Ostermundigen droht eine Steuererhöhung

Ostermundigen

Per Ende nächsten Jahres rutscht die Gemeinde Ostermundigen wohl in die roten Zahlen. Der Gemeinderat sieht daher eine Steuererhöhung vor.

In Ostermundigen dürften die Steuern ansteigen.

In Ostermundigen dürften die Steuern ansteigen.

(Bild: Fotolia)

Annic Berset

NHL-Eishockeyprofi Roman Josi, Schauspielerin Ursula Andress, Moderatorin Michelle Hunziker – es sind drei Persönlichkeiten aus Ostermundigen, die der Gemeinde einen gewissen Glamour-Namen bringen. «Alles andere als glamourös sieht hingegen unser geplantes Budget für das nächste Jahr aus», sagte Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) am Dienstag vor den Medien. Die finanzielle Lage der Gemeinde sei sehr angespannt.

Ostermundigen sieht für 2018 bei einem Gesamtaufwand von 100,1 Millionen Franken einen Ertrag von 98 Millionen Franken vor, das ergibt einen Fehlbetrag von 1,2 Millionen Franken. Und wahrscheinlich wird es in den nächsten Jahren nicht besser.

Obwohl kurzfristig 800'000 Franken im Budget eingespart werden konnten, vor allem im Bereich Tiefbau, reiche dies nicht aus, erklärte Gemeinderat Erich Blaser (SVP). «Diese Massnahme bringt zu wenig dafür, den Finanzhaushalt wieder ins Lot zu bringen», sagte er.

Ausserdem wird Ende dieses Jahres das Eigenkapital von Ostermundigen aufgebraucht sein. Dies, weil die Gemeinde für den Wechsel der Pensionskasse über 20 Millionen Franken Rückstellungen tätigen musste.

Steuern von 1,69 auf 1,84

Helfen soll den Ostermundiger Finanzen ein weiteres Sparprogramm, die sogenannte Aufgaben- und Leistungsüber­prüfung (ALÜ). Wie der Name sagt, werden im Rahmen des Projekts alle Leistungen und Aufgaben der Gemeinde unter die Lupe genommen. «Diese Sparprozesse können schmerzhaft und einschneidend sein», so Erich Blaser.

Wo genau ein Sparpotenzial ersichtlich sein wird, will der Ge­meinderat aber noch nicht sagen. Der Prozess der ALÜ sei noch nicht abgeschlossen, und man wolle die Ergebnisse abwarten. «Deshalb ist für 2018 auch noch keine Steuererhöhung geplant.» Unausweichlich werde diese aber für das Jahr 2019, wenn die ALÜ nicht genügend Sparmassnahmen hervorbringe.

Somit bringt Blaser eine Steuererhöhung aufs Tapet: Die Steuern sollen von 1,69 auf 1,84 angehoben werden. Die Gemeinde würde sich im obersten Drittel des Kantons Bern befinden. Im Parlament hatten sowohl bürgerliche wie auch linke Parteien in den letzten Jahren vor diesem Schritt gewarnt.

«Ziel ist es immer noch, ohne Er­höhung auszukommen», betonen Blaser und Iten. Wahrscheinlich werde es aber nicht anders möglich sein, das finanzielle Loch zu stopfen. Dank dieser Steuerer­höhung soll die Gemeinde gemäss dem Finanzplan bis 2022 einen Bilanzüberschuss von 5,4 Millionen Franken ausweisen.

«Wir müssen schauen, dass wir trotz der ge­planten Erhöhung konkurrenzfähig für Zuzüger bleiben.»Thomas Iten, Gemeindepräsident

«Wir müssen aber schauen, dass wir trotz der geplanten Erhöhung konkurrenzfähig und interessant für Zuzüger bleiben», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Die Gemeinde setzt seit Jahren grosse Hoffnungen in die Wachstumsstrategie. Sie will mit den zusätzlichen Steuereinnahmen die Gemeindefinanzen wieder ins Lot bringen.

Aber: Mehr Einwohner bedeuten für Ostermundigen im Moment eins – Kosten. Vor allem im Bildungsbereich, wo bis in sieben Jahren dreizehn neue Klassen aufgehen sollen. Deshalb steigen die Kosten im Bereich Bildung im Vergleich zum Budget 2017 erheblich. «Ausserdem haben wir zu viel günstigen Wohnraum, sprich zu viele Leute, die bei uns wenig oder gar keine Steuern zahlen», so Iten. Der Steuerertrag pro Kopf sei in Ostermundigen unterdurchschnittlich tief.

Langfristige Effekte

Die Gemeinde wird in Zukunft unter anderem auf zahlungskräftige Privatpersonen angewiesen sein. Mit der aufgegleisten Ortsplanungsrevision will man unter anderem Wohnraum für diese Zielgruppe schaffen. «Bis das zu Buche schlägt, kann es aber zehn Jahre dauern», sagt Iten. Dass die Gemeinde aber auf die Rückkehr von Roman Josi und Co. warten kann, damit das finanzielle Loch gestopft werden kann, ist unwahrscheinlich.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt