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Neubau verdrängt Kakteen und Orchideen

Die Stadtgärtnerei wirft das Kakteenhaus und das Tropenhaus aus dem geplanten Neubau. Der Verein Orchideenfreunde Bern beklagt sich, die Stadt habe ihn darüber nie offiziell informiert.

Stolze Sammlung: Heinz Beutler (l.) und Ueli Schmid vom Verein Berner Kakteenfreunde im Elfenaupark.
Stolze Sammlung: Heinz Beutler (l.) und Ueli Schmid vom Verein Berner Kakteenfreunde im Elfenaupark.
Susanne Keller

Es ist kalt im Kakteenhaus im Elfenaupark. Vielleicht zum letzten Mal verbringen die stacheligen Pflanzen hier den Winter. 2003 wurde ein Grossteil der Sammlung aus dem Botanischen Garten in die Obhut der Betriebe Elfenau der Stadtgärtnerei gegeben. Neben dem Kaktus- und Sukkulentenschauhaus entstand auch ein Tropenhaus mit einer Orchideensammlung. Öffentlich zugänglich, erfreut sich das exotische Pflanzenparadies seither grosser Beliebtheit bei den Besucherinnen und Besuchern.

Nun steht den Pflanzen erneut ein Umzug bevor: Nächstes Jahr plant die Stadtgärtnerei einen Neubau anstelle der Schauhäuser und der 40-jährigen Gewächshäuser. Anstatt zu sanieren, ist laut Christoph Schärer von der Stadtgärtnerei Bern der Neubau die günstigere Variante. Das neue Treibhaus soll nur noch als Produktionsfläche dienen. Für die zwei Schauhäuser ist kein Platz mehr vorgesehen. «Wir müssen die Schauhäuser im Rahmen unseres Budgets einsparen», bestätigt Christoph Schärer. So will es der Berner Gemeinderat, wie Anfang 2011 bekannt wurde. Auch der Stadtrat hat zugestimmt. Pro Jahr fallen so etwa 110'000 bis 115'000 Franken an Kosten weg, vor allem Personal- und Gebäudekosten.

Zukunft der Pflanzen unklar

Für Ueli Schmid, Vizepräsident und Pflanzenobmann des Vereins Kakteenfreunde Bern, ist dieser Entscheid katastrophal. Denn viele Pflanzen sind Spenden von Vereinsmitgliedern, die Sammlung wurde laufend erweitert, unter anderem mit selber gezogenen Pflanzen. Schmid kritisiert, dass die Stadt dem Verein bis heute nichts offiziell kommuniziert habe. «Lange haben wir nicht so recht an einen ersatzlosen Abbruch geglaubt», sagt Schmid. Auch weil die Schauhäuser in der ersten Vorstudie, vor der Aufgabenüberprüfung durch den Gemeinderat, noch enthalten waren.

Erst an der Hauptversammlung der Kakteenfreunde Bern letzten Dezember habe man das Thema intensiv diskutiert und beschlossen, bis im Februar ein Schreiben an die Stadt zu richten. Ginge es nach dem Verein, soll die Sammlung auch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich sein. Bei der Stadtgärtnerei rennen die Kakteenfreunde mit diesem Anliegen offene Türen ein. «Wir werden alles daran setzen, Abnehmer an einem möglichst öffentlich zugänglichen Ort zu finden», sagt Christoph Schärer. Erste Priorität habe dabei der Raum Bern.

Begrenzter Platz im Boga

In der Stadt Bern kommt neben dem Elfenaupark eigentlich nur der Botanische Garten (Boga) infrage (siehe Kasten). Direktor Markus Fischer findet es schade, dass «Bern mit dem Tropen- und dem Wüstenhaus eine wichtige Ergänzung zum Boga verliert». Mit der Stadtgärtnerei bestehe ein guter kollegialer Kontakt, und so habe es vor zwei Wochen bereits einen kurzen Austausch gegeben. «Wir sind grundsätzlich gerne bereit, Pflanzenarten aufzunehmen», sagt Fischer. Bei der Auswahl von Pflanzen, die infrage kommen könnten, sei das Kriterium eines «vielfältigen Angebots für Bern» wichtig. Auch müssten die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Arten und der begrenzte Platz in den Boga-Schauhäusern berücksichtigt werden.

Die Interessengemeinschaft Elfenau schliesst eine Kooperation mit dem Boga nicht aus. «Wenn der Weiterbestand der Schauhäuser in Zusammenarbeit mit dem Boga gesichert ist, dann könnte man über das Projekt diskutieren», sagt IG-Elfenau-Präsident Willi Egloff. Die Stadtgärtnerei hat die IG vor rund zwei Wochen über das Vorhaben informiert. Ob die IG Elfenau sich in das Bewilligungsverfahren einschaltet, wird sie aber erst entscheiden, wenn das konkrete Projekt vorliegt, so Egloff. Ihn stört die Sparpolitik der Stadt: «Was schön ist, aber nichts nützt, wird eingespart.»

Angst um grosse Pflanzen

«Der Boga ist keine Alternative zum optimal gelegenen Elfenaupark», sagt Heinz Beutler, Vereinspräsident der Kakteenfreunde Bern. «Für Kakteen und Sukkulenten sind die hohen Häuser und die Böden im Boga klimatisch ungeeignet», erklärt zudem Ueli Schmid, der im nationalen Verein der Kakteenfreunde die Pflanzenkommission leitet. Viele der in der Elfenau ausgepflanzten Gewächse seien mit den Wurzeln tief in den natürlich gewachsenen Boden vorgedrungen. Deshalb werde es auch im bis ins Ausland verzweigten Netz der Kakteengesellschaft nicht einfach sein, private Abnehmer zu finden. Beutler meint: «Orchideen sind etwas leichter umzusiedeln.» Die grossen Pflanzen und die Säulenkakteen jedoch könnten in der Mulde landen, befürchtet er.

So weit will man es bei der Stadtgärtnerei nicht kommen lassen: «Jetzt beginnt erst die genaue Planungsphase», sagt Christoph Schärer. Es bleibe genügend Zeit, um Kontakte zur Branche zu knüpfen und nach möglichen Plätzen für die Orchideen und Kakteen zu suchen. Schärer: «Die Pflanzen können sicher in diesem Jahr noch besichtigt werden.»

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