Köniz

Nicht alle Kandidaten verdienen ein Like

KönizOb eigene Website, Blog oder Facebook: Für einen erfolgreichen Wahlkampf müssen Politiker längst auch online präsent sein. Wie schlagen sich diesbezüglich die Kandidaten fürs Könizer Gemeindepräsidium? Mässig, wie eine Analyse zeigt.

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Die Frage muss sich jeder Politiker vor einer Wahl einmal stellen: Wie bringe ich meine Botschaften an die Leute? Die Antwort ­darauf fällt bei allen etwas anders aus. Die einen verteilen vor dem Supermarkt Gipfeli. Andere investieren in Plakate am Strassenrand. Wiederum andere schreiben einen Song.

Grosse Differenzen in Köniz

Mit den sozialen Medien ist es einfacher geworden, auf sich aufmerksam zu machen. Ob in Text-, Bild- oder Videoform: Im Nu lässt sich heute auf verschiedenen Kanälen eine Botschaft verbreiten – und damit je nachdem ein beachtliches Publikum erreichen. Dass Onlinekampagnen daher für die Politik immer interessanter werden und sogar Wahlen entscheidend mitprägen können, ist spätestens seit Trumps Triumph in den USA bekannt.

Wie aber sieht das hinsichtlich der Wahlen in Köniz aus? In der Gemeinde wird die Exekutive heuer fast komplett aufgefrischt. Vier der fünf bisherigen Gemeinderäte inklusive Gemeindepräsident treten ab. Entsprechend gross ist das Interesse unter den möglichen Nachfolgern – gleich sechs Kandidierende buhlen ums Gemeindepräsidium. Wie präsent sind die Aspiranten auf den verschiedenen Internetplattformen? Diese Zeitung wollte es wissen und hat die Onlineaktivität der sechs Präsidiumsanwärter unter die Lupe genommen – mit teils verblüffenden Resultaten.

Berlinger top . . .

Klar am besten schneidet Annemarie Berlinger ab. Die SPlerin ist nicht nur auf mehreren Kanälen präsent, sondern wendet diese auch vielseitig an. Auf ihrer eigenen, übersichtlich gestalteten Website etwa sind ihre Positionen sowie Informationen zu ihrer Person abrufbar. Parallel dazu betreibt sie den Blog #könizkannmehr, wo sie sich seit Monaten regelmässig zu aktuellen Themen äussert. Unter allen Kandidierenden ist sie die Einzige, die einen ernst zu nehmenden und periodischen Blog unterhält.

Hinzu kommen Facebook und Twitter: Dort konzentriert sich Berlingers Aktivität zwar vor allem auf die Verbreitung ihrer Blogeinträge, hie und da gewährt sie aber auch Einblicke in ihren Alltag. Die einzige grosse Social-Media-Plattform, über die selbst die SP-Kandidatin nicht verfügt, ist Snapchat.

Einen passablen Internetauftritt bewirtschaftet auch der Grüne Hansueli Pestalozzi. Will man sich über seine Grundsätze und Ideen erkundigen, findet man auf seiner Website die nötigen Angaben dazu. Weiter postet Pestalozzi in regelmässigen Abständen Zeitungsartikel zu Themen, die ihn beschäftigen, sowie Fotos von Anlässen, an denen er teilnimmt. Die Beiträge auf Facebook und Twitter sind dabei in der Regel identisch. Offiziell betreibt Pestalozzi auf seiner Website zudem noch «Hansueli’s Blog». Tatsächlich hat er es darin aber nicht auf mehr als zwei Einträge geschafft.

Höchstens eine Nebensache  scheinen Onlineplattformen für  die bürgerlichen  Kandidaten zu sein.

Ähnlich präsentiert sich der Grünliberale Thomas Brönnimann. Ein Manko: Gibt man seinen Namen auf Google ein, wird einem seine Website nicht auf Anhieb, sondern erst an 23. Position angezeigt. Zudem verfügt er zwar über einen Twitter-Account, dort gibt es aber nur drei Beiträge von ihm – alle wurden zudem am selben Tag 2016 verfasst. Seither herrscht Funkstille. Immerhin: Mehr als eine Eintagsfliege scheint für ihn Facebook zu sein. Dort bringt er sich fast täglich mit politischen, medialen und auch persönlichen Posts ein. Darüber hinaus verfügt Brönnimann – wie Berlinger – über ein Instagram-Profil, das er aber für private Zwecke nutzt.

. . . Frey flop

Höchstens eine Nebensache scheinen Onlineplattformen für die Bürgerlichen in der Kandidatenrunde zu sein. Der FDPler Hans-Peter Kohler etwa verfügt gerade einmal über eine eigene, sehr altmodisch aufbereitete Website. Und auch Christian Burren von der SVP setzt einzig und allein auf seine Website. Diese beinhaltet zwar seine politischen Schwerpunkte. Optisch fällt sie jedoch aus der Zeit und wurde offensichtlich nicht für Smartphone-Nutzer konzipiert.

Online komplett inexistent ist schliesslich Thomas Frey. Der BDP-Kandidat hat weder eine eigene Website, noch ist er auf einer Social-Media-Plattform vertreten. Wer etwas über seine persönlichen Positionen erfahren möchte, kann dies höchstens noch über den direkten Anruf versuchen – immerhin seine Telefonnummer ist im Internet zu finden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 06:55 Uhr

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