«Muss zuerst jemand im Rollstuhl landen?»

Bern

Der 13-jährige Sven* wurde in der Aare Opfer eines Brückenspringers. Er schwamm mit seinen Eltern unter dem Schönausteg durch, als er von einem Mann verletzt wurde. Seine Eltern fordern die Stadt Bern zum Handeln auf.

<b>Beim Schönausteg</b> wurde Sven (13) von einem Brückenspringer getroffen. Seine Eltern waren dabei.

Beim Schönausteg wurde Sven (13) von einem Brückenspringer getroffen. Seine Eltern waren dabei.

(Bild: Beat Mathys)

Ralph Heiniger

Der letzte Sonntag war ein heisser, wunderschöner Sommertag. Für den 13-jährigen Sven* sollte es ein besonders schöner Tag werden: Zum ersten Mal durfte er gemeinsam mit seinen Eltern und seiner grösseren Schwester in der Aare schwimmen. Svens Mutter Pris.* erklärt: «Wir haben bewusst gewartet, bis er gut genug schwimmen kann, bevor wir in die Aare steigen.» Beide Eltern und auch Svens Schwester verfügen zudem über das Rettungsschwimmerbrevet.

Die Familie schwamm dicht beisammen, als sie den Schönausteg passierte. Sven erinnert sich: «Wir haben gesehen, dass ganz viele Leute auf dem Steg standen. Als ich unter dem Steg durchkam, blickte ich nach oben. Ich sah Füsse, die auf mich zukamen, und blickte zu meiner Mutter.»

Sven wird von einem Brückenspringer am Hinterkopf und im Nacken getroffen und sackt unter Wasser.

Verletzt bis ins Marzili

«Ich wollte weinen, aber ich konnte nicht, weil ich unter Wasser war», sagt er. Seine Mutter packte ihn und zog ihren Sohn mit aller Kraft nach oben. Gemeinsam brachte die Familie den benommenen Jungen in der Aare bis zum Marzili. «Wir konnten vorher nicht aus der Aare steigen. Wir haben es probiert, aber die Strömung war zu stark», sagt der Vater. Vom Marzili wurde Sven mit der Ambulanz in den Kindernotfall des Inselspitals gebracht. Die Diagnose: Verletzungen im oberen Bereich der Wirbelsäule, eine leichte Gehirnerschütterung, Taubheitsgefühle und ein Kribbeln im rechten Arm. Die Wirbel im Nacken wurden verdreht.

Gestern Nachmittag ging es Sven wieder besser. Er hat noch immer starke Schmerzen im Nacken und muss eine Halskrause tragen. Das Kribbeln im Arm ist im Verlauf der Woche zurückgegangen. Ob sich Sven vollständig erholen wird, ist noch offen.

«Die Stadt muss handeln»

Svens Eltern fordern die Stadt Bern zum Handeln auf. Sie wollen das Brückenspringen nicht verbieten, aber einschränken. «Ich wünsche mir, dass niemand erleben muss, was unsere Familie und der Mann, der von der Brücke gesprungen ist, erleben mussten», sagt Pris. Wenn man beim Schönausteg in Richtung Marzili in die Aare springe, gebe es einen toten Winkel.

Eine mögliche Lösung, einen solchen Unfall in Zukunft zu verhindern, ist aus Sicht der Eltern, das Springen vom Steg nur noch gegen die Fliessrichtung zu erlauben. Auf der anderen Seite könnte man Gitter installieren. «So wie bei anderen Brücken in der Stadt», sagt der Vater. «Wir werden jetzt mit den Behörden Kontakt aufnehmen.» Pris. fragt: «Oder muss zuerst jemand im Rollstuhl landen?»

In diesem Fall haftet der Brückenspringer für den Schaden. Es handelt es sich um ein Antragsdelikt, ob der Brückensprung strafrechtliche Konsequenzen haben wird, ist noch offen.

*Namen der Redaktion bekannt

Was ist Ihre Meinung? Sollte es Regelungen für Brückensprünge in die Aare geben? Diskutieren Sie mit. (Siehe Umfrage oben links.)

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...