Neue Flugzeuge, aber nicht für Bern

Die Fluggesellschaft Helvetic feiert in Zürich-Kloten ihren ersten neuen Jet von Embraer. Wie Helvetic künftig ab Bern-Belp fliegt, ist aber offen.

Der neue Jet von Embraer, den Helvetic am Donnerstag in Kloten präsentiert hat, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht in Bern stationiert sein.

Der neue Jet von Embraer, den Helvetic am Donnerstag in Kloten präsentiert hat, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht in Bern stationiert sein.

(Bild: Tamedia/Johanna Bossart)

Julian Witschi

Vierzehn Monate nach dem Grounding von Skywork will der Flughafen Bern am Freitag «spannende Neuigkeiten» zu seiner Zukunft bekannt geben. Das kündigte er im Internet und in einer Einladung zu einer Medienkonferenz an. Ob eine neue Fluggesellschaft ihr Glück im Belpmoos sucht, blieb offen. Aber klar ist, Helvetic plant keine Offensive.

«Es fehlt momentan die Nachfrage nach Ferienflügen ab Bern-Belp, um hier einen solchen Jet stationieren zu können.»Tobias Pogorevc, Chef von Helvetic

Die Schweizer Airline, die dem Financier Martin Ebner und dessen aviatikbegeisterter Frau Rosmarie gehört, bietet womöglich zwar auch im nächsten Sommer wieder Charterflüge ab Bern an. Dies allerdings höchstens in kleinem Rahmen und weiterhin mit Jets, die in Zürich stationiert sind. Eine Maschine mit über 100 Sitzplätzen in Belp anzusiedeln und dafür vor Ort das nötige Personal anzuheuern, dafür fehlt im Moment die Nachfrage nach Ferienflügen ab Bern. Das sagte Helvetic-Chef Tobias Pogorevc am Donnerstag am Rande der Feier zur Einflottung neuer Em­braer-Flugzeuge in Zürich.

Damit es sich rechnen würde, ein Flugzeug für die Sommer­saison ab Bern zu betreiben, müsste die Maschine täglich im Einsatz sein. Es sehe aber sehr schwierig aus, diese Auslastung hinzubekommen, sagte Pogorevc. Diesen Sommer flog Helvetic ab Bern samstags und sonntags nach Palma de Mallorca, Jerez in Andalusien und Olbia auf Sardinien. Dies in einer sogenannten W-Rotation von Zürich aus an die Feriendestination, dann nach Bern, wieder an die Feriendestination und zurück nach Zürich. In den Jahren davor war das Angebot ab Bern grösser gewesen.

Wie sieht es nächsten Sommer aus? «Das wissen wir noch nicht. Wir sind mit verschiedenen Reiseveranstaltern im Gespräch», sagte Pogorevc. Der Betrieb ab Bern sei relativ teuer, und diese Mehrkosten müssten die Reiseveranstalter übernehmen. Ganzjährige Verbindungen ab Bern hat Helvetic-Eigentümer Ebner von jeher ausgeschlossen.

Chair kommt

Diesen Sommer gab es neben den drei Helvetic-Verbindungen nur zwei weitere Charterflüge ab dem Belpmoos: Zimex Aviation bediente Elba, und People's flog nach Menorca. People's hat kürzlich aber mitgeteilt, sich auf das Angebot in St. Gallen-Altenrhein zu konzentrieren. Die saisonalen Ferienflüge ab den Flughäfen Bern, Memmingen, Salzburg und Wien werden eingestellt.

Dagegen hat die neue Airline Chair angekündigt, im kommenden Sommer Calvi auf Korsika von Zürich und Bern aus anzufliegen. Chair ist aus dem Schweizer Ableger der zusammenge­brochenen deutschen Fluggesellschaft Germania entstanden. Die Airline betreibt drei Airbusse A319 mit je 150 Sitzplätzen.

Neue Konkurrenz erhält der Flughafen Bern, der um Staatsgelder kämpft, auch von der Swiss. Zusammen mit den SBB will die Airline das Angebot an Flugzügen ausbauen. Im Fokus stehen unter anderem Bahnverbindungen zwischen dem Flughafen Zürich und Bern sowie Interlaken. Die Kunden sollen das Flugticket zusammen mit dem Bahnbillett im gleichen Buchungsvorgang kaufen können. Das dürfte den Kritikern Auftrieb geben, die finden, Bern brauche dank der guten Bahnverbindungen nach Zürich keinen eigenen Flughafen.

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