Mitte rennt gegen Tramwand an

Köniz

Der Kampf der Mitteparteien für Trams mit zwei Führerständen steht unter einem schlechten Stern: Ihr Vorstoss wird am Montag wohl abgelehnt.

Noch wendet das Tram in Wabern über eine Schleife. Die Könizer Mitteparteien möchten dies ändern. Foto: Urs Baumann

Noch wendet das Tram in Wabern über eine Schleife. Die Könizer Mitteparteien möchten dies ändern. Foto: Urs Baumann

Stephan Künzi

Die Tramwand – sie war im Abstimmungskampf um neue Tramlinien in der Region Bern immer wieder ein Thema. Nur zu gern beschwörten die Gegner das Bild einer nicht abreissenden Fahrzeugkolonne herauf für den Fall, dass sich noch eine Linie mehr durch die enge Altstadt zwängen würde. Die Fussgänger könnten dann die Gassen kaum mehr überqueren.

Ohne Wendeschleifen

Gegen eine Tramwand im übertragenen Sinn rennen derzeit die Könizer Mitteparteien um den grünliberalen Casimir von Arx an. Mit dem zweiten Vorstoss in Folge versucht die Fraktion, auf dem Netz von Bernmobil sogenannte Zweirichtungstrams zu etablieren.

Die geplante Verlängerung der Linie 9 von Wabern nach Kleinwabern sei auf diesen Fahrzeugtyp hin auszulegen, fordern sie konkret. Auf aufwendige Wendeschleifen im Sandrain und in Kleinwabern könne man dann getrost verzichten. Die Führerstände an beiden Enden des Fahrzeugs machten ein flexibles Wenden allein über das Einlegen des Rückwärtsgangs möglich.

Skeptische Bürgerliche

Als das Gemeindeparlament vor zwei Monaten ein erstes Mal über das Thema diskutierte, hielten sich die Bürgerlichen noch bedeckt. Nun, da am Montag die Debatte über den zweiten, weit verbindlicher gefassten Vorstoss ansteht, müssen sie Farbe bekennen. Und siehe da: Bei der SVP wie auch bei der FDP finden die Mitteparteien kein Gehör.

Vor allem aus ordnungspolitischen Gründen. Ob Trams mit einem oder mit zwei Führerständen unterwegs seien, habe nicht die Politik zu bestimmen, erklärt Erica Kobel für die FDP. Dieser Entscheid, pflichtet ihr Kathrin Gilgen für die SVP bei, liege in der unternehmerischen Verantwortung von Bernmobil.

Gilgen nimmt weiter die Argumentation auf, mit der der Gemeinderat die Mitteparteien schon länger zu bremsen versucht: Mitten in den weit fortgeschrittenen Arbeiten zur Planung von den traditionellen Ein- auf die Zweirichtungsfahrzeuge umzuschwenken, sei mit gewichtigen Risiken behaftet.

Zuversichtlicher von Arx

Darauf weist auf der linken Seite auch die SP hin, die den Vorstoss «grossmehrheitlich», wie ihr Sprecher Christian Roth sagt, ebenfalls ablehnt. Die Gefahr sei gross, dass mit einer neuen Planung viel Zeit verloren gehe. Dann verzögere sich das Tram, auf das Wabern seit Jahrzehnten warte, noch weiter.

Bei den aktuellen Mehrheitsverhältnissen sieht es also schlecht aus für das Anliegen der Mittefraktion. Auch wenn die Grünen, für die die Debatte laut Iris Widmer genau richtig kommt, hinter ihr stehen: SVP, FDP und SP kommen zusammen auf 24, Mitte und Grüne dagegen nur auf 16 Stimmen.

Von Arx lässt sich trotzdem nicht entmutigen. Dass das Pendel derart gegen die Zweirichtungstrams ausschlägt, führt er vor allem auf «die sehr einseitige Schwarzmalerei des Gemeinderats» zurück: Mit zeitlichen Verzögerungen sei auch zu rechnen, betont er, wenn gegen den Willen der betroffenen Landeigentümer Wendeschleifen gebaut werden müssten. Gerade weil mit der Fahrzeugwahl auch raumplanerische Fragen so eng verknüpft seien, sei bei diesem Thema auch nicht einfach Bernmobil gefragt: «Da muss die Politik ein Wort mitreden.»

Die Hoffnung auf ein Ja hat von Arx trotz allem noch nicht aufgegeben. Er erinnert daran, dass sich die SP nicht einstimmig gegen den Vorstoss stellt. Zudem ist auch bei den anderen Parteien unklar, ob nicht der eine oder die andere vom offiziellen Kurs abweichen wird. Und nicht zuletzt weiss er den Stichentscheid auf seiner Seite: Parlamentspräsident Mathias Rickli gehört den Grünen an.

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