Nach dem Grounding investiert Skywork Millionen

Die Berner Airline Skywork hat sich vom Schock des Groundings erholt: Die Gesellschaft will wachsen und nimmt für das Leasing eines Düsenjets und den Ausbau des Streckennetzes Geld in die Hand.

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Eigentlich möchte bei Skywork niemand mehr vom kurzzeitigen Grounding vor gut drei Monaten sprechen. Das sei ein «Zwischenstopp» gewesen, von der Aufsichtsbehörde verordnet, weil kurzfristig der Finanzierungsnachweis nicht genügt habe. ­Dabei stimme die Tendenz im Geschäftsgang.

Und tatsächlich ist Skywork im vergangenen Jahr bei der Nachfrage ein gutes Stück vorangekommen: Die Zahl der Passagiere kletterte 2017 um 28 Prozent auf über 156'000.

Bis in einigen Jahren möchte Skywork-Chef Martin Inäbnit in Bern-Belp wieder 200'000 Passagiere befördern und in eine ähn­liche Liga vorstossen wie im Boomjahr 2012 unter seinem Vorgänger Tomislav Lang. Dies allerdings eben bei positiven Zahlen auch unter dem Strich.

Zu den Geschäftsergebnissen macht Skywork weiterhin keine Angaben. Der dreitägige Flugunterbruch kostete einen Haufen Geld, weil Skywork die Passagiere umbuchen oder Tickets zurückerstatten musste.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hatte die Zulassung Ende Oktober kurz­zeitig entzogen, weil es nicht überzeugt war, dass Skywork für den Flugbetrieb in den nächsten zwölf Monaten noch genügend Geld hatte.

«Im vergangenen Jahr konnten wir die Zahl der Passagiere um 28 Prozent auf über 156'000 steigern.»Skywork-Chef Martin Inäbnit

Die Turbulenzen haben Skywork ­ jedoch auch viel Publizität beschert, und im November und Dezember verbuchte die Fluglinie trotzdem ein «zufriedenstellendes Passagieraufkommen», wie es ohne Angabe von Zahlen heisst. Zur Nachfrage trugen auch spezielle Rabattaktionen bei.

Und die Kunden schöpften offenbar Vertrauen, nachdem Skywork bei einem unbekannten Geldgeber einen neuen Kredit hatte auftreiben können und wieder eine unbeschränkte Betriebsbewilligung erhalten hatte.

Harter Verdrängungskampf

Doch die Bewährungsprobe in der extrem kompetitiven Flugbranche stellt sich laufend. ­Gescheitert sind unlängst Air Berlin und die Tessiner Darwin Airline. In beiden Fällen brachte sich Skywork als Ersatz auf einzelnen Strecken in Stellung. So interessieren sich die Berner für die frühere Darwin-Strecke ­Lugano–Genf.

Diese allein zu betreiben, ­wäre aber nicht lukrativ. Dem Vernehmen nach resultierte pro Jahr ein Verlust von etwa 0,6 Millionen Franken. Entweder ­deckt der Flughafen Lugano, welcher mehrheitlich der Stadt Lugano gehört, die öffentliche Hand oder die Tessiner Wirtschaft das Defizit.

Oder Skywork müsste das Minus mit anderen Strecken ab Lugano ausgleichen können, zum Beispiel nach Rom oder Zürich. Die Gespräche laufen weiterhin, bestätigt Skywork-Chef Martin Inäbnit.

Easyjet lauert

Im Fall von Air Berlin schnappte sich Skywork die frei gewordene Verbindung von Berlin nach Graz. Ab Beginn des Sommerflugplanes will die Airline in einem sogenannten W-Flug von Bern via Berlin-Tegel in die steirische Hauptstadt und zurück fliegen. Dies täglich ausser samstags.

Doch noch vor dem Start wird am Horizont Konkurrenz sichtbar: Easyjet nimmt im August diese Route ebenfalls ins Programm. Dies aber nur dreimal pro Woche, darunter am Samstag, was Skywork neben der grossen Billigfluggesellschaft etwas Platz lässt.

Skywork expandiert zwar. Im kommenden Sommerflugplan sind 21 Destinationen aufgeführt. Neu kommt die kroatische Ferieninsel Bra? hinzu, und über eine weitere neue Destination soll in Kürze informiert werden. Kaum ist aber eine attraktive Nische gefunden, drängen oft Konkurrenten ins Geschäft.

So auch auf einer anderen sogenannten W-Flug-Route, nämlich von Bern nach Wien–Basel–Wien und zurück nach Bern. Während bislang nur die Austrian Airlines die Strecke Basel–Wien bediente, und dies zu anderen Tageszeiten als Skywork, wird nun auch hier ­Easyjet aktiv.

An anderen Orten ist der Himmel schon voll. So möchte Skywork zwar häufiger nach Amsterdam zum Hub des Codeshare-Partners KLM fliegen. Doch die Start- und Landerechte sind dort streng limitiert und momentan alle vergeben.

In Bern dagegen bleibt Skywork die einzige, ganzjährig tätige Linienfluggesellschaft. Embraer-Jets sind hier trotzdem keine Neuheit. Die Fluggesellschaft Helvetic hatte in den letzten Jahren im Sommer jeweils sogar eine Embraer 190 hier stationiert, die mit 112 Sitzplätzen noch etwas grösser ist als die Embraer 170.

Kritik am Flughafenausbau

Skywork versucht nun den nächsten Wachstumsschritt, auch wenn die Verantwortlichen von Helvetic skeptisch sind. Die laufende vierte Ausbauetappe des Flughafens Bern mit einem neuen Zentrum für Geschäftsfliegerei und Hangars für Kleinfliegerei bringt Skywork hingegen nichts; «es sei denn, es wird sehr schnell ein Hangar gebaut, den Skywork für Wartungsarbeiten nutzen kann», wie Inäbnit sagt.

Das «Bringt uns nichts» gelte auch für das geplante, neue satellitengestützte Verfahren für den Anflug aus Süden. Denn das Sichtproblem bei Nebel bleibt. Die Piloten müssen ab einer gewissen Anflughöhe die Piste erkennen, um landen zu dürfen.

Die geforderte Senkung dieser Entscheidungshöhe hat die Aufsichtsbehörde abgelehnt. Helfen könnte aber womöglich eine bessere Pistenbeleuchtung. Wegen des häufigen Nebels in Belp hat Skywork schon viele Flüge um­leiten müssen.

Auf Abendflüge verzichtet die Airline im Winter weiterhin. Dies zur Freude von Anwohnern, die sich über verspätete Maschinen am späten Abend beschwerten.

Skywork-Chef Inäbnit kritisiert nicht nur den Flughafen, sondern auch die Politik. So plant der Kanton Bern einen Beitrag von 2 Millionen Franken an den Flughafenausbau.

Bei Skywork werde zwar immer wieder die Wichtigkeit der Flugverbindungen betont, dann aber ausschliesslich der Flughafen finanziell unterstützt. Im Bahnverkehr dagegen denke niemand aus der Politik daran, einzig die Infrastruktur, also das Schienennetz, zu unterstützen.

Auch wenn ihm klar ist, dass der Kanton keine direkten finanziellen Beiträge für eine Fluggesellschaft sprechen kann: Inäbnit deutet an, dass angesichts der Investitionen in den Flughafen über andere Möglichkeiten staatlicher Unterstützung gesprochen werden müsse, so wie es anderswo üblich sei.

Denn kein Flugplatz allein könne direkt Verkehr produzieren, sondern «die Fluggesellschaften erzeugen das Angebot und transportieren die Passagiere». (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 07:05 Uhr

Flottenausbau

Skywork least erstmals einen Düsenjet, eine zweistrahlige Maschine des Typs Embraer 170. Der 76-plätzige Jet gesellt sich zu den vier Saab-2000-Turboprop-Flugzeugen, die je 50 Passagiere transportieren können.

Zur Debatte gestanden hatten bei der Flottenvergrösserung neben dem Jet des brasilianischen Herstellers Embraer auch Düsenmaschinen anderer Anbieter wie Mitsubishi, und speziell liebäugelte Skywork mit dem neuen Superjet 100 des russischen Herstellers Suchoi.

Doch der Superjet 100 ist vorläufig kein Thema mehr, wie Skywork-Sprecher Max Ungricht sagt. Ein Grund sei unter anderen, dass diese Maschine für eine Landung in London City nicht zugelassen sei, die Embraer 170 hingegen schon. Und das Angebot an Embraer 170 auf dem Markt sei relativ gross. Womöglich wird Skywork später noch eine zweite solche Maschine leasen.

Die Wahl dieses Jets hatte sich schon im letzten Jahr abgezeichnet, als Skywork auf Branchenportalen nach Piloten und Wartungspersonal suchte, die für Embraer-Jets geschult sind. Wie dann Skywork-Chef Martin Inäbnit gegenüber Radio Bern 1 sagte, soll der grösste Teil der Sommerdestinationen dieses Jahr mit der Embraer 170 an­geflogen werden. In diesem Geschäft ist die Nachfrage besonders stark.

Die Zeit für die kleinen Dornier-328-Maschinen mit 32 Sitzplätzen ist bei Skywork definitiv vorbei. Zum Ende des Winterflugplans wird die Berner Airline die letzte von ursprünglich fünf Dornier ausflotten. Grössere Flugzeuge gehören zu der Wachstumsstrategie «SX-Go» von Inäbnit.

Bei seinem Antritt 2013 hatte der Skywork-Chef das Streckennetz wegen tiefroter Zahlen zusammengestrichen. Seither baut er es langsam wieder aus. Aber nicht möglichst viele Strecken, sondern möglichst gut gefüllte, grössere Flugzeuge und neue Streckenmodelle wie sogenannte W-Flüge mit Zwischenlandungen an grösseren Flughäfen haben Priorität.

Helvetic

Die zweite Airline am Flughafen Bern, die ausschliesslich im Sommerferiengeschäft tätige Helvetic, hat 2017 leicht an Nachfrage eingebüsst. Die Zahl der Fluggäste in Bern betrug 35'000. Das sind 7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Finanzchef Tobias Pogorevc begründet dies damit, dass Helvetic eine kürzere Saison in der Bundesstadt gehabt habe. Mit Ausnahme einiger Flüge sei Helvetic zufrieden mit der Saison. Die Sitzauslastung habe erneut gesteigert werden können auf im Schnitt über 80 Prozent.

Dieses Jahr baut Helvetic das Angebot aus. In Zusammenarbeit mit Belpmoos Reisen bedient die Fluggesellschaft neu die Destination Jerez de la Frontera (Spanien), nimmt Calvi auf Korsika wieder auf und verdichtet das Angebot nach Palma de Mallorca (sechs wöchentliche Flüge).

Allerdings stationiert Helvetic nun ein kleineres Flugzeug in Bern und wechselt von einer Embraer 190 mit 112 Sitzplätzen zurück auf eine Fokker 100 mit 100 Sitzen. So soll die Auslastung noch weiter gesteigert werden.

Ein effizienter Einsatz der Flugzeuge sei in Bern umso entscheidender, als die Treibstoffkosten um über 25 Prozent höher als an anderen Flughäfen seien, sagt Pogorevc. Kein Thema ist der Ganzjahresbetrieb im Liniengeschäft. Dafür habe Helvetic die falsche Flotte.

Für kurze Strecken bei kleiner Passagierzahl seien kleinere Turboprop-Flugzeuge besser geeignet. «Unseres Erachtens kann ein Jet auf diesen kurzen Strecken nicht rentabel betrieben werden», sagt Pogorevc.

Der Besitzer von Helvetic, der Financier Martin Ebner, zweifelt stark am Potenzial fürs ganzjährige Liniengeschäft in Bern-Belp. Dem «Höfner Volksblatt» aus Wollerau SZ sagte ­Ebner kurz nach dem vorübergehenden Grounding von Skywork, die Berner hätten sich beim zu erwartenden Flugverkehr offenbar verrechnet. Dabei sei die ­Region Bern in den vergangenen Jahren verkehrsmässig immer besser erschlossen worden, vor allem durch den öffentlichen Verkehr.

«Heute erreicht man den Flughafen Zürich vom Hauptbahnhof Bern aus in gut einer Stunde. Der Transfer nach Belp dauert aber auch schon eine halbe Stunde», sagte Ebner. Das Geschäft mit Sommerferiendestinationen, wie es Helvetic ab Bern-Belp von Mai bis Oktober betreibt, funktioniere aber.

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