Bern

Theater muss Gräves Abgang vergolden

BernKonzert Theater Bern hat sich mit Stephanie Gräve geeinigt und den Vertrag mit der Schauspielchefin aufgelöst. Diese kriegt ihren Lohn bis Ende 2017 als Abfindung. Damit endet eine lange Schlammschlacht.

Hat gut lachen: KTB-Schauspielchefin Stephanie Gräve (hier bei ihrer Vorstellung im Herbst 2014) kriegt ihren Abgang vergoldet.

Hat gut lachen: KTB-Schauspielchefin Stephanie Gräve (hier bei ihrer Vorstellung im Herbst 2014) kriegt ihren Abgang vergoldet. Bild: Urs Baumann

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Nun ist auch dieses Theater zu Ende. Mitten in der Sommerpause teilte Konzert Theater Bern am Mittwoch mit, dass es sich mit der ehemaligen Schauspielleiterin Stephanie Gräve geeinigt habe. Ihr Vertrag wird per 15. Juli aufgelöst. Sie erhält gemäss Medienmitteilung eine Entschädigung, «die ihren Lohnansprüchen bis 2017 entspricht». Im Januar war die 46-jährige Duisburgerin nach nur einer halben Spielzeit frei­gestellt worden.

Weil die neue Schauspielleitung bereits ab Sommer 2017 auf der Lohnliste von Konzert Theater Bern stehen wird, kostet diese Lösung das Theater «einen mittleren fünfstelligen Betrag», wie Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel auf Anfrage sagte. Das steht im Widerspruch zur stets geäusserten Beteuerung, dass die Personalie die Rechnung nicht zusätzlich belaste, da Intendant Stephan Märki die Sparte interimistisch übernehme.

Image litt am meisten

Viel grösser als der finanzielle Schaden ist der Imageverlust, den sich Konzert Theater Bern durch den intransparenten Entscheid und die unvorteilhafte Kommunikation eingebrockt hat. Auch hinter den Kulissen ging nach dem unüblichen Rauswurf einiges in die Brüche. Ein Teil des Schauspielensembles solidarisierte sich mit seiner ehemaligen Chefin. Die Spielzeit konnte zwar ohne Zwischenfälle zu Ende gespielt werden, doch der Hausfrieden war dahin.

Weil Gräve freigestellt und nicht entlassen wurde, war sie weiterhin angestellt und erhielt ihren Lohn ausbezahlt. Die nun präsentierte Lösung ist ein Resultat von monatelangem hartem Ringen zwischen den An­wälten beider Parteien.

Konzert Theater Bern schwebte eine Abfindung bis Sommer 2017 vor, weil es eine doppelte Lohnzahlung vermeiden wollte. Dass das Vierspartenhaus jetzt eingewilligt hat, Gräve bis Ende 2017 zu entschädigen, dürfte vor allem daran liegen, dass es unter die unrühmliche Geschichte unbedingt einen Strich ziehen wollte, bevor es im August die neue Sparten­leitung Theater bekannt gibt.

Groteske Situation

Die Einigung, die eine Stillhaltepflicht beinhaltet, dürfte nun auch die mediale Schlammschlacht zwischen Intendant Stephan Märki und Stephanie Gräve beenden, die zwischenzeitig groteske Züge angenommen hatte. Trotz Schweigepflicht sprachen beide Seiten mit den Medien und warfen sich unlautere Motive vor.

Gräve bezeichnete die Freistellung als nicht gerechtfertigt und dachte nicht daran, den Rauswurf hinzunehmen. Demonstrativ tauchte sie bei jeder Schauspielpremiere auf und scharte ein Grüppchen Wohlgesinnter um sich. Sie setzte sich der unbehaglichen Situation aus, obwohl ihr die Sache sichtlich zu schaffen machte. Stephan Märki erwog gar ein Hausverbot gegen Gräve, war dann aber gut beraten, dies zu unterlassen und nicht noch mehr Öl ins Feuer zu giessen.

Gräve war am Mittwoch «erleichtert, weil es jetzt erst einmal vorbei ist». Die Kränkung durch den Rauswurf ist damit wohl nicht aus der Welt geschafft. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2016, 17:55 Uhr

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