Nach Baupfusch: «Qualität hängt von den Investoren ab»

Köniz

Die Gemeinde Köniz wehrt sich gegen den Vorwurf, bei der Siedlung Papillon in Niederwangen der Baufirma Marti zu wenig auf die Finger geschaut zu haben.

Die Qualität der ersten Häuser der Papillon-Siedlung gibt zu reden.

Die Qualität der ersten Häuser der Papillon-Siedlung gibt zu reden.

(Bild: Iris Andermatt)

Benjamin Bitoun

Die Überbauung Papillon ist eines der grössten Siedlungsprojekte der Region Bern: Auf insgesamt acht Baufeldern und einem Gelände in der Grösse von 45 Fussballfeldern entsteht in Niederwangen ein modernes Vorzeigequartier. Gebaut wird etappenweise bis voraussichtlich 2028. 114 der geplanten 1000 Wohnungen sind bereits erstellt. Kostenpunkt: eine halbe Milliarde Franken.

Umso mehr erstaunte es, als ein Mieter diese Zeitung auf teilweise grobe Baumängel in dem frisch bezogenen Neubau aufmerksam machte. In der Folge räumten auch die Projektverantwortlichen der Gemeinde Köniz ein, dass sie mit der Arbeit der Berner Baufirma Marti bei den ersten Häusern nicht zufrieden seien.

Anlass für Reklamationen boten etwa die bereits verrosteten Sichtbetonwände im Eingangsbereich und in den Treppenhäusern. «Es musste schnell gehen. Das sieht man den Häusern an», so die Schlussfolgerung von Daniel Conca, dem Leiter Grossprojekte bei der Gemeinde Köniz.

Gemeinde machtlos

Gegenüber dieser Zeitung wollte die Marti AG zu den Baumängeln und zu allfälligen weiteren Mieterreklamationen keine Stellung nehmen. Daher die Frage an die Adresse der Gemeinde Köniz: Haben deren Verantwortliche es versäumt, die Arbeit des Berner Grosskonzerns kritisch zu verfolgen und auf die Einhaltung von Qualitätsstandards beim Prestigeprojekt zu pochen?

Die Gemeinde habe via Projektwettbewerb und die Auswahlkriterien die planerische Qualität der Überbauung sichergestellt, sagt der Könizer Gemeinderat und Planungsdirektor Christian Burren (SVP). «Doch auf die Qualität der Ausführung können wir kaum Einfluss nehmen.»

Sache der Gemeinde sei es zu kontrollieren, ob die Vorgaben des Baugesuchs und der Sicherheit eingehalten werden. Am Beispiel der rostigen Wände erklärt, bedeutet das: Die Gemeinde prüft nur, ob dort Beton verbaut wurde, wo es im Gesuch stand. «Welche Qualität Beton verwendet und wie dieser verarbeitet wurde, darauf können wir aber keinen Einfluss nehmen», erklärt Burren.

Investoren bestimmen

Fazit: Betreffend Standards kann die Gemeinde nur hoffen, dass sauber gearbeitet wird. Fordern können andere, sagt Christian Burren: «Es sind die Eigentümer und die Investoren, die über die Qualität bestimmen. Sie sind es, die dem Bauunternehmer mitteilen, ob sie mit der Ausführung zufrieden sind oder ob nachgebessert werden muss.» So gehe er davon aus, dass etwa die Pensionskasse der Migros, die eines der acht Baufelder gekauft habe, sicherlich bezüglich Qualität genau hinschauen werde.

Gleich bei mehreren Baufeldern besteht die Bauträgerschaft aus der U.C. Buchschacher AG und dem Berner Baukonzern Marti selbst. Im Fall der beanstandeten Häuser auf Baufeld E hat Marti sogar für die eigene Pensionskasse gebaut. Bei dieser Konstellation erscheint es nur logisch, dass die PK-Verantwortlichen gegen die Arbeit der eigenen Firma nicht protestiert haben.

Planungsdirektor Christian Burren betont denn auch, dass die Kritik der mangelnden Qualität bei der Ausführung einzig die Häuser auf diesem Baufeld betreffe. «Es ist nicht so, dass bei der Überbauung generell schlecht gearbeitet wird. Wir haben hier keinen Fall von grossflächigem Baupfusch wie etwa bei der Überbauung Schönberg Ost in Bern», sagt Burren.

Was den zeitlichen Fahrplan angehe, sei die Überbauung auf Kurs, sagt Burren. Zurzeit werde Baufeld A überbaut. Damit wächst die Siedlung um weitere 114 Mietwohnungen an.

Berner Zeitung

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