Nierenkranke müssen nicht mehr nach Bern

Aarberg

Seeländer Patienten mit Nierenversagen müssen künftig nicht mehr dreimal pro Woche ins Inselspital nach Bern pendeln – in Aarberg eröffnet ein Dialysezentrum.

«Ein massiver Gewinn» sei das neue Dialysezentrum im Spital Aarberg, sagt Spitalleiter Danny Wey.

«Ein massiver Gewinn» sei das neue Dialysezentrum im Spital Aarberg, sagt Spitalleiter Danny Wey.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Simone Lippuner

In den beiden Räumen im ersten Stock des Spitals Aarberg riecht es nach Farbe. Die Böden sind neu, Decken und Wände sind frisch gestrichen, Behandlungsstühle und Dialysegeräte sind teilweise noch in Plastik verpackt. Früher war dies der Aufwachraum, nebenan befindet sich der ehemalige Operationssaal. Durch die Gesamtsanierung des Landspitals und den Anbau des neuen OP-Trakts in den letzten Jahren wurden diese Räumlichkeiten frei. «Wir können sie nun ohne grossen Aufwand ideal für das neue Dialysezentrum nutzen», sagt Danny Wey, Spitalleiter ad interim.

Versagen die Nieren, benötigen Betroffene eine künstliche Blutwäsche, eine Dialyse. Schmerzhaft ist das Prozedere nicht, aber ermüdend und zeitaufwendig. Im Schnitt begeben sich die Patienten dreimal pro Woche für einen halben Tag in ein Dialysezentrum, wo entsprechende Maschinerie und geschultes Personal zur Verfügung stehen. Zusätzlich zum Inselspital Bern und zum Spital Belp könnten sich Nierenkranke künftig auch im Spital Aarberg behandeln lassen. Nächste Woche eröffnet das neue Dialysezentrum mit acht Plätzen – fünf von ihnen sind bereits reserviert. 

Immer mehr Kranke

«Die Anzahl nierenkranker Menschen steigt jährlich», sagt Danny Wey. Er stützt sich auf Zahlen einer Studie des Inselspitals Bern, wonach es im Jahr 2015 in der Schweiz 4453 Dialysepatienten gab, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 5,6 Prozent entspricht. «Einer der Gründe dafür ist sicher, dass die Bevölkerung immer älter wird und Diabetes, deren mögliche Konsequenz Niereninsuffizienz sein kann, zur Volkskrankheit geworden ist.» Dass sich Betroffene aus Aarberg und dem Seeland künftig vor ihrer Haustür in Behandlung begeben können, ist für Wey ein «massiver Gewinn».

Die renovierten Räume sind hell, mit schöner Aussicht, jeder Patient verfügt über sein eigenes Schliessfach, wo Bücher oder bequeme Kleider verstaut werden können. «Die Patienten verbringen hier viel Zeit, da sollen sie sich auch wohl fühlen», sagt Wey. Er spricht von einer «Stammkundschaft», da immer dieselben Personen zur Dialyse kommen werden. 

Die acht Plätze sind erweiterbar: Höchstwahrscheinlich werde man von einer Schicht auf zwei erweitern, sodass dreimal pro Woche morgens und nachmittags je acht Plätze zur Verfügung stehen. Für die Betreuung der Dialysepatienten reisen Fachärzte, Nephrologen genannt, und speziell geschulte Pflegefachpersonen aus dem Inselspital an. 

Kein Platz im Inselspital

Mit dem Zentrum in Aarberg werden in der Inselgruppe insgesamt 49 Dialyseplätze zur Verfügung stehen – 33 gibt es im Inselspital und 8 in Belp. «Wobei in Bern und Belp bereits in zwei Schichten gearbeitet wird», präzisiert Danny Wey, im Inselspital täglich, in Belp dreimal pro Woche. Auch existieren für beide Standorte lange Wartelisten. «Eigentlich wäre auch im Inselspital ein Ausbau angezeigt gewesen, doch dieser ist aus Platzgründen schlicht nicht möglich.» 

Aktuell pendeln aus Aarberg und dem Seeland zehn Dialysepatienten ins Inselspital. Ab kommendem Montag verkürzen sich Reise und Aufwand für diese Menschen massgeblich – was das sonst so aufwendige Prozedere etwas vereinfachen wird. Danny Wey sagt dazu: «Insbesondere für betagte Patienten wird dieses Angebot im gut erreichbaren und familiären Spital ein grosser Vorteil sein.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt