Nur die grossen Detailhändler sehen im langen Samstag eine Chance

Bern

Längere Öffnungszeiten am Samstag oder Abendverkauf? Für kleinere Geschäfte in der Berner Innenstadt ist der Abendverkauf nach wie vor von Bedeutung. 

Konsumenten kaufen immer lieber am Samstag ein. Foto: Stefan Anderegg

Konsumenten kaufen immer lieber am Samstag ein. Foto: Stefan Anderegg

Benjamin Bitoun

Vor dem Weg nach Hause noch kurz in der Stadt vorbeischauen und einkaufen: Der Abendverkauf machts möglich. Er wurde Anfang Neunzigerjahre als Reaktion des Handels auf veränderte Kundenbedürfnisse gesetzlich neu geregelt. Das Problem dabei: Kundenbedürfnisse verändern sich auch weiter.

Heute komme kaum noch jemand extra für den Abendverkauf in die Innenstadt, sagte Sven Gubler in Montagsausgabe dieser Zeitung. Der Direktor von Bern City, der Vereinigung der Berner Innenstadtgeschäfte, könnte sich vorstellen, im Gegenzug für längere Öffnungszeiten am Samstag künftig auf den Abendverkauf zu verzichten. Doch was halten die betroffenen Geschäfte davon?

«Run am Samstag»

«Die Einkaufsgewohnheiten haben sich tatsächlich verändert. Es hat klar eine Verschiebung auf den Samstag gegeben», bestätigt Sara Reinke, Mediensprecherin von Loeb. Unter Kunden des Warenhauses gebe es eine deutliche Tendenz, an Samstagen länger einkaufen zu wollen. «Es wäre deshalb unbedingt wünschenswert, ihnen dann längere Öffnungszeiten bieten zu können», sagt Reinke. Bis wann diese sinnvoll seien, ob bis 18, 19 oder 20 Uhr, das müsse noch genauer abgeklärt werden.

Eine kräftige Zunahme beim Samstagsgeschäft haben auch Migros und Coop festgestellt. «Einige unserer Filialen erleben kurz vor Ladenschluss um 17 Uhr einen regelrechten Run», sagt Andrea Bauer, Sprecherin der Migros Aare. «Eine flexible Verlängerung der Öffnungszeiten über 17 Uhr hinaus würden wir daher sehr begrüssen.»

Mehr sogar noch als zusätzliche Sonntagsverkäufe, welche im Detailhandel ebenfalls ein Thema sind. Und flexibel sollte die Verlängerung deshalb gehandhabt werden, weil flächendeckende, für alle Filialen geltende längere Öffnungszeiten wenig Sinn ergeben würden, betont die Migros-Sprecherin. Beim Konkurrenten Coop nimmt man es in diesem Punkt weniger genau. Der Detailhändler setze sich für schweizweit geltende Samstagsöffnungszeiten bis 18 Uhr ein, teilt Sprecherin Alena Kress auf Anfrage mit.

PKZ: Sowohl als auch

Das Modehaus PKZ würde es bereits begrüssen, in Bern am Samstag bis 18 Uhr geöffnet zu haben, schreibt Sprecherin Katja Grauwiler. Aber im Tausch gegen die zusätzlichen Stunden des Abendverkaufs, wie dies Bern City-Direktor Gubler vorschlägt? Dazu gibt es von PKZ ein klares Nein. «Für unsere beiden Berner Filialen hat der Abendverkauf nach wie vor eine grosse Bedeutung. Er ist bei unseren Kundinnen und Kunden zu einer Institution geworden.»

Auch bei der alteingesessenen Bijouterie Zigerli+Iff will man den Abendverkauf nicht zu Grabe tragen. Zwar laufe dieser nicht mehr so gut wie in früheren Jahren, sagt Verkaufsdirektor Gerd Hilbich. «Doch gerade bei Kunden auf der Suche nach Trauringen ist er nach wie vor sehr beliebt.»

Hilbich hält daher wenig von einem Abtausch – und weniger noch von längeren Öffnungszeiten am Samstag. «Bereits ab 16.30 Uhr merken wir, dass es ruhiger wird. Für eine Verlängerung der Öffnungszeiten sehe ich keinen Anlass.» Zudem gelte es auch die jetzt schon hohe Belastung des Verkaufspersonals zu bedenken, so der Bijoutier.

Längere Öffnungszeiten am Wochen­ende könnten den Beruf unattraktiver machen und die Suche nach guten Mitarbeitenden erschweren, fürchtet Hilbich. «Eine Verlängerung der Öffnungszeiten ist nicht der richtige Weg dazu, das Geschäft zu beleben.»

Berner Zeitung

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