Bern

Neue Stimmen im Quartier

BernJägerinnenhochsitze im Breitenrain? Kunstschaffende präsentierten im Rahmen des städtischen Projekts «Kunstplätze 2018» ihre Visionen für das Nordquartier.

Celia und Nathalie Sidler möchten das Nordquartier von Hochsitzen aus beschallen.

Celia und Nathalie Sidler möchten das Nordquartier von Hochsitzen aus beschallen. Bild: Susanne Keller

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Celia und Nathalie Sidler spielen damit, dass sie fast identisch aussehen. Sie bewegen sich synchron, kraxeln auf einen hölzernen Hochsitz und schmettern durch zwei Megafone: «Wir gehen auf die Jagd! Gloria Viktoria, widewidewitt bumbum.» Mit Jagen hat ihr Kunstprojekt allerdings wenig zu tun, eher mit Sammeln.

Das Basler Duo stellte am Samstag in der Schule für Gestaltung sein Kunstplatz-Projekt vor. Es möchte ins Berner Nordquartier eintauchen und mit Leuten, die da wohnen oder arbeiten, «Unorte» finden, an denen es seine Hochsitze aufstellen kann. Von dort aus kann man wunderbar beobachten – Stadtwild, Menschen, den Verkehr. Mit den Erkenntnissen daraus soll das Nordquartier einmal im Monat ab Hochsitz beschallt werden.

Städtisches Projekt

Ein «Unort» oder ein «Ort der Unvernunft», wie er dem Bieler Künstlerpaar von Haus am Gern vorschwebt, ist bereits vorgegeben. Den Viktoriaplatz hat eine Jury aus Fachleuten der Kunstwelt, Quartierbewohnern und Vertretern der Stadt als «Kunstplatz» für den Stadtteil V definiert. «Wir haben uns für diesen Platz entschieden, weil er eine Art Eingang ins Quartier darstellt und sich gegen aussen am besten vermitteln lässt», erklärt Romano Manazza, der als Quartiervertreter mitwirkt.

Die Definition solcher öffentlichen Spielorte ist Teil des städtischen Projekts «Kunstplätze». Was temporär dort passieren wird, soll laut Projektbeschrieb «zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Wohnort anregen». Nun machen Breitenrain/Lorraine und Länggasse/Felsenau den Anfang. «Und inzwischen haben auch Bümpliz und das Kirchenfeld ihr Interesse für die nächste Runde angemeldet», freut sich Franz Krähenbühl von der städtischen Kommission Kunst im öffentlichen Raum.

Romano Manazza freut sich vor allem über die Verschiedenartigkeit der fünf vorgestellten Projekte – wobei man die Künstlerinnen und Künstler schon entsprechend ausgewählt hat, wie er betont.

Partizipation erwünscht

Ausgewählt wurde auch Hanswalter Graf aus Thun, der das Kürzel der Bernischen Kraftwerke, BKW, neu als Breitenrain-Kunstwelt ausformuliert und die Breitsch-Leute einlädt, «im Aussenraum ihrer Wohnungen und Häuser ein privates Kunstprojekt zu realisieren». Wahrscheinlich muss man mit Motorsägenskulpturen und Hollywoodschaukeln im Strickkleid rechnen. Noch einen Schritt weiter ins Offene wagt sich der Basler Florian Graf. Er will die Wettbewerbssumme von 25000 Franken an Menschen aus dem Quartier verschenken und präsentierte ein Wunschformular, mit dem sie sich bei ihm für einen selbst eingesetzten Betrag bewerben können – unter Angabe des Verwendungszwecks.

Traditionell nimmt sich dagegen das Projekt der Zürcher Künstlerin Ilona Rüegg aus. Doch bei näherer Betrachtung vereint die ikonische Figur, die sie sich für den identitätslosen Viktoriaplatz ausgedacht hat, vortrefflich die Sehnsucht unserer Zeit nach Orientierung mit den Möglichkeiten neuster Technologie. Rüegg will mit der Bevölkerung 250 Kilogramm Alu sammeln und es dann in Formen giessen, die sie unter anderem mittels 3-D-Drucker aus einer antiken Statue der Göttin Nike (Pendant zur römischen Viktoria) sowie einer Plastik von Otto Münch kreiert hat.

Viel örtliches Publikum tauchte bei der Präsentation der Projekte nicht auf.

Und dies wird wohl auch der Knackpunkt sein, wenn 2019 das von der Jury auserkorene Projekt umgesetzt wird – sich so bemerkbar zu machen, dass der Mensch auf der Strasse realisiert: Hier passiert etwas. Und es hat etwas mit mir zu tun.

Präsentation der Projekte Stadtteil II (Länggasse/Felsenau): Samstag, 27.10., Restaurant-Bar Provisorium 46, ab 10 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2018, 18:41 Uhr

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