Neue Musik im altehrwürdigen Stadion

Bern

Das Musiknetzwerk «Pakt Bern» lässt das Stadion Neufeld zum begehbaren Klangraum werden.

Musik statt Fussball gibts am Samstag im altehrwürdigen Stadion Neufeld.

Musik statt Fussball gibts am Samstag im altehrwürdigen Stadion Neufeld.

(Bild: Andreas Blatter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Es sind seine eigenen, schönen und weniger schönen, sicher aber emotionsschwangeren Erinnerungen an das Stadion Neufeld, die ihn auf die Idee gebracht haben. «Fussball, YB, klar», sagt Christian Pauli. «Das Stadion ist ein ganz eigentümlicher Ort mit einer sehr speziellen Atmosphäre.» Es sei schon ein toller Klangraum an sich. Flach gebaut, weit, gross, akustisch interessant und so ruhig, weil am Wald gelegen.

Christian Pauli ist Chef Kommunikation und Publikationen der Hochschule der Künste Bern, Kolumnist, war Musiker, Journalist und ist eben auch Co-Leiter des Vereins Pakt. Ein Musik­netzwerk aus 80 Mitgliedern, das unter anderem speziell ausgewählte Räume mit Installationen, komponierter, improvisierter, elektronischer und akustischer Musik bespielt und so neu erfahrbar macht. Vor einem Jahr veranstaltete «Pakt Bern» einen solchen Anlass im ehemaligen Swisscom-Hochhaus in Ostermundigen. 200 Menschen kamen, und der Event machte über die Region hinaus Schlagzeilen.

Rennbahn und Katakomben

Am Samstag nun soll unter dem Titel «flash! (run and relay)» also das Stadion Neufeld zum begehbaren Klangraum werden. Um16 Uhr geht es los und dauert bis in die Nacht hinein. Auftreten werden unter anderen die Britin Lucy Railton (Cello/Electronics), der Deutsche Thomas Köner (Electronics), Cathy van Eck (Loudspeakers), das Trio Werner Hasler, Carlo Niederhauser & Hugo Ryser sowie die Berner Violinistin Gabrielle Brunner und das literarisch-musikalische Projekt «Butterland» mit Regina Dürig und Christian Müller. Gespielt wird auf dem Rasen, auf der Rennbahn, auf der Tribüne und in den Katakomben des Stadions.

Das Konzept hinter diesem Open-Air-Festival mitten im Winter entspricht dem, wofür auch das Netzwerk steht: Grenzen sprengen, oder in Paulis Worten: Blasen platzen lassen. In der Musik herrsche eine gewisse Attitüde, sagt er. «Entweder man gehört dazu oder eben nicht.» Üblicherweise bewegten sich die Leute in ihrer eigenen Blase, hörten meist nur die Musik, die ihnen gefalle oder bekannt sei. Für anderes sei man selten aufgeschlossen.

Die Musik von heute sei aber eben ge­rade eine Durchmischung von Komposition, Improvisation, von Akustik und Elektronik, die Grenzen schon lange fliessend. Viele Leute fühlten sich davon überfordert. Das «Flash» soll es nun möglich machen, aus der eigenen Wohlfühlzone auszubrechen und schmerzfrei Neues zu erfahren. «Im Stadion kann man sich frei bewegen, die einzelnen Spielorte und Musikstile auf sich wirken lassen. Bei uns muss man sich nicht eingepfercht neunzig Minuten quälen lassen.»

«Lieber kein Dauerregen»

Ein bisschen nervös ist Christian Pauli schon. Denn mehr als einen dicht gedrängten Aufbau und Soundcheck wird es in der Vorbereitung nicht geben. Ein solches Open-Air-Festival könne ja nur ein Experiment sein, meint Pauli noch. Ein Versuch, der aber auch viel Energie freisetzen könne. «Wir haben keine Ahnung, wie sich das Publikum verhalten wird. Wir schauen, was passiert. Unsere grösste Sorge bleibt das Wetter. Kalt wäre okay, aber lieber kein Dauerregen.»

Der Eintritt kostet 20 Franken. Die Organisatoren empfehlen warme bis sehr warme Kleidung.

Programm unter www.pakt-bern.ch

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