Oh my dog!

Bern

Hat der Mensch in Bern ein Grundrecht auf einen Hotdog in der Badi? Die Juso hat das Thema lanciert, die Mutterpartei springt auf: «Hotdogs für alle statt für wenige» bestellt die SP. Gefordert ist der oberste Badibeizer, Gemeinderat Michael Aebersold (SP).

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(Bild: Fotolia)

Nichts wird so heiss ge­gessen, wie es gekocht wird. Auch nicht die Hotdogs, um die sich das Stadt­gespräch in Bern in diesem heissen, heissen Sommer dreht.

9.50 Franken kostet so ein Hotdog in den städtischen Bädern Weyermannshaus, Wyler und Ka-We-De. 9.50! Meine Fresse, findet die Juso. Das geht gar nicht.

Einkommensschwache seien zu einem hotdogfreien Sommer verknurrt. Die neuen Badibeizer trügen die Gentrifizierung in die Schwimmbäder der Stadt Bern. «Ohne bösen Willen» zwar, räumt die resolute Juso-Vorkämpferin Tamara Funiciello ein. Aber trotzdem.

«Hotdogs für alle statt für we­nige». So heisst der Vorstoss, den die Juso gemäss der Zeitung «Bund» im Stadtparlament einreichen will. Unterstützt wird die dringliche Motion von der Mutterpartei, wie die SP am Freitag be­stätigte.

Anscheinend haben sich die Grossen zu Herzen genommen, was die Juso ihnen an­lässlich der Wahlbündnisdebatte in Erinnerung rief: «Wenn ihr Eier habt, wagt ihr den Alleingang», lautete damals die legendäre Aufforderung von Tamara Funiciello an die Genossinnen und Genossen. Wenns ums Essen in der Badi geht, hat die SP offensichtlich Eier, und wahrscheinlich sind sie bio.

«Die Hotdogs sind dänk nur symbolisch», sagt Tamara Funiciello und muss selber ein wenig la­chen. Aufmerksamkeit hat die Hotdogkampagne der Juso auf jeden Fall generiert. Am Freitag hatte Funiciello deswegen Anfragen von Westschweizer Medien. Aber jetzt ernsthaft: «Wir wollen damit einen Widerspruch aufzeigen.» Nämlich?

Zusammengefasst ist der Widerspruch folgender: Jemand geht immer vor die Hunde. Die Umwelt, die Nutztiere, die Angestellten oder die Konsumentinnen. Fair produzierte Nahrungsmittel, faire Löhne und am Ende faire Preise nicht nur für Reiche. Geht nicht.

Aber die Lösung aus Juso-Sicht können ja wohl nicht Hotdogs mit Billigfleisch sein. Oder, Juso? «Natürlich nicht», sagt Funiciel­lo. «Wir kritisieren das System, nicht die grundsätzlich lobenswerte Haltung der Badibeizer.»

«Kostengünstige Elemente» für kleine Portemonnaies müssten noch diesen Sommer auf die Badikarte, verlangen Juso und SP. Wird die Motion überwiesen, muss der oberste Badibeizer, SP-Gemeinderat Michael Aebersold, mit den Wirten das Angebot überprüfen.

Aebersold hatte nach der ersten Welle von Kritik zu bedenken gegeben, die städ­tischen Schwimmbäder seien immerhin gratis, die Preise fürs Essen aus seiner Sicht damit vertretbar. Blödes Argument, findet Funiciello. «Sollen die Leute dann einfach bloss schwimmen und nichts essen können?»

Warum eigentlich nicht? Es es­sen doch sowieso alle zu viel. Schwimmen statt futtern wäre gesünder. Aber klar, in die Badi geht man schliesslich auch, um den Plausch zu haben. Und da kann so ein Hotdog schon helfen.

Wahrscheinlich sollten sich die Gemüter aber einfach abkühlen: Die Badibeizencrew hat signalisiert, dass sie das Sortiment noch einmal überdenkt. Wer nun glaubt, der Hotdog sei dabei das einzige Problem, hat sich ge­täuscht. Es hat sich eine Facebook-Gruppe gegründet, die die Currysauce im Weyerli zurückhaben will. Funiciello, über­nehmen Sie!

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