Murten

Murten hat wieder einen Elefanten

MurtenVor 150 Jahren ­wurde ein wild gewordener Zirkuselefant erschossen. Seit Samstag erinnert eine Skulptur beim Museum an seine Geschichte.

Der wild gewordene Elefantenbulle ist erlegt. Dazu wurde  eine Kanone extra aus Freiburg geholt.

Der wild gewordene Elefantenbulle ist erlegt. Dazu wurde eine Kanone extra aus Freiburg geholt. Bild: zvg/Naturhistorisches Museum Bern

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Ein Schrecken geht durchs Murtner Städtchen, als sich am 28. Juni 1866 frühmorgens die Nachricht verbreitet: Der Zirkuselefant, den man am Vorabend noch begeistert beklatscht hatte, ist wild geworden, hat seinen Führer getötet und ist ausgebüxt. Die ­wenigen Murtner, die unterwegs sind, flüchten schleunigst vor dem wütenden Tier – im Nu ist die Strasse wie leergefegt. Der asiatische Elefant rüttelt an Fensterläden, zertrümmert eine Bank und anderes, was ihm vor die Füsse kommt. Als das Tier müde wird, geht es zurück in seinen Stall, wo man das Tor schleunigst verriegelt.

Ebenso energisch wie der Elefant reagieren daraufhin die Behörden: Der Stadtrat und der Zirkusdirektor beschliessen, das Tier auf der Stelle zu erlegen. Eine ­Kanone aus Freiburg wird her­geschafft, die Strasse verbarrikadiert, Scharfschützen aufgestellt. Schon kurz nach Mittag trifft eine faustgrosse Kugel den grauen Riesen ins Schulterblatt und tötet das Tier. Sein Fleisch wird zu 20 Rappen das Pfund an die Bevölkerung verkauft. Die Geschichte des Murtner Elefanten, die sich vor 150 Jahren abspielte, ist inzwischen berühmt geworden und fasziniert die Menschen weit über Murten hinaus.

Begehbare Skulptur

Seit Samstag gibt es in Murten wieder einen Elefanten zu bestaunen: einen aus Holz und Stahl. Nach einem kurzen Umzug durchs Stedtli hat man die lebensgrosse, mit Hunderten Eichenplatten ausgekleidete Elefantenfigur vor dem Museum montiert. Ihre von der Motorsäge erzeugte Oberflächenstruktur ­erinnert an faltige Elefantenhaut. Über eine Treppe kann man während der Öffnungszeiten des Museums in den dunklen Bauch der Skulptur treten und weitere Geheimnisse des «Trojanischen Elefanten» entdecken, wie zum Beispiel eine goldene Kugel. Sie ist exakt so gross wie die Kugel, mit der man einst den Murtner Elefanten erlegte.

Schöpfer der Skulptur ist der in Ins wohnhafte Künstler Beat Breitenstein. Seit Jahren arbeitet der Plastiker intensiv mit Eichenholz, das er direkt vom Stamm weg bearbeitet. «Eiche und Elefant haben viele Gemeinsamkeiten», sagt der 61-Jährige. «Beide sind stark, schwer und dauerhaft, da sehe ich eine Verbindung.» Zudem werde sich das jetzt noch helle Holz zunehmend verdunkeln und sich der Farbe der Elefantenhaut annähern. Normalerweise schafft der europaweit aktive Plastiker abstrakte Skulpturen, Installationen und Wandbilder. Für den «Trojanischen Elefanten» setzte er sich intensiv mit den grauen Riesen auseinander.

Beat Breitenstein beobachtet, wie sein Elefant mit einem Kran beim Museum Murten platziert wird. Bild: Susanne Keller

Testosteron-Schub

Die Skulptur ist ein Jubiläumsgeschenk des Vereins Elefanticus ans Museum Murten. Dessen Kurator Ivan Mariano unterstreicht, dass sie auch ein Geschenk an den Murtner Elefanten selbst ist: «Es ist schön, dass beim Jubiläum der Elefant selbst im Zentrum steht, und nicht etwa die Kanone.» Das Thema ist ausserdem sehr aktuell: Letztes Jahr entschied der Zirkus Knie, keine Elefanten mehr ins Programm aufzunehmen, und setzte ein Zeichen gegen die quälerische Situation der Tiere.

Heute würde man mit einem wütenden Elefanten anders umgehen als vor 150 Jahren. Was man damals nicht wissen konnte, ist der Grund für seinen Wutanfall: Der junge Bulle kam zum ­ersten Mal in die Musth, ein heftiger Testosteronschub, der bei asiatischen Elefanten bis heute zu Todesfällen führt.

Das Originalskelett des Murtner Elefanten ist im Naturhis­torischen Museum in Bern aus­gestellt, wo das «Elefantenjubiläum» dieses Jahr ebenfalls mit mehreren Anlässen begangen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.06.2016, 08:39 Uhr

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