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Abfalltrennung nach Farbe

Seit zwei Wochen läuft das neue Abfalltrennsystem mit den bunten Säcken. Rund 2500 Berner Haushalte nehmen am Projekt teil und sortieren ihren Müll auf eine neue Art. Die ersten Erfahrungen sind positiv.

Die bunten Abfallsäcke müssen bislang noch von Hand sortiert werden.
Die bunten Abfallsäcke müssen bislang noch von Hand sortiert werden.
Raphael Moser

Riesige Abfallberge türmen sich in der Halle der Recyclingfirma Alpabern. Bagger transportieren weiteren Müll herbei und bringen die Hügel zum Wachsen. Auf ihnen sind verschiedenfarbige Säcke zu erkennen. Sie gehören zum neuen Farbsacktrennsystem.

Das Pilotprojekt läuft seit zwei Wochen mit 2500 teil­nehmenden Haushalten. Diese ­haben so die Möglichkeit, Wertstoffe wie Papier und Altglas in verschiedenfarbigen Recyclingsäcken zu trennen.

Die bunten Säcke werden alle im gleichen Container entsorgt und von den bernischen Kehrichtfahrzeugen abgeholt. Anschliessend gelangen die Wertstoffe in eine Sortieranlage.

Weniger umständlich

Von den 2500 ausgewählten Testhaushalten haben bereits rund 500 ihren Kehricht mit Farb­säcken entsorgt. «Das hat uns positiv überrascht, da eine Umstellung auf ein neues Trenn­system Zeit braucht», sagt Walter Matter, Leiter von Entsorgung und Recycling Stadt Bern.

Gemeinderäten Ursula Wyss (SP) preist die Vorteile des Trenn­systems: «Es ist kundenfreundlich, da die bunten Säcke rund um die Uhr in einem Container vor dem Haus entsorgt werden können.»

Guter Start für das Pilotprojekt: Gemeinderätin Ursula Wyss und Walter Matter, Leiter von Entsorgung und Recycling Stadt Bern, ziehen eine positive Zwischenbilanz. Foto: Raphael Moser
Guter Start für das Pilotprojekt: Gemeinderätin Ursula Wyss und Walter Matter, Leiter von Entsorgung und Recycling Stadt Bern, ziehen eine positive Zwischenbilanz. Foto: Raphael Moser

Denn während der Alltagsmüll in den Abfalleimer wandert, sammeln sich Glas, Dosen und Zeitungen meist im Keller oder in einer Küchenecke. Später müssen sie zu einer Sammelstelle gefahren und die Behälter dort geleert werden. Das ist umständlich und führt zu vielen Autofahrten.

Bunte Kriterien

In den teilnehmenden Haus­halten hat sich durch das System wenig geändert: Der Kehrichtsack bleibt wie gewohnt blau und landet vor der Haustüre. Der Müll kann nach wie vor nach den bekannten Kriterien getrennt werden. Nur das Aluminium wird nun nicht mehr in einem beliebigen Behälter, sondern in einem ­grauen Plastiksack gesammelt, Kunststoff in einem gelben, Grüngut in einem grünen und Altglas in einem violetten.

Für Papier und Karton gibt es eine braune Papiertüte. Diese wiederverwertbaren Beutel landen in separaten Müllcontainern, die nur für das neue Trennsystem bereitstehen. Sie werden einmal pro Woche von der Müllabfuhr entleert – die Fahrt zur Ent­sorgungsstelle fällt also weg.

Berner trennen vorbildlich

Was für den Verbraucher eine enorme Erleichterung bedeutet, erschwert die Arbeit der Ent­sorger. Denn bei der Recycling­firma Alpabern müssen die Mitarbeiter die farbigen Säcke von Hand sortieren. «Es ist ein Testversuch, bei dem noch nicht alles reibungslos läuft», sagt Walter Matter.

Die farbigen Müllsäcke seien schweizweit ein einzig­artiges System. Als Vorbild für das Trennsystem dienen ähnliche Projekte aus Skandinavien und Frankreich. Während dort bereits alle Arbeitsschritte automatisch geschehen, muss das Sortieren in Bern vorerst von Hand erledigt werden.

Dabei müssen die Mitarbeiter darauf achten, dass sich keine fremden Produkte im Abfall befinden. Das sei aber in der Stadt Bern kein grosses Problem: «Die bisherigen Sammlungen haben gezeigt, dass die teilnehmenden Haushalte den Abfall korrekt nach Farbsystem trennen», meint Walter Matter.

Viel loses Papier

Bei der Glassammlung hat der violette Sack die Feuerprobe bestanden: Trotz der Scherben reisst er nicht. Die im Vorfeld ­befürchtete Verunreinigung durch Glasscherben in den Containern ist bis jetzt nicht eingetreten.

Aber lose Papierseiten liegen zwischen den bunten Abfall­säcken. «Die Papiersäcke lassen sich nicht gut verschliessen», ­erklärt Walter Matter. Es sei mangelhaft beschrieben worden, wie die Projektteilnehmer den Sack korrekt zukleben ­müssten. «Zudem sind die Pa­piersäcke zu klein», meint Walter Matter weiter. Da verschmutztes Papier nicht mehr rezykliert ­werden kann, muss es verbrannt werden.

Damit sich das Projekt in Zukunft in der ganzen Stadt durchsetzen kann, müssen mehrere Faktoren mitspielen. «Die Umstellung von Säcken zu Containern wird ein langwieriger Prozess», sagt Ursula Wyss. Zudem müsste das Sortieren des Abfalls automatisch ablaufen. Auch Walter Matter stimmt ihr zu: «Die Stadt Bern ist nicht Schweizer Meisterin im Mülltrennen.»

Die Stadtbehörden sind überzeugt, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden. «Die hohe Besucherzahl an den Informationsveranstaltungen zum Projekt zeigt das Interesse der Stadtberner», sagt Walter Matter. Je mehr Haushalte mitmachten, umso mehr Erfahrungen könne die Firma Alpabern sammeln.

Müllberge reduzieren

Mit der Zeit schrumpfen die Abfallberge, und die bunten Säcke landen auf dem Fliessband. Der Inhalt der Säcke landet in tiefen Löchern. Danach kommt schon der nächste Kehrichttransporter, der die Abfalltürme wieder zum Wachsen bringt. «Das grosse Ziel ist es natürlich, die Müllberge längerfristig zu reduzieren», sagt Ursula Wyss.

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