Mühle Hunziken: Der Oldtimer, der doch nicht verschwand

Via Facebook fahndet die Mühle Hunziken nach einem alten Citroën. Dabei müsste sie gar nicht weit suchen.

Oldtimer: Diesen Citroën sucht die Mühle.

Oldtimer: Diesen Citroën sucht die Mühle.

(Bild: Facebook Mühle Hunziken)

Johannes Reichen

Es klingt leicht verzweifelt, was das Team der Mühle Hunziken aus Rubigen am Montagnachmittag auf seiner Facebook-Seite schrieb: «Wir brauchen eure Hilfe.» Vor zehn Tagen sei «der silbergraue Ci­troën-Oldtimer Typ H» gestohlen worden.

Trotz Zeugenaufruf bei Nachbarn und einer Anzeige bei der Polizei bleibe das Bijou verschwunden. «Die Polizei geht davon aus, dass das Liebhaberstück als Camper oder Food-Truck umgebaut wird.» Die Mühle bat um die Mithilfe. Die Reaktionen auf Facebook liessen nicht lange auf sich warten, die Anteilnahme war gross: «Oh je, hoffentlich wird er wieder gefunden», schrieb ein Mann, «was si de das für Mönsche», meinte eine Frau.

Es sieht allerdings danach aus, dass es sich weniger um einen dreisten Diebstahl handelt als vielmehr um ein weiteres Kapitel in der Endlos-Posse um die Mühle Hunziken. Diesen Schluss lässt jedenfalls ein kurzer Anruf an einen Nachbarn zu. Er heisst Thomas Burkhart, und er sagt ohne Zögern: «Das Auto steht bei mir im Garten.»

Thomas Burkhart ist der Sohn von Mühle-Gründer Peter «Mühli-Pesche» Burkhart. Auch noch nach dessen Tod führte er mit Philipp und Christoph Fankhauser den Club. Vor drei Jahren aber verliess er das Team zusammen mit seiner Frau Tamara im Streit. Noch immer aber ist er Teilhaber des Clubs – und lebt mit seiner Familie gleich ne­benan. Das nachbarschaftliche Verhältnis ist öfters angespannt. Auch jetzt wieder.

Vor knapp einem Monat veröffentlichte die Mühle auf Facebook die Pläne eines neuen «Mühlegartens». Darauf waren beispielsweise Bäume, eine Feuerstelle und eine «Mühlepalme Neon» eingezeichnet – und ein Food-Truck. Die Skizze zeigte allerdings nicht irgendein Auto – sondern den Citroën, der seit Jahr und Tag vor der Mühle Hunziken stand und längst nicht mehr fahrtüchtig ist.

«Es ist klar, wem der Citroën gehört», sagt Burkhart. Nicht der Mühle Hunziken, nicht den Hauseigentümern, sondern ihm selbst. «Die Papiere lauten noch auf meinen Vater.» Weil Burkhart nicht wollte, dass aus dem Old­timer ein Food-Truck gebaut wird, reagierte er: Zusammen mit Bauarbeitern schleppte er den alten Citroën ab.

Jetzt stehe das Auto gerade mal 35 Meter vom alten Standort entfernt. Burkhart ist sicher: Das müssen eigentlich auch die Mühle-Verantwortlichen wissen.Diese Vermutung stützt ein Mailverkehr zwischen ihm und einer Mitarbeiterin von Treucons, der Liegenschaftsverwaltung der Mühle.

Vor zwei Wochen schickte die Sachbearbeiterin eine Mail an die Anwohner: «Der alte Citroën vor der Mühle Hunziken wurde gestohlen.» Wer etwas gesehen oder gehört habe, werde gebeten, dies mitzuteilen, «damit wir mit hoffentlich möglichst vielen In­formationen eine Anzeige bei der Polizei aufgeben können».

Am nächsten Tag antwortet Burkhart: «Der Citroën wurde vom rechtmässigen Eigentümer abgeholt.» Die Sachbearbeiterin fragte nach, wer das sei. Den Namen nannte Burkhart zwar nicht, doch er antwortete vielsagend: «Falls Sie meinen, über den Beweis zu verfügen, dass Sie die rechtmässige Eigentümerin sind, und mir diesen Beweis vorlegen, werde ich wieder mit Ihnen kommunizieren.»

Bleibt die Frage, weshalb die Mühle Hunziken trotzdem einen Fahndungsaufrufgestartet hat. Eine Antwort war von den Verantwortlichen am Montag nicht zu erhalten. Burkharts Vermutung: «Eine Provokation.» Offen bleibt auch, ob die Mühle tatsächlich Anzeige erstattet hat. Gestützt auf den Facebook-Aufruf, konnte die Kantonspolizei am Montag keinen entsprechenden Eintrag ­finden.

Berner Zeitung

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