Notfalldienst: Die Ärzte machen weiter

Die Ärzte aus Stadt und Region Bern behalten den Notfalldienst in ihrer Hand. Trotzdem müssen sie sich nun zusammenraufen.

«Wir sind davon abgekommen, diese Aufgabe an den Kanton zurückzugeben», so Daniel Marth.

«Wir sind davon abgekommen, diese Aufgabe an den Kanton zurückzugeben», so Daniel Marth.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Die Ärzte aus Stadt und Region Bern haben sich ausgesprochen. Und an der Mitgliederversammlung beschlossen, dass sie den ärztlichen Bezirksverein Bern Regio am Leben erhalten. Vor allem aber soll die Regionalsektion der kantonalen Ärztegesellschaft auch in Zukunft den allgemeinen Notfalldienst organisieren: «Wir sind davon abgekommen, diese Aufgabe an den Kanton zurückzugeben», sagt Vizepräsident Daniel Marth auf Anfrage.

Vor der Versammlung hatte der Vorstand genau mit diesem Gedanken gespielt. Schuld waren die Ereignisse der letzten Zeit: Um der Pflicht zum Notfalldienst zu entgehen, waren mehrere Ärzte juristisch gegen den Verein vorgegangen. Sie bescherten so ihrer Berufsorganisation nicht nur hohe Kosten, sie säten in der Vereinsführung auch Frust. Dieser sass am Ende so tief, dass das Gremium geschlossen abtreten wollte. Der Verein stand vor dem Abgrund (wir berichteten).

Spezialisten gegen Hausärzte

Auch wenn die Ärzte nun fortfahren wollen – aus der Welt sind die Streitereien damit überhaupt nicht. Marth tönt es an, indem er sagt, nun müssten die Vertreter der verschiedenen Gruppen miteinander in den Dialog treten und gemeinsam ein neues Reglement für den Notfalldienst entwickeln. Einen ersten Entwurf hatte der Vorstand von sich aus zurück­gezogen. Er fürchtete, von vornherein zu scheitern.

Die verschiedenen Gruppen: Im Streit um den Notfalldienst laufen die Interessen der Hausärzte jenen der Spezialärzte diametral entgegen. Eigentlich gilt ja der Grundsatz, dass alle Ärzte ungeachtet ihrer Fachrichtung allgemeinen Notfalldienst leisten müssen. Damit mögen sich indes nicht alle Spezialärzte anfreunden. Sie weisen darauf hin, dass sie schon in den Spitälern, in denen sie als Belegärzte arbeiten, regelmässig auf Pikett sind. Worauf die Hausärzte entgegnen: Der allgemeine Notfalldienst sei viel strenger, beinhalte auch unangenehme Einsätze mit Betrunkenen oder Drogenkonsumenten. Deshalb sei es falsch, ihn mit den weit weniger belastenenden Piketteinsätzen der Spezialisten gleichsetzen zu wollen.

Auch personell hat der Bezirksverein die Kurve genommen. Aus dem siebenköpfigen Vorstand trat am Schluss nur ein Mitglied ab. Das Präsidium bleibt aber unbesetzt. Marth leitet den Verein weiter als Vize.

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