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Nur eine knappe Mehrheit will mehr Stadt

Die Gemeinde soll wieder ein Stück städtischer werden: Köniz sagte am Wochenende Ja zur verdichteten Überbauung Rappentöri mitten in seinem Zentrum. Die Gegner geben aber nicht klein bei. Zu knapp fiel das Resultat aus.

Fünf- bis siebengeschossig: So soll die verdichtete Rappentöri-Überbauung dereinst aussehen.
Fünf- bis siebengeschossig: So soll die verdichtete Rappentöri-Überbauung dereinst aussehen.
zvg

Eigentlich schien die Sache klar zu sein: Obwohl dem Projekt aus dem Kreis der Direktbetroffenen ein steifer Wind entgegenschlug, gingen viele von einem klaren Ja zur geplanten Rappentöri-Überbauung im Zentrum von Köniz aus. Immerhin ist die Gemeinde so weitläufig, dass die meisten Stimmberechtigten von den neuen Gebäuden kaum etwas merken werden. Umso leichter, so dachten viele, würde es ihnen fallen, ein Ja in die Urne zu werfen.

Doch es kam anders. Als das Resultat gestern Nachmittag ausgezählt war, standen sich 5885 Ja und 5707 Nein gegenüber. Mit 50,8 Prozent war der Vorsprung der Zustimmenden derart knapp, dass die Verantwortlichen die maschinell ausgezählten Stimmzettel nochmals kontrollieren liessen – von Hand.

«Völlig überdimensioniert»

Kein Wunder, dass Walo Hänni am frühen Abend nicht nur Trübsal blasen mochte. Der ehemalige FDP-Gemeinderat und aktuelle Präsident des Ortsvereins Köniz hatte die Vorlage an vorderster Front bekämpft. Die Idee, die angejahrte ehemalige Coop-Filiale und das angrenzende Elisabethenhaus abzureissen und durch eine dichte urbane Überbauung zu ersetzen, war bei ihm und seinen Mitstreitern nicht gut angekommen.

«Völlig überdimensioniert» sei das Projekt an diesem zentralen und entsprechend heiklen Ort, kritisierten sie. Ganz abgesehen davon, dass die erlaubten 4000 Quadratmeter Ladenfläche noch mehr Autos anzögen und den Verkehr definitiv kollabieren liessen.

«Es ist eine alte Binsenwahrheit», zog Hänni nun, da das ­Resultat feststand, Bilanz, «dass eine Niederlage umso mehr schmerzt, je knapper sie ausfällt.» Trotzdem strich er hervor: «Mit den knappen uns zur Verfügung stehenden Mitteln konnten wir immerhin fast die Hälfte der Stimmenden überzeugen.» Gegen die Meinung des – Hänni wiederholte es gleich mehrfach – «diktatorischen Gemeinderats».

«Wir werden alles daransetzen, das Projekt verbessern und allenfalls auch verzögern zu ­können.»

Walo Hänni

Mit einem Blick voraus zeigte er sich kämpferisch. «Das Projekt ist noch nicht am Ziel», hielt er fest. Er erinnerte daran, dass die Gemeinde als Besitzerin des Rappentöri-Areals mit einem Investor einen Baurechtsvertrag aushandeln muss und dieser erneut vors Volk kommen wird.

Zudem stehen dem Projekt noch die Verfahren für die Überbauungsordnung und die Baubewilligung bevor. Widerstand ist also nach wie vor auf diversen Ebenen möglich, und Hänni kündigte an: «Wir werden alles daransetzen, das Projekt verbessern und allenfalls auch verzögern zu können.»

Ob er und seine Mitstreiter gar Beschwerde gegen die Abstimmung erheben werden? «Dafür haben wir noch zu wenig Informationen. Wir werden die Sache aber genau prüfen.»

«Sorgfältig geplant»

Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) mahnte auf der anderen Seite, das – zugegeben knappe – Resultat in gutdemokratischer Art zu akzeptieren. Offen gab sie zu erkennen, dass sie zwar mit einem weniger klaren Ausgang als üblich gerechnet hatte, dass sie mit so vielen Nein-Stimmen aber doch nicht gerechnet hatte.

Vom Projekt zeigte sie sich unverändert überzeugt: Die geplante Überbauung entspreche voll und ganz der gemeinderätlichen Philosophie, zentrale, gut erschlossene Gebiete verdichtet zu überbauen und so Kulturland zu sparen. Das Rappentöri-Projekt sei zudem über Jahre «sorgfältig geplant worden».

Resultat: 5885 Ja (50,8%),5707 Nein (49,2%), Stimm­beteiligung 46,7%.

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