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Nicht alle Könizer wollen das neue Tram

Künftig soll ein Tram von Bern nach Köniz fahren. Das kommt nicht bei allen gut an. Thomas Schneiter aus Niederscherli gründete eine Facebook-Gruppe gegen das Tram in Köniz. Sie hat inzwischen rund 100 Mitglieder.

Lucia Probst
Auch durch das Könizer Zentrum würde das Tram künftig fahren. Das findet Tramkritiker Thomas Schneiter nebst vielen andern Punkten an der Tramlinie nach Köniz bedenklich, denn im Zentrum sei der Platz schon heute knapp.
Auch durch das Könizer Zentrum würde das Tram künftig fahren. Das findet Tramkritiker Thomas Schneiter nebst vielen andern Punkten an der Tramlinie nach Köniz bedenklich, denn im Zentrum sei der Platz schon heute knapp.

Wieso muss es überhaupt ein Tram sein? Thomas Schneiter, 48-jährig, IT-Spezialist aus Niederscherli, hat wenig Verständnis für die Idee, dass künftig ein Tram von Bern in den Könizer Ortsteil Schliern fahren soll. Seit es im Juni 2010 ein Tramforum für die Bevölkerung gab, beschäftigt er sich kritisch mit dem Projekt. Nicht für eine Partei. «Ich bin politisch sonst nicht aktiv, aber hier geht es mir um die Sache», sagt er. Im Juni 2010 rief Schneiter auch die Facebook-Gruppe «Tram in Köniz? Nein danke» ins Leben. Derzeit hat sie 104 Mitglieder, prominente Gesichter – zum Beispiel aus der Könizer Politik – sucht man allerdings vergebens. Es gab in den letzten Monaten auch kaum Einträge.

Am liebsten gar kein Tram

Doch jetzt, wo nebst dem Berner und dem Ostermundiger auch das Könizer Parlament Mitte November über den Anteil von 860'000 Franken an den Kredit für die Bauprojektierung debattieren wird, will Schneiter Gas geben. Ein Infostand auf dem Bläuacker schwebt ihm vor. Auch die Parlamentsmitglieder möchte er angehen. «Es liegen nun auch Informationen vor, die das Projekt konkreter machen.» Schneiter stört, dass es zwischen Bern und Köniz überhaupt ein Tram geben soll. «Alternativen mit grösseren Bussen hat man viel zu wenig geprüft», findet er. Zumal es fraglich sei, ob Köniz wirklich so stark wachse, wie das von den Trambefürwortern suggeriert werde. Auch längere Trolley-Gelenkbusse würden durchaus mehr Kapazitäten bringen. Und das viel billiger und ohne grosse bauliche Massnahmen. Zudem baue die BLS ja auch die S-Bahn aus.

Schneiter verweist auf das Gutachten von ETH-Professor Ulrich Weidmann und einem Zürcher Ingenieurbüro von Mai 2011. Auch dort ist davon zu lesen, Doppelgelenk-Trolleybusse wären ein «realistischer Ansatz» für eine schrittweise Kapazitätsanpassung. Das Argument, dass diese Busse nicht in die Bernmobil-Flotte passen, sei «nicht stichhaltig», finden die Gutachter. Ein besonderer Dorn im Auge sind Schneiter auch die Haltestellen auf der Schwarzenburgstrasse. Die geplanten Überholmöglichkeiten für Autos und Velos seien eine «Farce». Auch hier steht er nicht alleine da mit dieser Kritik – im Experten-Gutachten ist das auch ein Thema.

Wendeschlaufen als Problem

Ein Tram muss irgendwo wenden: In diesen Wendeschlaufen sieht Schneiter ebenfalls ein Problem. Dass man diese Schlaufe in Schliern in geologisch schwierigem Gebiet bauen wolle und keine Ahnung habe, wie viel das koste, macht ihn stutzig. Zudem sei die Betriebswendeschlaufe in der Sandwürfi völlig falsch platziert. «Wenn schon müsste sie beim Liebefeld-Park sein, aber den mag der Gemeinderat nicht mehr antasten.» Auch hier verweist der Tramkritiker auf Experten. Sie taxieren im Gutachten die Wendeschlaufen-Situation als nicht ideal.

Für Schneiter ist die Konsequenz klar: «So etwas darf man doch nicht einfach bauen.» Für ihn lässt das alles zu viele Fragen offen. «Ich bin kein Freund des Trams», gibt der Autofahrer unumwunden zu. Schneiter selbst wohnt in Niederscherli und hat sein Büro in Bern. Er sei oft zu Stosszeiten mit dem Auto entlang der heutigen Buslinie 10 unterwegs, sagt der Informatikfachmann. Als schlimm erlebt er das nicht. «Ich sehe gar keinen grossen Handlungsbedarf.»

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