Nebelproblem im Belpmoos entschärft, aber...

Bern-Belp

In diesem Winter war der Nebel – anders als ­früher – kaum ein Problem für Skywork. Damit sei nicht einfach alles gut, heisst es bei der Fluggesellschaft.

Belpmoos: In diesem Winter wars weniger grau als auch schon (Archivbild/Urs Baumann)

Belpmoos: In diesem Winter wars weniger grau als auch schon (Archivbild/Urs Baumann)

Johannes Reichen
Mathias Born@thisss

Für Skywork-Chef Martin Inäbnit stand vor einem Jahr fest: «Einen solchen Winter können wir uns nicht mehr leisten.» Das Winterhalbjahr 2016/2017 hatte der Airline, die auf dem Flughafen Bern-Belp beheimatet ist, grosse Probleme beschert. 118 Flüge konnten nicht wie geplant durchgeführt werden. Sie waren alle vom Nebel tangiert, der zwischen Oktober und Februar hartnäckig über der Startbahn klebte.

Ein Jahr später zeigt sich: Skywork erlebte keinen zweiten harten Winter in Folge. Im vergangenen Halbjahr sorgte der Nebel kaum mehr für Probleme im Belpmoos. Das liegt einerseits an verschiedenen Massnahmen, die Skywork ergriffen hat. Anderseits zählte der Flughafen in diesem Winter weniger Nebelstunden als ein Jahr zuvor.

Wenige Flüge im Nebel

Skywork-Sprecher Max Ungricht zählte in den letzten Monaten noch «eine Handvoll» Flüge, die wegen Nebel beeinträchtigt wurden. Diese Einschätzung deckt sich mit einer Datenanalyse dieser Zeitung: An zwei Tagen im Dezember – dem 7. sowie an Weihnachten – wurden laut den online publizierten Ankunftstafeln fünf Flüge umgeleitet. Beides waren Tage mit viel Nebel (siehe Kasten).

Die Passagiere, die damals von London und München beziehungsweise von Amsterdam, Wien und Berlin nach Bern wollten, landeten schliesslich in Basel. Welche der Verspätungen auf Nebelprobleme zurückzuführen war, lässt sich nicht eruieren. Nachdem die automatische Wetterstation auf dem Flughafen in den beiden Vorjahren 565 und 548 Nebelstunden registriert hatte, waren es 2017 mit 300 ausserordentlich wenige.

Verlustreicher Winter

Am 10. Dezember aber konnte Skywork in Bern-Belp keine Flüge durchführen. «Das kann passieren», sagt Ungricht. «Vereinzelt waren auch andere Flughäfen in unserem Streckennetz wegen Nebel geschlossen.» Vor einem Jahr sah die Situation noch ganz anders aus. Zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 waren auf den 118 Flügen insgesamt 2092 Skywork-Passagiere betroffen. Mal mussten sie eine Verspätung von über einer Stunde in Kauf nehmen, mal für Starts oder Landungen nach Basel ausweichen. Manche Flüge fielen gleich aus. Die Fluggesellschaft bezifferte die entstandenen Kosten auf 300 Franken pro Passagier oder total 600'000 Franken.

Zu viel für Skywork-Chef Inäbnit. Zuerst forderte er das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dazu auf, das Anflugregime zu ändern. In Bern-Belp müssen Piloten die Landepiste auf einer Höhe von 150 Metern über dem Boden sehen können, damit sie landen dürfen. Genau auf dieser Höhe ­lägen die Nebelbänke, sagte Inäbnit und verlangte eine Herab­setzung der sogenannten Entscheidungshöhe. Das Bazl ging ­allerdings nicht darauf ein. Die Topografie und die technische Ausrüstung liessen eine Änderung nicht zu, hiess es.

Im Sommer ordnete Inäbnit deshalb eine Reihe von Massnahmen für den Winterflugplan an. Die Fluggesellschaft stellte den Flugbetrieb jeweils schon um 20 Uhr ein, drei Stunden früher als zuvor. Denn der Nebel ist vor allem abends ein Problem. Weiter strich sie die Strecke nach Köln. Zudem wurden die An- und Abflugszeiten einzelner Destinationen angepasst. Im Gegenzug bot Skywork neu auch am Samstag Flüge an.

Negative Auswirkungen

Diese Massnahmen waren zwar erfolgreich. Aber aus Skywork-Sicht hatten sie ihren Preis. Nebst der Einstellung der Kölner Strecke erwähnt Ungricht, dass «die für Geschäftsleute attraktiven Tagesrandverbindungen entfielen». Zudem lasse die Konzentration der Flüge auf ein kleineres Zeitfenster keinen Platz mehr dafür, allfällige Verspätungen aufzufangen. «Diese ziehen sich dann den ganzen Tag durch.» Und schliesslich bedeuteten Flugzeuge, die am Boden stehen, ein «betriebswirtschaftliches Unding».

Alle diese Nachteile habe Skywork zu tragen. Die Flughafen Bern AG habe hingegen nichts zur Lösung beigetragen und kassiere die Einnahmen aus den Gebühren weiterhin. Dennoch werde Skywork im nächsten Winter gleich verfahren wie jetzt, sagt Ungricht. «Ausser es würde sonst eine Verbesserung geben.» Danach sieht es bis jetzt nicht aus.

Berner Zeitung

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