«Natürlich werden die Anflüge nur verlagert»

Region Bern

Flughafendirektor Mathias Häberli ist überzeugt, dass der geplante Südanflug in der Region Bern weder Umwelt noch Anwohner übermässig belasten wird.

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Herr Häberli, wie kann man bei fünf bis sieben Flugbewegungen pro Tag von Effizienz reden? Mathias Häberli: In unserem Fall heisst Effizienz, dass die Flugzeuge nicht mehr durchs Mittelland und über die Stadt Bern zur Piste im Belpmoos fliegen.

Sie reden auch von Umweltverträglichkeit. Ist diese gegeben, wenn über Naturschutzgebiete geflogen wird? Ja. Der Südanflug ist sparsamer, weil weniger Treibstoff verbraucht wird. Natürlich werden die Anflüge nur verlagert. Aber insgesamt ist der Südanflug nicht nur kürzer, sondern auch lärmverträglicher.

Trotzdem. Es ist schwer, sich vorzustellen, was inskünftig umweltfreundlicher sein soll. Fliegen ist Fliegen. Lärm ist Lärm. Es wurde ein Umweltverträglichkeitsbericht erstellt, der jetzt öffentlich aufliegt und eingesehen werden kann. Nach der Auflage wird er geprüft. Wir haben diesen Bericht in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen erarbeitet.

Delta-, Gleitschirm-, Segel- und Ballonfliegervereine haben gar keine Freude am geplanten Südanflug. Wird diese Freizeitfliegerei inskünftig nur eingeschränkt oder im Luftraum des Südanfluges gar verboten? Gleich vorweg: Die Berner Segelflieger werden von keinen Einschränkungen betroffen sein, weil sie schon heute mit der Flugsicherung in Bern-Belp in Funkkontakt sind. Die anderen Freizeitflieger, vor allem aus dem Raum Thun, müssten beim Einfliegen in den kontrollierten Luftraum funken und deshalb auch der englischen Sprache mächtig sein. Ich betone: Es gibt keine Sperrzone, sondern es braucht eine Koordination. Das bedeutet für die Freizeitflieger möglicherweise eine gewisse Einschränkung der bisherigen Freiheit.

Das Gesuch für die GPS-gestützten Südanflüge ist jetzt öffentlich aufgelegt. Dasjenige für die vierte Ausbauetappe des Flughafens wird folgen. Fürchten Sie, dass es Verzögerungen wegen Einsprachen geben könnte? Mit Verzögerungen muss man bei Baugesuchen immer rechnen. Aber ich bin zuversichtlich und rechne damit, dass wir den Zeitplan einhalten können. Oder dass er, wenn überhaupt, nur um ein paar Monate verschoben wird.

Gegner des Flughafenausbaus fürchten, dass in Zukunft mehr Privatjets von Firmen sowie von Touristen aus Russland und den arabischen Staaten in Belp landeten. Was sagen Sie dazu? Eines unserer Standbeine war schon immer der Business- und der Tourismus-Jetverkehr. Russen und Araber kommen bereits. Aber der Platz, der nach dem Ausbau entsteht, wird in erster Linie den Helikoptern und den Unterhaltsfirmen zur Verfügung stehen. Deshalb sprechen wir auch lieber von Entflechtung statt von Ausbau. Zudem betone ich immer wieder: Wegen der Beschränkung der Flugbewegungen auf maximal 75'000 pro Jahr und wegen der strengen Lärmvorschriften haben wir gar keine Möglichkeit zu wachsen.

Letzte Frage: Sie haben jahrelang an den Entflechtungsplänen und an der neuen Anflugroute gearbeitet. Eine Kapazitätssteigerung ist aber sehr eingeschränkt. Lohnt sich dieser Aufwand ? Selbstverständlich. Wir erfüllen damit nicht nur nationale und internationale Auflagen, sondern stellen eine bessere Erreichbarkeit des Flughafens sicher. Zudem erreichen wir damit ein entflechtetes und sichereres Bodenverkehrsregime. Übrigens schafft die vierte Ausbauetappe bei den Unterhalts- und Zulieferbetrieben zusätzliche Arbeitsplätze.

Berner Zeitung

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