Autoverkehr über den Bahnhofplatz soll um 60 Prozent reduziert werden

Bern

Die städtische Verkehrsdirektorin Ursula Wyss hat die Pläne für den neuen Bahnhofzugang beim Hirschengraben vorgestellt. Vorgesehen ist ein unterirdischer Zugang, eine Velostation sowie eine Reduktion des Autoverkehrs.

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Die Erweiterung des Bahnhofs Bern wird die Fussgängerströme rund um den Bahnhof massiv verändern. Die Gründe dafür sind die Verlegung des RBS-Bahnhofs nach Westen und der Bau eines neuen Zugangs zu den SBB-Gleisen vom Bubenbergplatz her. Nach der Eröffnung des erneuerten Bahnhofs im Jahr 2025 werden doppelt so viele Passagiere den Bahnhof beim Hirschengraben verlassen.

Die Stadt plant nun den Bau eines unterirdischen Fussgängerzugangs zum Bahnhof vom Hirschengraben her. Laut der reinen linksgrünen Lehre ist es eigentlich ein Tabu, Fussgänger unter die Erde zu verweisen. Doch die städtische Verkehrs­direktorin Ursula Wyss sieht das heute entspannt: «Darüber gibt es heute eigentlich keine Diskussion mehr», sagte sie am Dienstag an einer Medienkonferenz.

Heute ist der Hirschengraben mit Fahrrädern zugestellt. Hier will die Stadt Abhilfe schaffen und eine unterirdische Velostation bauen. Diese soll Platz für bis zu 3000 Fahrräder bieten.

Neues Verkehrsregime

Widerstand wird es gegen die Verkehrsmassnahmen geben, welche die Stadt Bern plant. Der Gemeinderat will den Verkehr auf der Achse Bahnhofplatz–Bubenbergplatz um 60 Prozent reduzieren. Dies will sie mit Dosierungen und neuen Verkehrsführungen erreichen. So soll es künftig nicht mehr möglich sein, von der Laupenstrasse nach links in die Schanzenstrasse abzubiegen. Auch das Abbiegen vom Bubenbergplatz rechts in die Schanzenstrasse wird künftig verboten sein. Von der Schanzenstrasse aus wird es zudem während der Hauptverkehrszeiten nicht mehr möglich sein, rechts in die Laupenstrasse abzubiegen.

Die Fussgängerunterführung und die Verkehrsmassnahmen werden rund 90 Millionen Franken kosten. Die Velostation zusätzlich 33 Millionen Franken. Die Stadt, der Kanton und der Bund werden etwa je ein Drittel davon tragen.

Kritik aus der Wirtschaft

Die Pläne stossen bei der Wirtschaft auf Ablehnung: «Der Verkehr über den Bahnhofplatz ist schon stark zurückgegangen. Ich sehe nicht ein, wieso die Stadt diesen noch weiter reduzieren will», kritisiert Bernhard Emch, Präsident der Sektion Bern des kantonalen Handels- und Industrievereins.

«Die Einschränkungen werden irgendeinmal wehtun», sagt er. Schon heute sei es nur mit grossen Umwegen möglich, vom Süden in den Norden der Stadt zu gelangen. Zudem sieht er im Vorgehen der Stadt eine «Missachtung des Volkswillens». Das Volk hatte im Jahr 2009 eine Initiative für einen autofreien Bahnhofplatz mit 51-Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Über die neuen Pläne wird es in zwei bis drei Jahren abstimmen. Wenn alles rundläuft.

www.zukunftbahnhofbern.ch

sny

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