertprogramm wohl vor allem wegen seines Potenzials zum Spektakel erhalten. Und er hält, was er verspricht. Vor der Orchesterbühne werden pro­minent zwei Schlagzeugsets mit Marimbafonen platziert, wo sich die beiden BSO-Schlagzeuger Michael Meinen und Peter Fleischlin ans Werk machen.Virtuos lassen die beiden ihre Schläger – bisweilen auch ihre blossen Finger und Handballen – über die Klangstäbe und Trommeln fliegen. Begleitet vom ebenso wachen BSO, wirbeln sich die zwei Solisten durch Dormans eklektische Musik, die immerfort zwischen orientalischen Klängen und rockigen Rhythmen kreist. Offene Herzen? Hier bleibt zeitweise vor allem der Mund offen stehen.

Meister der Herzen

Spätestens mit diesem Stück ist der Steigerungslauf eingeläutet, der nach weiteren drei Ouvertüren schliesslich damit endet, dass Venzago in der zweitenZugabe nicht mehr nur das Orchester, sondern auch das mitklatschende Publikum dirigiert. Viele der Herzen auf dem Platz haben Venzago und das Berner Symphonieorchester an diesem Abend nicht nur geöffnet – sie fliegen ihnen regelrecht zu.

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