Muris Lehrer wehren sich

Muri

Der Gemeinderat will Muris Mittel- und Oberstufen zusammenlegen – noch bevor die Frage um das künftige Schulmodell geklärt ist. Das passt den Lehrern gar nicht.

Geht es nach dem Gemeinderate, gehen alle Oberstufenschüler künftig ausschliesslich hier zum Unterricht: Die Schulanlage Seidenberg.

Geht es nach dem Gemeinderate, gehen alle Oberstufenschüler künftig ausschliesslich hier zum Unterricht: Die Schulanlage Seidenberg.

(Bild: Adrian Moser)

Christoph Albrecht

Es ist ein Problem, das viele Gemeinden kennen: Die Einwohnerzahl steigt, die Schülerzahlen nehmen zu – und die veraltete Schulinfrastruktur reicht bald nicht mehr aus. So ist das auch in Muri. Dort wird damit gerechnet, dass in den nächsten fünfzehn Jahren rund 100 Schüler dazukommen werden.

Der Gemeinderat möchte deshalb die künftige Schulraumplanung möglichst rasch in Angriff nehmen. Sein Credo: Wenn die Schulhäuser ohnehin bald saniert und teils ausgebaut werden müssen, kann man gleich auch die Schulstruktur neu organisieren. Konkret will der Gemeinderat ab 2023 alle Mittel- und Oberstufen zusammenlegen.

Das heisst: Alle Schüler der Mittelstufe (5. und 6. Klasse) sollen nur noch in der Schulanlage Moos und all jene der Oberstufe (7. bis 9. Klasse) nur noch in der Schule Seidenberg unterrichtet werden. Die Reform ist beschlossene Sache. Der Schlussbericht, in dem der Gemeinderat seine Absichten erläutert, wird dem Parlament am Mittwoch lediglich zur Kenntnisnahme unterbreitet.

Lehrer wollen Status quo

Das eilige Vorgehen der Gemeinde kommt bei der betroffenen Lehrerschaft nicht gut an. «Eine Stufenzusammenführung muss pädagogisch begründet werden», fordern sie in einem Brief an die Behörden, der dieser Zeitung vorliegt. Das Argument der Lehrer: Bevor man Raum- und Standortfragen diskutiere, müsse zwingend das künftige Schulmodell geklärt werden.

Tatsächlich wird die Schulmodelldebatte in Muri schon seit längerem geführt. Es geht dabei um die Frage, wie durchlässig der Unterricht sein soll. Bisher kannte die Oberstufe in der Gemeinde ein Schulmodell mit strikter Trennung zwischen Real-, Sek- und Spez-Sek-Klassen.

In einem durchlässigeren System gäbe es in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Französisch zwar auch grundsätzlich getrennte Klassen. Ein Realschüler könnte dann aber je nach Fähigkeiten in einem bestimmten Fach auch das Sekniveau besuchen.

Die Umstellung auf das durchlässigere System scheiterte in der Vergangenheit. Zu hartnäckig beharrte man in Muri auf das bisherige Modell. Inzwischen ist die Durchlässigkeit auf Sekundarstufe im Kanton Bern jedoch gang und gäbe, weshalb sich eine Festlegung erneut aufdrängt.

Muris Lehrer verlangen aber nicht nur, dass die Gemeinde vor den schulplanerischen Massnahmen erst die pädagogische Vision für ihre Schulen klärt. Aus dem Brief geht auch hervor, dass sie von einer Stufenzusammenlegung wenig halten. «Stufenzentren lösen Befürchtungen aus», schreiben sie.

Interaktionen zwischen jüngeren und älteren Schülern gingen verloren, Schulhauswechsel nähmen zu, und Probleme wie Gewalt oder Drogen akzentuierten sich, wenn sich viele Gleichaltrige auf einen Ort konzentrierten. Ihr Fazit: «Die Vorteile des Status quo überwiegen deutlich.»

Gemeinderat kompromisslos

Die Gemeinde zeigt sich vom Lehrerwiderstand unbeeindruckt. Sie beharrt auf der Stufenzusammenlegung – und hält sie gar für eine Voraussetzung für eine neue pädagogische Stossrichtung. «Nur durch eine Zusammenlegung kann ein durchlässiges Schulmodell eingeführt werden, das den Ansprüchen der Gemeinde entspricht», sagt Gemeinderat Stephan Lack (FDP).

Real, Sek und Spez-Sek müssten organisatorisch zwingend am gleichen Schulstandort sein. Bei einer Zusammenlegung würde zudem das Übertrittsverfahren vereinheitlicht. «Es gelten dann endlich für alle gleiche Massstäbe.» Und: Letztlich würden die steigenden Schülerzahlen die Behörden zum raschen Planen zwingen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt