Nino Schurter zündet den Turbo

Bern

Die Schweizer lancieren die Heim-Europameisterschaft in Bern mit der Silbermedaille im Teamrennen.

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Stephan Dietrich

Auf die Taktik kommt es an. Im Teamrennen an der Europameisterschaft der Mountainbiker in Bern riskierten die Schweizer viel und gewannen fast alles. Zu Silber reichte es, 18 Sekunden hinter Italien. Ein Junior, ein U-23-Fahrer, eine Elitefahrerin und ein Elitefahrer bilden ein Staffelteam, in welcher Reihenfolge die Biker ihre zwei Runden um das Bundeshaus fahren, darf jede Nation selber bestimmen.

Die Schweizer begannen mit dem U-23-Weltmeister Reto Indergand, während die meisten anderen Länder auf den Elitefahrer setzten. Indergand führte das Feld während der ersten Runde an und übergab nach der zweiten Runde mit wenigen Sekunden Rückstand an Dominic Grab. Der Junior konnte allerdings den Rhythmus nicht halten und verlor viel Zeit auf die Konkurrenz. «Es war sein erster Einsatz an einer EM», nimmt Nationaltrainer Bruno Diethelm den Teamjüngsten in Schutz. «Er hatte es nicht leicht.»

Jolanda Neff ging als Fünfte auf ihre Runden, mit einigem Rückstand auf die Medaillenränge. Die Ostschweizerin, auch erst 20 Jahre alt, holte auf – und übergab als Vierte an Nino Schurter. Der Olympiazweite von London 2012 enttäuschte die zahlreichen Zuschauer nicht. Er zündete sogleich den Turbo, überholte zuerst den Tschechen Ondrej Cink und wenig später die Französin Julie Bresset. Den Italiener Gerhard Kerschbaumer hingegen konnte Schurter nicht mehr einholen. «Das war schon vor meinem Start klar.» Der Rückstand auf den Südtiroler betrug 28 Sekunden und die Strecke war wenig selektiv.

«Wir haben Silber gewonnen und nicht etwa Gold verloren»

Immerhin, am Ende war der Rückstand beinahe halbiert. Schurter lieferte ein weiteres Müsterchen seines Könnens ab und ist am Sonntag im Cross-Country-Rennen der klare Favorit. «Unsere Taktik ist voll aufgegangen», sagte Bruno Diethelm erfreut. «Wir haben Silber gewonnen und nicht etwa Gold verloren.» Andere Nationen seien derzeit ausgeglichener besetzt als die Schweizer, ergänzt der Thuner. Dass man auch falsch pokern kann, bewiesen die Franzosen. Als einzige Nation brachten sie die Frau ganz am Schluss. Nun, Julie Bresset, immerhin die Olympiasiegerin, ging als Führende auf die Strecke und kam als Vierte ins Ziel.

Bresset die Schuld an der verpassten Medaille zuzuschieben, wäre indes unfair. Der dritte Franzose hätte gegen seine Konkurrentinnen Zeit herausholen müssen. Dies gelang Neilo Perrin Ganier nicht. Die Italienerin Eva Lechner vermochte er nicht abzuschütteln. «Ich denke, sie hat für Italien den Unterschied gemacht», analysiert Nino Schurter das EM-Rennen.

Berner Zeitung

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