Naturschützer schützen sich vor Biber

Allmendingen

Ausgerechnet die seltenen Bäume haben es dem Biber am Steckibach angetan. Für die Naturschützer ist das ärgerlich. Sie haben die Hecke einst gepflanzt. Und sie seither sorgfältig gepflegt.

Die Spuren des Bibers sind unübersehbar.

Die Spuren des Bibers sind unübersehbar.

(Bild: zvg)

Stephan Künzi

Plötzlich war der Gast da. Angeraffelte Baumstämme und abgenagte Baumstrünke wiesen im vergangenen Herbst jedenfalls unübersehbar darauf hin: Der Biber hat den Steckibach gleich an der Grenze zu Worb entdeckt.

Vielfältige Landschaft

Wer die Natur liebt, hätte darob eigentlich allen Grund zum Jubeln. Martin Bader als Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Muri-Gümligen-Rüfenacht weiss das, und er betont: «Wenn ein Tier, das 200 Jahre lang ausgerottet war, in unserer Gegend wieder heimisch wird, ist das immer erfreulich.»

Trotzdem hat das unerwartete Auftauchen des Neulings in Baders Umfeld für Stirnrunzeln ­gesorgt. Immerhin kümmert sich just sein Naturschutzverein seit Jahr und Tag um das Rinnsal, das auf halbem Weg zwischen Allmendingen und Vielbringen liegt und die dortige Mooslandschaft entwässert.

Freiwillige haben vor 25 Jahren am weitgehend geraden Kanal eine Hecke gepflanzt. Mit ihren regelmässigen Pflegeeinsätzen sorgten sie in der Folge dafür, dass die Bäume und Sträucher in gewünschter Weise wuchsen und gediehen.

Prompt entstand inmitten der eintönigen Graslandschaft ein neuer Lebensraum mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Amphibien und Reptilien liessen sich genauso am Steckibach nieder wie Insekten und Vögel. Auf einmal waren der Turmfalke, die Goldammer oder der Teichrohrsänger zu beobachten.

Und nun eben der Biber – wobei: Ob man sich von ihm wirklich die ganze Arbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte zunichtemachen lassen wollte? Zumal dessen Vorlieben ausgerechnet den wertvollen Gehölzen galt: Seltene Wildobstbäume oder akkurat gepflegte Kopfweiden mussten bevorzugt dran glauben.

Nicht alle Freiwilligen mochten dem tatenlos zusehen. Sie schritten zur Tat und schützten die Stämme der heikelsten Bäume mit Maschendraht.

Kein Einzelfall

Jetzt runzelten andere die Stirn, monierten, so eigenmächtig könne man nicht vorgehen. Doch ­Samuel Kappeler, der im Auftrag der beiden Anstössergemeinden als Landschaftsplaner unterwegs ist, winkt ab. Der Biber jedenfalls trage aus dieser Aktion keinen Schaden davon. Auch wenn er nun an 30 bis 40 Bäume nicht mehr herankomme – in der alles in allem gegen 900 Meter langen Hecke finde er nach wie vor genug zum Fressen.

Kappeler sagt noch, dass ein Konflikt wie jener am Steckibach kein Einzelfall ist. Er erzählt von einem Gewässer mit sel­tenen Libellen, das sich mit dem Auftauchen des Bibers so zu verändern drohte, dass der Libellenbestand zumindest in Gefahr war. Zwei Tiere von der Roten Liste der gefährdeten Arten traten so in unmittelbare Konkurrenz zueinander, eine Reaktion wurde nötig – der Landschaftsplaner hält dazu fest: «In unserer dicht besiedelten Landschaft ist Naturschutz ohne gestaltende Eingriffe kaum mehr denkbar.»

Freude statt Frust

Auch Pro Natura hält den Maschendraht als Schutz gegen den Biberbiss für unbedenklich. Zugleich zeigt die Naturschutzorganisation Verständnis dafür, dass die Freiwilligen gar nicht erfreut sind, wenn ihr «grosser Einsatz für eine gute Sache Schaden nimmt».

Aber: «Wir plädieren dafür, statt dem Frust eher der Freude über die Rückkehr eines grossen Naturförderers Platz zu machen.» Der Biber schaffe «in beeindruckender Manier neue, dy­na­mische Lebensräume für eine breite Palette von einheimischen Tieren und Pflanzen». Dass er sich derart ausbreite, sei «einer der grössten Naturschutzerfolge der Schweiz».

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