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Nach Amokdrohung: Polizei hat noch keine heisse Spur

Eine Antiterror-Einheit hat am Donnerstagmorgen die alte Gewerbeschule im Lorraine-Quartier abgeriegelt und evakuiert. Auslöser der Aktion waren zwei telefonische Drohungen «gegen Leib und Leben». Trotz intensiver Ermittlungen und Personenkontrollen hat die Polizei noch keine Hinweise zur Täterschaft.

Am Mittag führte die Polizei zwei Männer ab. Diese hätten aber nichts mit der Amokdrohung zu tun, liess die Polizei anlässlich einer Pressekonferenz um 15:45 Uhr verlauten. Eine andere verdächtige Person wurde kurzzeitig festgenommen, befindet sich aber mittlerweile wieder auf freiem Fuss. Es bestünden keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Drohung. Ob es sich bei der Person um einen Schüler handelt, gibt Regierungsstatthalterin Regula Mader aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt.

Weil die Droh-Anrufe aus einer öffentlichen Telefonzelle kamen, sucht die Polizei jetzt Zeugen. Folgende Fragen wurden durch Mader gestellt:

Wer hat kurz nach 9.20 Uhr eine oder mehrere Personen beim Telefonieren beim Publifon an der Viktoriastrasse gesehen?

Wer hat kurz nach 10.00 Uhr eine oder mehrere Personen beim Telefonieren beim Publifon an der Lorrainestrasse gesehen?

Hinweise an 031 634'41'11.

Amokdrohung am Morgen

Zwischen 9.20 und 10.00 Uhr gingen bei der Einsatzzentrale der Kapo Bern telefonisch zwei Hinweise mit Drohungen ein. Aus diesen Meldungen ging hervor, dass die Polizei ein «Delikt gegen Leib und Leben» verhindern könne. Daraufhin wurde das Gelände abgesichert, überprüft und kontrolliert sowie die Räumlichkeiten durchsucht.

Von den Massnahmen waren 1200 Schüler und mehrere Dutzend Lehrer betroffen.

Die Schüler erhielten bei der Evakuierung widersprüchliche Anweisungen. Erst seien sie von den Polizisten aufgefordert worden, im Gebäude zu bleiben, sofern man nicht ausserhalb sei. Letztere mussten draussen bleiben. 15 Minuten später forderten die Polizisten alle Personen auf, die Schule zu verlassen und sich von den Gebäuden zu entfernen, teilen Schüler gegenüber bernerzeitung.ch mit.

Uneinigkeit über Unterricht

Die Klasse der Zahntechniker wurde gegen 11.00 Uhr vom Lehrer nach draussen geschickt. «Ich finde es merkwürdig, dass wir raus mussten, die Klasse im Zimmer neben unserem ist aber immer noch drin», sagt der 17-jährige Janik. Seine Klassenkameradin Milena glaubt nicht an eine ernst gemeinte Drohung: «Vor zwei Jahren hatten wir das gleiche schon mal, da war es eine Verarschung, jetzt ist es bestimmt auch eine.» Andere Schüler scherzten, dass wohl wieder mal jemand Prüfungsangst habe.

Am Nachmittag wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Offenbar herrschte diesbezüglich Verwirrung bei den Lehrlingen. Etliche blieben dem Unterricht fern, weil sie angeblich entsprechende Informationen erhalten haben. Die Polizei zog um 14:30 Uhr den Grossteil der Sicherheitskräfte ab.

Immer wieder Drohungen

In letzter Zeit ist es verschiedentlich zu Drohungen an Schulen und Polizeiaktionen gekommen. Erst vor wenigen Tagen ging in einer Privatschule im aargauischen Oberwil-Lieli eine anonyme Drohung ein, die einen Polizeieinsatz auslöste. Der Verfasser, ein ehemaliger Schüler, konnte ermittelt werden.

Im Oktober waren an einer Schule in Steffisburg Drohungen gegen die Lehrerschaft an die Wände geschmiert worden. Darauf wurde die Polizei eingeschaltet. Nach wenigen Tagen konnte Entwarnung gegeben werden.

Im April musste die Polizei in einem Gymnasium in Lausanne einen Schüler entwaffnen. Der 20-jährige hatte eine Pistole mit zwei Magazinen sowie einen Rucksack mit Munition dabei. Verletzt wurde niemand.

Im Januar wurden in einem Oberstufenschulhaus in Rotkreuz ZG Drohungen an Fassade und Eingangstüre geschmiert. Im Dezember 2007 wurde die Thuner Berufsschule vorübergehend geschlossen, weil eine Anschrift «AMOKLAUF AM 20.12.07» gefunden wurde.

Auch die Gewerblich-industrielle Berufsschule in Bern war schon einmal von einem ähnlichen Vorfall betroffen. Ende März 2007 wurden 200 Schüler nach einer Bombendrohung evakuiert. Ein Sprengsatz wurde nicht gefunden. Bis heute sind die Urheber nicht gefasst.

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