Nähe der Burger zu Nazis nicht belegt

Die neue Studie zur Burgergemeinde Bern wird nicht eindeutig klären, ob Burger in den 1930er-Jahren besonders anfällig waren für den Frontismus.

Im März erscheint eine neuen Monografie zur Geschichte der Bernburger. Darin wurde auch versucht zu klären, ob die Burger in den 1930er-Jahren für den nazifreundlichen Frontismus sympatisierten. (Im Bild eine Wandtafel im Burgerspital am Bahnhofsplatz)

Im März erscheint eine neuen Monografie zur Geschichte der Bernburger. Darin wurde auch versucht zu klären, ob die Burger in den 1930er-Jahren für den nazifreundlichen Frontismus sympatisierten. (Im Bild eine Wandtafel im Burgerspital am Bahnhofsplatz)

(Bild: Susanne Keller)

Christoph Hämmann

Wann immer die Burgergemeinde Bern im Rahmen ihrer aktuellen Veranstaltungsreihe einen Anlass durchführte: Eher früher als später fiel der Name von Katrin Rieder, der Historikern, die vor sechs Jahren ein kritisches Buch über die Burger publizierte.

Am Dienstag war es nicht anders. Auf der Bühne des Forums Käfigturm sassen neben Moderator Claude Longchamp vier Historiker und eine Historikerin, Autoren der neuen Monografie zur Geschichte der Bernburger oder Mitglieder des Beirats, der die Publikation begleitet. In Auftrag gegeben hatten die Burger die Arbeit angesichts des Aufruhrs, der Rieders Publikation ausgelöst hatte – wie bei der Begrüssung im zweiten Satz erwähnt wurde.

«Es bleibt das Nein»

Mit besonderem Interesse wird von der Publikation eine Antwort auf die Frage erwartet, ob die Burger in den 1930er-Jahren für den nazifreundlichen Frontismus besonders anfällig waren. Wegen der schlechten Quellenlage lässt sich dies laut Georg Kreis nicht mit Ja oder Nein beantworten. «Und weil man nicht Ja sagen kann, bleibt das Nein», so der langjährige Präsident der Kommission gegen Rassismus.

Tendenziell seien Burger zu dieser Zeit nicht anders politisiert worden als die Mitglieder anderer Gesellschaftsschichten, sagte Kreis. In den damaligen Debatten über neue Gesellschaftsmodelle habe sich die Burgergemeinde jedoch kaum geäussert.

«Ökonomische Brisanz»

Ein spannendes Kapitel der rund 700-seitigen neuen Burger-Studie dürfte jenes des Berner Historikers Martin Stuber werden. Es berge «viel ökonomische und städtebauliche Brisanz», wie die Burger vorgingen, um ihren Bodenbesitz in Geld umzuwandeln, so Stuber. Mit zwei Beispielen von Brückenbauten zeigte er auf, wie die Burger in politischen Aushandlungsprozessen ihre Muskeln spielen liessen.

Ursprünglich war die Publikation der Monografie für November angekündigt. Nun wurde bekannt, dass sich der Termin auf nächsten März verschiebt. Ein Kapitel sei verspätet fertig geworden, hiess es am Mittwoch bei der Burgergemeinde zur Erklärung. Statt die Publikation unter Zeitdruck abzuschliessen, habe man sich für ein sorgfältiges Vorgehen bis zum Schluss entschieden und den Termin verschoben.

Berner Zeitung

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