Stadt Bern zahlt Microsoft Millionen

Bern

Die Stadt Bern muss 2000 Computer erneuern und setzt auf Microsoft statt quelloffener Technologie. Kosten: über 6 Millionen Franken.

In der Berner Stadtverwaltung stehen insgesamt rund 2000 Computer im Einsatz. Sie zu ersetzen, ist ein kostspieliges Unterfangen (Symbolbild).

(Bild: Fotolia)

Microsoft hat mit Google und Apple Konkurrenz bekommen und ist nicht mehr der alleinige Platzhirsch in der IT-Branche. Gute Nachrichten gibt es immerhin aus Bern. 2000 Computer müssen in den kommenden Jahren in der Stadtverwaltung ersetzt werden.

Der Gemeinderat entschied sich für Microsoft-Technologie und beantragt beim Stadtrat einen Kredit von 6,4 Millionen Franken. Wie der Gemeinderat gestern mitteilte, fallen weitere 2,4 Millionen Franken für die Software-Wartung der kommenden drei Jahre an.

EVP-Stadtrat Matthias Stürmer ist wenig begeistert über die geplanten Anschaffungen. Er fordert seit Jahren Open-Source-Software für die Stadt Bern, also Software, deren Quelltext offenliegt und frei verfügbar ist. Nur so könne man sich aus der Abhängigkeit grosser Lieferanten lösen und Kosten sparen.

Die geplanten Anschaffungen bezeichnet er als «mutlose Beibehaltung des Status quo». Die Stadt wolle Open-Source-Software nur bei neuen, nicht aber bei bestehenden Systemen anwenden. «Es wird nichts riskiert, der Gemeinderat geht den bequemsten Weg», sagt Stürmer, der seines Zeichens Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit an der Uni Bern ist.

Um eine IT-Strategie zu erarbeiten, gab die Stadt eine externe Technologiestudie beim Unternehmen AWK-Group in Auftrag. Die Studie empfahl der Stadt, auch in Zukunft auf Microsoft-Produkte zu setzen. Offene Software ist nur für «weitere Applikationen» vorgesehen. Stadtrat Stürmer bezeichnet die Studie als «Gefälligkeitsgutachten».

Auch sei es kein Zufall, dass das Geschäft knapp weniger als sieben Millionen koste: «So braucht es keine Volksabstimmung». Er erwartet nun, dass die öffentliche Ausschreibung funktional sein wird und keine Produktenamen enthält. «Ich werde das Geschäft sehr genau studieren», sagt er.

«Es war kein Gefälligkeitsgutachten», sagt Luciano Bergamin, Leiter Informatikdienste bei der Stadt. Auch gehe die Stadt nicht den bequemsten Weg. Die Stadtverwaltung könne sich aber nicht von aller proprietären Software wie zum Beispiel Microsoft verabschieden.

Stadtrat Stürmers Vorstellung, die ganze Verwaltung auf Open Source umzustellen, würde keine einzige Schweizer Stadt eingehen, sagt Bergamin. Dort wo es aber vernünftige Alternativen zu proprietären Software-Produkten gebe, prüfe die Stadt diese ernsthaft.

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