Neues «Graffitti» bekommt Farbe und Form

Bern

Der Jugendtreff «NewGraffitti» zog an die Scheibenstrasse 64 um und wurde vor einem halben Jahr eingeweiht. Zeit für eine erste Bilanz.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Diverse Graffitis und Tags zieren das Gebäude an der Scheibenstrasse 64. Was die meisten Hausbesitzer zur Weissglut bringen würde, ist beim Jugendtreff «NewGraffitti» sogar erwünscht. Nur eine Regel müssten die Sprayer beachten, dass die «Graffitis nicht sexistisch, rassistisch oder gewaltverherrlichend daher kommen.»

Lange stand das Gebäude, in dem der Treff ein neues Zuhause fand, als properer, unifarbener Neubau da. «Uns hat es auch erstaunt, wie lange es dauerte, bis das erste Graffiti am Gebäude auftauchte», erklärt Michael Lutz. Lutz arbeitet zusammen mit Carolina Aragon und Robert Urban für die Jugendarbeit Bern Nord (Jano) im 1. Stock des Gebäudes.

Ein Jahr ist vergangen, seit der alte Jugendtreff an der Scheibenstrasse 72 zugemacht hat. Seit September sind die Büroräumlichkeiten, die sich vorher an der Winkelriedstrasse befanden, und der Jugendtreff an der Scheibenstrasse 64 unter einem Dach vereint. Seither wurde eingerichtet, Wände gestrichen und die Büros bezogen. «Zuerst hatten wir die Hülle und nun füllen wir es nach unseren Bedürfnissen», erklärt Robert Urban. «Die Stammgäste sind die gleichen 20 bis 30 Lehrlinge, die zum Teil täglich oder eigentlich immer da sind», schmunzelt Robert Urban. «Die Jugendlichen aus dem Wyler- und Wankdorf-Quartier haben zu Hause nicht viel Platz. Derzeit ist unsere Küche in. Sie kommen mit riesigen Einkaufstaschen an und kochen bei uns.» Dies sei eine der Verbesserungen: Im alten Gebäude konnte man gerade mal Teigwaren zubereiten.

Wöchentlich gibt es Partys

Auch sonst sei das «NewGraffitti» moderner und weniger «siffig» geworden: Im Erdgeschoss gibt es Fernseher, Sofas, einen Töggeli-Kasten und eine Bar. «Bald haben wir auch einen Billiardtisch, ein Geschenk», freut sich Urban. Die unteren Stockwerke werden am Wochendende an Dritte vermietet. Es finden wöchentlich Partys statt, die vom Jano Personal begleitet werden. Obwohl das Gebäude direkt an den Zuggeleisen liegt, habe es einige Lärmklagen aus der Nachbarschaft gegeben, jedoch komme das selten vor.

Im laufenden Jahr sei das Ziel, vermehrt jüngere Jugendliche und vor allem Mädchen anzusprechen, was an einem Mitwirkungs-Tag im September geschehen werde. Vorstellbar sei hier vieles: Von Graffiti sprayen über Tanzgruppen und DJ-Kurse. «Das Wichtigste ist, dass die Jugendlichen vorangehen. Wir sind einfach für sie da, wenn sie Hilfe brauchen», erklärt Michael Lutz. Draussen stehen schon die Graffiti-Wände bereit, wo man üben könne. Auch die Gebäudehülle dürfte sich in den kommenden Monaten noch verändern. «Wir werden die Graffitis an den Stellen am Haus, wo man nicht einfach hinkommt, wohl koordinieren», erklärt Urban. So dürfte der Name «NewGraffitti» an der Scheibenstrasse 64 doch noch Programm werden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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