Inselspital: Operiert der Arzt, müssen die Baumaschinen ruhen

Bern

Für rund 800 Millionen Franken wird derzeit auf dem Insel-Areal gebaut. Die Bauleitung muss sich hier auch mal dem Operationsplan der Ärzte anpassen.

Baugrube mitten auf dem Insel-Areal: Hier entsteht der Ersatzbau für das Bettenhochhaus gleich dahinter.

(Bild: Adrian Moser)

Michael Bucher@MichuBucher

Wer derzeit im Bettenhochhaus des Inselspitals an der Südseite am Fenster steht, blickt hinunter in eine riesige Baugrube. 92 Meter lang, 72 Meter breit und bald einmal 16,5 Meter tief ist das Loch, in dem Bagger und Bohrer immer tiefer graben.

Es ist die grösste und teuerste der drei aktuellen Baustellen auf dem Insel-Areal. Hier entsteht für 560 Millionen Franken das neue Bettenhochhaus, in dem auch das Schweizerische Herz- und Gefässzentrum Einzug finden wird. Es ersetzt das 1970 gebaute Bettenhochhaus.

Ab Herbst wird nicht mehr gegraben, sondern nur noch in die Höhe gebaut, bis 63 Meter über dem Boden – also ähnlich hoch wie das jetzige Bettenhochhaus. Im Herbst 2023 soll das neue Wahrzeichen bezugsbereit sein. Der frühere Polikliniktrakt 2, der dafür weichen musste, hat bereits im neuen Modulbau im westlichen Teil des Areals Unterkunft gefunden.

Rücksicht auf Operationen

Eine solch grosse Baustelle mitten in einem Spitalkomplex bringt nicht unerhebliche Einschränkungen für den Spitalbetrieb. Das betonte Bernhard Leu, Direktor Infrastruktur, am Donnerstag auf einem Baustellenrundgang mit Medienvertretern. Da wären etwa die Fenster im unteren Bereich des Bettenhochhauses, die nicht geöffnet werden dürfen wegen des aufgewirbelten Staubes.

«Es braucht eine präzise Absprache zwischen Bau­- und Spitalleitung.»Bernhard Leu, Direktor Infrastruktur Inselspital

Die Erschütterungen durch Bohrungen wiederum stellen für die Operationstätigkeiten im Innern ein Problem dar. Es braucht eine präzise Absprache zwischen Bau- und Spitalleitung. Zwischen Operationssälen und Baustelle ist eine Art «heisser Draht» installiert worden.

Hin und wieder komme es vor, dass die Erschütterungen vor einer heiklen Operation zu heftig seien. «In diesem Fall alarmiert die Ärzteschaft die Baustellenführer, damit die Bohrung unterbrochen wird», so Bernhard Leu. Das passiere aber höchstens einmal im Monat. Ein kurz vor der Vollendung stehendes Bauprojekt befindet sich im nördlichen Teil hinter dem Intensivmedizin-, Notfall- und Operationszentrum (INO).

Bereits im Juni dieses Jahres soll dort das auf Theodor-Kocher-Haus getaufte Gebäude eingeweiht werden. 164 Millionen Franken liess sich die Insel den Neubau kosten. Ab Juli wird dort vorübergehend die Frauenklinik einziehen, da an deren jetzigem Standort an der Effingerstrasse dringende Sanierungsarbeiten anstehen. Später ziehen die Tumordisziplinen, die heute übers ganze Areal verteilt sind, ins neue Theodor-Kocher-Haus.

Auch ein Park soll Platz haben

Die dritte Grossbaustelle befindet sich gleich bei der Zufahrt aufs Insel-Areal. Dort, auf der linken Seite, entsteht ein neues Forschungszentrum für translationale Medizin und Unternehmertum, kurz Sitem-Insel. Die Idee dahinter: Medizin und Wirtschaft sollen künftig auf dem Insel-Areal enger zusammenarbeiten, damit Patienten rascher von Resultaten aus der Forschung profitieren können.

Im Sommer 2019 soll der 70-Millionen-Bau bezugsbereit sein. Für das Forschungszentrum wurde eigens eine eigene AG gegründet. Die Finanzierung des Neubaus wurde dank privater Aktionäre gesichert.

Zu guter Letzt hat es inmitten dieses verdichteten Betonkomplexes Platz für einen neuen Park. Auf der Rückseite der Frauenklinik befindet sich diese grüne Oase inklusive vorbeirauschenden Stadtbachs. Ab Juni ist der Rückzugsort für Patienten und Besucher offen.

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