Neues Anflugregime: Stadt profitiert, Aaretal klagt

Belp

Der geplante Südanflug auf den Flughafen Bern-Belp stösst im Aaretal, Emmental und Oberland auf heftige Kritik. Gemeinden fürchten sich vor Fluglärm. Clubs und Verbände der Kleinfliegerei künden Widerstand an.

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Johannes Reichen

In etwa einem Jahr soll der Flughafen Bern-Belp regelmässig von Süden her angeflogen werden. Das ist der Plan der Flughafenbetreiberin Alpar. Sie will damit den bevölkerungsreichen Norden, insbesondere Bern und Muri, vom Fluglärm entlasten. Aber die Alpar hat die Rechnung ohne den Süden gemacht. Im Aaretal, Oberland und Emmental regt sich Widerstand gegen die Südanflüge. Gemeinden fürchten sich vor Fluglärm. Und vor allem die Verbände und Clubs der General Aviation wehren sich. Ja, die Segelflieger und Hängegleiter gehen vor Ärger in die Luft.

Südanflug als Normalität

Normalerweise landen Verkehrsflugzeuge von Norden her auf dem Flughafen. Vereinzelt aber wird das Belpmoos auch schon heute vom Süden her angeflogen. Die Maschinen biegen vor Muri ab und fliegen Belp in einer kleinen Schlaufe etwa via Rubigen per Sichtflug an. Das soll sich ändern. Im Juni des letzten Jahres reichte die Alpar beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) das Gesuch für GPS-gestützte Anflüge ein. Sie will damit die Anflüge besser auf den Norden und den Süden verteilt.

Künftig aber soll der Südanflug zur Normalität werden: Die Flugzeuge überfliegen in einer grossen Schlaufe das Emmental und Thun (siehe Grafik). Das Belpmoos steuern sie dann per Instrumentenflug an. Für das Emmental und das Oberland bedeute dies keine «signifikante Belastungszunahme», betonte die Alpar.

Verbände nicht angehört

Es bleibt vorerst offen, welche Auswirkungen das neue Regime tatsächlich hat. Nächste Woche legt die Alpar das neue Betriebsreglement öffentlich auf. Heute Donnerstag publiziert die Flugsicherung Skyguide die Änderungen in der Luftraumstruktur, die auf den GPS-gestützten Südanflügen basieren. Die Alpar äussert sich nicht und verweist an das Bazl. Dieses will die Öffentlichkeit erst am Freitag informieren.

Einsprachen gegen das neue Regime sind vorprogrammiert. Auch, weil sich der Flughafen zuletzt keine neuen Freunde gemacht hat. Nicht bei den Gemeinden im Süden, nicht bei Clubs und Verbänden. «Wir sind enttäuscht, dass wir nicht schon von Anfang an in das Verfahren einbezogen wurden», sagt etwa Christian Boppart, Geschäftsführer des Schweizerischen Hängegleiterverbands. «Dies ist keineswegs üblich.» Und vor allem sorgt er sich um die Kleinfliegerei.

Einsprachen als letztes Mittel

Durch die Anflüge aus dem Süden muss dort der kontrollierte Luftraum erweitert werden. «Vor allem für den Segelflug und Hängegleiter ist das einschneidend», sagt Christian Markoff, Luftraumbeauftragter beim Hängegleiterverband. Sie dürfen sich im kontrollierten Luftraum nicht unangemeldet aufhalten. «Für den Flughafen zählen allein wirtschaftliche Faktoren», kritisiert Markoff. Aus seiner Sicht aber wären Kompromisse durchaus möglich gewesen – nur sei dies durch die Flughafenbetreiberin verunmöglicht worden. Es bleibe allein das Mittel der Einsprache.

Deutliche Worte findet auch der Aeroclub der Schweiz. Er schreibt auf seiner Website: «Die Schlinge um den Flugplatz Bern zieht sich weiter zu – die Leichtaviatik auf und um den Flughafen wird mehr und mehr abgewürgt.»

Sorgen in Thun

Die Belper Pläne werden auch im Berner Oberland genau verfolgt – etwa auf dem Flugplatz Thun. «Wir würden unseren Hauptanflugsektor im Norden verlieren», sagt Flugplatzleiter Philippe Seiler. «Und bei Abflügen im Norden würden wir massiv eingeschränkt.»

Verbände, Clubs und Gemeinden warten nun die öffentliche Auflage ab. Am 20.Januar treffen sich ihre Vertreter in Thun. Sie werden viel zu besprechen haben.

Berner Zeitung

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