Neuer Versuch für das Biolädeli

Schwarzenburg

Eine Gruppe Menschen setzt sich dafür ein, dass es in Schwarzenburg wieder ein Biofachgeschäft gibt. Dies, obwohl das letzte solche Angebot vor einem Jahr in Konkurs ging.

Marianne Haeni und Beatrice Makiol (rechts) engagieren sich, damit Schwarzenburg wieder einen Bioladen erhält.

Marianne Haeni und Beatrice Makiol (rechts) engagieren sich, damit Schwarzenburg wieder einen Bioladen erhält.

(Bild: Christian Pfander)

Sheila Matti

Das Ladenangebot in Schwarzenburg ist dicht. Es gibt ein Schuhgeschäft, einen Blumenladen, eine Metzgerei, eine Papeterie – und natürlich die beiden Giganten Migros und Coop. Vor einem Jahr jedoch hat die Vielfalt abgenommen: Im Herbst 2018 ging das Biofachgeschäft Bergbach in Konkurs.

Damit verlor das Dorf ein Angebot, das sich über 30 Jahre etabliert hatte – zwar immer an einem anderen Ort und unter anderer Leitung, aber stets gab es einen Laden, der auf Bioprodukte spezialisiert war. «Seit der Bergbach zu ist, fehlt einfach etwas», sagt Marianne Haeni, eine langjährige Kundin des Fachgeschäfts.

Statt dem Vergangenen nachzutrauern, entschied sich Haeni, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und einen neuen Bioladen auf die Beine zu stellen. Die 61-Jährige betreibt zusammen mit ihrem Mann einen Demeter-Betrieb in Guggisberg und kennt sich mit der Produktion von Bionahrungsmitteln aus. Wie man einen Laden führt und was es dafür braucht – damit musste sie sich erst auseinandersetzen.

In einem ersten Schritt suchte sie deshalb das Gespräch mit Ladenbesitzern aus verschiedenen Ortschaften. Parallel dazu begab sie sich aktiv auf die Suche nach einem Lokal. Einen Standort kann sie zwar noch nicht definitiv nennen, aber: «Die Verhandlungen laufen gut.»

An Kunden fehle es nicht

In einem zweiten Schritt holte Marianne Haeni die Bevölkerung mit an Bord: Im August und im September organisierte sie öffentliche Informationsanlässe und stellte ihr Projekt vor. Die Begeisterung war gross: Besonders gut kam an, dass der Laden genossenschaftlich geführt werden soll. Und schnell war Haeni nicht mehr alleine.

Die Genossenschaft soll dafür sorgen, dass das Geschäft finanziell abgesichert ist. Für einen einmaligen Mindestbetrag von 100 Franken kann man Mitglied werden. «Den Genossenschaftlern geht es nicht darum, einen Vorteil zu erhalten», betont Marianne Haeni, «sondern darum, sich solidarisch zu engagieren und den Laden gemeinsam zu tragen.»

Heute umfasst die Gruppe rund um Haeni zehn Personen, «darunter hauptsächlich junge Menschen», freut sich diese. Jemand kenne sich mit Computern aus, jemand sei handwerklich begabt, jemand komme aus der Marketingbranche – so wird verschiedenes Wissen vereinigt.

Eine wichtige Rolle spielt auch Beatrice Makiol: Die 34-Jährige arbeitete früher im Biofachgeschäft Bergbach und weiss, was es braucht, damit der neue Laden Fuss fassen kann: «Der Bergbach war besonders wegen der heimeligen Atmosphäre beliebt – es ging nicht primär um die Produkte, sondern viel mehr um das Einkaufserlebnis.»

Zwar war Beatrice Makiol bereits nicht mehr dabei, als der Bergbach seine Türen letztes Jahr aus finanziellen Gründen schloss. Erst heuer wurde das Konkursverfahren über die ehemalige Gesellschaft abgeschlossen. Aus Erfahrung weiss Makiol aber: «An der Anzahl Kunden hat es sicher nicht gelegen. Der Laden war sehr beliebt und gut besucht.»

Deshalb sind die beiden Frauen auch zuversichtlich, dass sich ihr Angebot gegen die Konkurrenz von Coop und Migros durchsetzen könne. Besonders, weil sich das Angebot deutlich unterscheiden werde, so Makiol: «Unsere Produkte wird man sicher nicht beim Grossverteiler finden.» In den Regalen stehen sollen vor allem Bioprodukte aus der Region sowie regionale Spezialitäten. Und auch Unverpacktes soll im Biolädeli angeboten werden – so, wie es auch schon der Bergbach tat.

Ein sicherer Start

Insgesamt 80'000 Franken will die Gruppe hinter dem Bioladen zusammenbekommen. «So hätten wir ein Polster für die ersten Monate», erklärt Beatrice Makiol. Die Summe entspreche dem normalen Startkapital eines Ladens, mit ihr könne man das Ladeninventar, die Ausstattung, die ersten Monatsmieten sowie die ersten Löhne für die Angestellten abdecken.

Seit August konnte bereits ein ordentlicher Beitrag gesammelt werden: Über 25'000 Franken an Genossenschaftsbeiträgen kamen zusammen. «Am liebsten würden wir das noch verdoppeln», so Marianne Haeni. Weitere 20'000 Franken stammen aus einem Darlehen. Und zurzeit sei man auf der Suche nach Sponsoren, um die noch offenen 20'000 Franken zu stemmen.

Sobald auch diese letzte Hürde gemeistert ist, soll der Bioladen so schnell wie möglich eröffnet werden. Es sei wichtig, dranzubleiben, ist Haeni sicher: «Noch ist der Bergbach in den Köpfen der Menschen. Je mehr Zeit aber vergeht, desto mehr ändern die Leute ihr Einkaufsverhalten.» Deshalb wolle man starten, solange sich Schwarzenburg noch nach seinem Biofachgeschäft sehnt.

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