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«Niemand ist vor Rassismus gefeit»

Ab heute Dienstag findet die Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern zum siebenten Mal statt. Ein Ritual für Leute, die ohnehin antirassistisch eingestellt sind? «Niemand ist vor Rassismus gefeit», entgegnet Koordinatorin Marianne Helfer.

Jürg Steiner
Marianne Helfer vom städtischen Kompetenzzentrum Inte­gration koordiniert die Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern, die heute Dienstag (21.03.2017) beginnt.
Marianne Helfer vom städtischen Kompetenzzentrum Inte­gration koordiniert die Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern, die heute Dienstag (21.03.2017) beginnt.
Christian Pfander
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«Ich bin kein Rassist, aber ...» lautet das Motto der diesjährigen Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus, und es bringt den Grundgedanken der mittlerweile seit sieben Jahren laufenden Initiative auf den Punkt: «Es ist auch eine Woche für Leute, die schon sensibilisiert sind und am Thema dranbleiben wollen», sagt Marianne Helfer vom städtischen Kompetenzzentrum Inte­gration, die für die Koordination zuständig ist, «eine Woche auch für die tolerante und weltoffene Stadt Bern, die vielleicht das Gefühl hat, Rassismus sei das Problem der anderen.»

«Eine Woche auch für die tolerante und weltoffene Stadt Bern, die vielleicht das Gefühl hat, Rassismus sei das Problem der anderen.»

Marianne Helfer, Koordinatorin

Natürlich sei es unrealistisch, zu glauben, Leute mit fremdenfeindlicher Gesinnung würden die Veranstaltungen der Aktionswoche besuchen. Es gehe um etwas anderes. Um Alltagsrassismus und im Speziellen darum, Leuten zuzuhören, die in Bern Rassismus erleben.

Dumme Zufälle?

Selbst ihr, die sich seit Jahren mit Rassismus beschäftigt, passiere es immer wieder, dass ihr zum Beispiel ein türkischer Vater erzähle, er werde permanent von älteren Frauen zurechtgewiesen, wenn er allein mit seinen Kindern im Berner ÖV unterwegs sei.

Sie ertappe sich dann dabei, wie sie denke: ‹Jetzt übertreib mal nicht, das waren dumme Zufälle.› Es waren aber nicht dumme ­Zufälle – sondern es ist etwas, das dieser Mann ständig erlebt. «Niemand», sagt Marianne Helfer durchaus aus eigener Erfahrung, «ist vor rassistischen Gedanken und Äusserungen gefeit.»

Deshalb mache es auch Sinn, die Aktionswoche mit unterschiedlichem Schwerpunkt alljährlich zu wiederholen. Sie werde dadurch nicht zum billigen Ritual, sondern eher zu einem öffentlichen Aus­rufezeichen für zahlreiche Gruppierungen, die sich durchs Jahr eher im Stillen mit Rassismus­fragen beschäftigten.

Sensibel wegen Populisten

Über die Jahre, so Marianne Helfer, habe die Aktionswoche sicher geholfen, die Rassismusdiskussion in der Öffentlichkeit zu beflügeln, aber auch zu entkrampfen. Es seien aus dem Anlass Initiativen entstanden wie etwa der Rassismus-Stammtisch, der im letzten Herbst mit dem experimentellen Format eines Schauprozesses Aufsehen erregte.

«Rassismus anzusprechen, bedeutet nicht, einen Vorwurf zu erheben, sondern sich einer Realität bewusst zu werden.»

Marianne Helfer, Koordinatorin

Die Tradition der Aktions­woche habe aber auch dazu geführt, dass unbeschwerter über Rassismus gesprochen werde. «Rassismus anzusprechen, bedeutet nicht, einen Vorwurf zu erheben, sondern sich einer Realität bewusst zu werden.» Diese offene Sicht, hat Marianne Helfer den Eindruck, sei heute verbreiteter als vor einigen Jahren.

Ganz abgesehen davon, dass die jüngsten politischen Entwicklungen in Europa und den USA bei vielen Leuten die Einsicht verstärkt ­haben, dass es notwendig ist, über Rassismus zu reden. Nicht nur diese Woche.

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