Nicht alle wollen den teuren Bio-Hotdog

Bern

Lange Wartezeiten, nur noch teurer Hipster-Food – die Kritik an den neuen Badibeizen-Pächtern im Wyler, im Weyerli und in der Ka-We-De ist nach dem ersten Monat gross. Die Stadt Bern steht hinter dem Konzept und plädiert für Geduld.

Neue Pächter, viel Kritik: Vreni Gerber, Marco Belz, Didier Steiner und Amilcar Pires.

Neue Pächter, viel Kritik: Vreni Gerber, Marco Belz, Didier Steiner und Amilcar Pires.

(Bild: Tanja Buchser)

Sie durften Vorschusslorbeeren ernten, die neuen Pächter der Badibeizen im Wyler, im Weyerli und in der Ka-We-De. Nicht nur die Berner Medien waren vor dem Sprung ins kalte Wasser voll des Lobes, auch der «SonntagsBlick» titelte: «Hipster übernehmen Badibeizen».

Seit etwas mehr als einem Monat führt die Berner Badi-Beizli GmbH die Gastronomie in dreien der fünf städtischen Bäder. Die Personen dahinter sind in Bern keine Unbekannten: Marco Belz, Didier Steiner und Christoph Haller sind an der Propeller-Bar, am Bonsoir-Club sowie am Restaurant Kung Fu Burger beteiligt. Auch keine Gastroamateure also. Doch in den Badis schwimmt das Team offensichtlich ganz schön.

Nur für Gutverdiener?

Dieser Zeitung liegen Mails von enttäuschten Badigästen vor. Nicht nur die langen Wartezeiten werden kritisiert, sondern auch das Angebot. «Von mir aus soll es einen hippen Bio-Hotdog für 9.50 Franken auf der Karte haben, aber bitte auch einen normalen für 4.50 Franken», schreibt ein Badibesucher. Das Angebot sei eine Diskriminierung von Leuten aus tiefen Einkommensschichten.

Didier Steiner von der BadiBeizli GmbH räumt ein, dass die Wartezeiten vor allem am Samstag in der Ka-We-De zu lang gewesen seien. «Wir hatten nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet», sagt er. Zudem sei kurzfristig ein Koch krank geworden. «Es ist uns bewusst, dass wir unsere Abläufe noch verbessern müssen», sagt Steiner. «Daran arbeiten wir.»

Am kulinarischen Konzept wolle man aber nicht rütteln: «Ungarisches Poulet werden wir nicht servieren. Auch wenn es günstiger wäre.» Im kritisierten Hotdog werde ein reines Schweizer Rindswürstli serviert. «Es entspricht unserer Philosophie, auf Qualität und Frische zu setzen.» Steiner verspricht aber, dass man das Sortiment noch einmal überdenke, um auch günstigere Speisen anbieten zu können. Auf Billigfood werde man aber nie setzen. «Wir wollen einen neuen Groove in die Badi bringen.»

Der zuständige Gemeinderat Michael Aebersold (SP) plädiert für Geduld: «Die Stadt steht hinter dem Konzept. Das junge Team arbeitet hart und verdient etwas Zeit.» Es sei eine grosse Leistung, drei Beizen von null auf hundert zu bringen. «Die Berner Badis sind gratis, auch die Ka-We-De, wenn man nur ins Restaurant geht. So gesehen finde ich die Preise in den Beizli vertretbar.»

Chaos in der Ka-We-De: Ein konkretes Beispiel, was die neuen Beizenpächter verbessern müssen, lesen Sie hier.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt