Nun wird der Tunnel in Form gebracht

Mühleberg

Beim neuen Rosshäuserntunnel hat der Innenausbau begonnen. Pro Woche schaffen die Arbeiter gut 60 Meter Betonverkleidung. Auf der Westseite ist das zukünftige Portal sichtbar. Am Wochenende heisst es erst mal auf Busse umsteigen.

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Hans Ulrich Schaad

Die BLS fährt im Gebiet Mauss zurzeit auf dem falschen Gleis. Nämlich auf dem neuen, das im Rahmen des Doppelspurausbaus verlegt worden ist und das genau in Richtung des Westportals des neuen Rosshäuserntunnels ausgerichtet ist. Dieses Gleis muss in den nächsten Monaten jedoch für die Tunnelarbeiten frei werden. An diesem Wochenende erfolgt deshalb der Seitenwechsel, was zu einem Streckenunterbruch führt (siehe Kasten).

Eine grüne Markierung an den Schienen zeigt an, wo die Arbeiter die Trennscheibe ansetzen werden. «Es wird keine Weiche eingebaut», sagt BLS-Projektleiter Markus Sägesser. Die Gleise würden angehoben, verschoben und verbunden. Ab Montag werden die Züge über die sanierte alte Strecke fahren.

Westportal steht

Während der Doppelspurausbau in Richtung Saaneviadukt fast abgeschlossen ist, machen sich die Arbeiter an den Innenausbau der zwei Kilometer langen Tunnelröhre. Auf der Westseite stehen bereits das Gerüst und die Holzverschalung für das Portal. In einigen Tagen wird die Betonröhre bis zum Westportal im Tagbau fertiggestellt sein.

In vier Schritten

Im bergmännisch herausgebrochenen Tunnel sind verschiedene Teams im Einsatz. Das erste betoniert in vier Schritten von Westen her die Innenverkleidung. Zuerst wird die Sohle be­toniert, anschliessend wird die Wand mit einer Kunststofffolie abgedichtet. Als Drittes wird der sichtbare Innenring betoniert. Als Schluss folgen auf beiden Seite Bankette, die als Fluchtwege dienen und in denen die Kabelrohre verlaufen. Pro Woche kommen die Arbeiter gut 60 Meter ­voran. Der Beton sei eine Spezialmischung, sagt Markus Sägesser. Dieser muss gut verarbeitet werden können, damit er in die komplexe Gewölbeschalung eingebracht werden kann, darf nicht zu rasch trocknen, damit er keine Risse bildet. Zudem muss der ­Beton genügend fest sein, damit im Tagesrhythmus betoniert und das Bauprogramm eingehalten werden kann.

Knapp 200 Meter weiter im Tunnelinnern bricht ein zweites Team die Sohle aus. Denn bisher sind erst gut 80 Prozent des Materials ausgebrochen. Wegen der Transportlogistik wird die Sohle nicht ausgefräst, sondern mit einem Reisszahn herausgebrochen. Bei diesem Prozess werden die geologisch schwierigen Verhältnisse wieder offenkundig. Der Untergrund wechselt zwischen hartem Sandstein und brüchig-schmierigem Mergel. Und immer wieder tritt Wasser aus. Der Boden ist teilweise bedeckt mit einer mehrere Zentimeter dicken Schlammschicht.

Das Loch im Loch

In der Mitte des Tunnels arbeitet ein drittes Team quasi unter freiem Himmel. Es erstellt den Notausstieg, der über einen Stollen mit der Tunnelröhre verbunden ist. 50 Meter hoch ist der Schacht, der mit einer Treppe und einem Lift ausgerüstet wird. Wer durch das Loch hinaufschaut, sieht die Wolken vorbeiziehen.

Auf der Ostseite des neuen Rosshäuserntunnels passiert zurzeit eher wenig. Um so imposanter ist auf dem Installationsplatz ein Hügel, der schon von weitem sichtbar ist. Hier ist der Kies zwischengelagert, der im Mädersforst abgebaut worden ist. Aktuell sind dies 190 000 Kubikmeter. Insgesamt wurden 510 000 Kubikmeter abgebaut, das entspricht 51 100 Lastwagenladungen. «Im Moment hat das Kieszwischenlager seine maximale Höhe erreicht», sagt Projektleiter Sägesser.

In den nächsten Wochen wird der Hügel langsam schrumpfen. Der Kies wird im Kieswerk vor Ort zu Beton verarbeitet und im Tunnel verbaut. So können gemäss BLS-Angaben rund 23 000 externe LKW-Fahrten vermieden werden. Langsam aufgefüllt mit Ausbruchmaterial wird hingegen die Kiesgrube im Mädersforst.

Läuft alles nach Plan, kann ab Ende dieses Jahres von Westen her die Bahntechnik eingebaut werden. Die Inbetriebnahme des Doppelspurausbaus zwischen Rosshäusern und Mauss ist für Sommer 2018 vorgesehen. Die Kosten des Projektes für den gut vier Kilometer langen Abschnitt mit dem neuen Tunnel und dem neuen Bahnhof Rosshäusern belaufen sich auf 265 Millionen Franken.

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