Mitorganisatoren der Berner Klimastreiks: «Sind enttäuscht»

Bern

Tausende von Jugendlichen demonstrierten für strengeren Klimaschutz – das Energiegesetz wurde trotzdem abgelehnt. Was zwei Berner Klima-Aktivisten dazu sagen.

<b>An der Klimademo vom 2. Februar</b> gingen in Bern Tausende auf die Strasse. In einen Abstimmungserfolg beim Energiegesetz liess sich die Mobilisierung der Jungen aber nicht ummünzen.

An der Klimademo vom 2. Februar gingen in Bern Tausende auf die Strasse. In einen Abstimmungserfolg beim Energiegesetz liess sich die Mobilisierung der Jungen aber nicht ummünzen.

(Bild: Jürg Spori)

Benjamin Bitoun

Tausende von Jugendlichen nahmen unentschuldigte Absenzen in Kauf und schwänzten die Schule, um für strengeren Klimaschutz und gegen untätige Politiker zu demonstrieren.

Streiken fürs Klima ist zu einer richtigen Jugendbewegung geworden. Nur: In einen zählbaren Abstimmungserfolg liess sich die Mobilisierung der Jungen nicht ummünzen. Wie enttäuscht ist man bei der Bewegung über das Nein des Berner Stimmvolks zum Energiegesetz?

Offiziell wolle man das Nein nicht kommentieren, sagt Pascal Kipf, einer der Mitorganisatoren der Berner Klimastreiks. «Wir mischen uns nicht in die institutionelle Politik ein.» Persönlich sei er aber sehr enttäuscht», so der 21-jährige Biologiestudent. «Die vorgeschlagenen Änderungen wären ein kleiner und begrüssenswerter Schritt gewesen.»

«Besonders die niedrige Stimmbeteiligung ärgert mich», fügt Ronja Fankhauser hinzu. Die Erkenntnis der 19-jährigen Gymnasiastin und Klimaaktivistin: «Wir müssen gerade die Jungwähler noch mehr politisieren und weiter informieren.»

Dass die Klimastreiks nicht mehr Jungwählerinnen und -wähler mobilisiert hätten, zeige, dass die Jugendbewegung zwei Probleme habe, urteilt Fankhauser. Erstens sei die Bewegung keiner politischen Richtung zuzuordnen.

«Wir sind apolitisch und wollen das auch bleiben.» Dadurch werde es für den Einzelnen einfacher, sich als Teil von etwas Grösserem zu fühlen. Es führe aber nicht dazu, dass sich die Jungen automatisch mehr für politische Prozesse interessieren und abstimmen würden.

Zweitens zeige die niedrige Stimmbeteiligung, dass die Klimabewegung ein Reichweitenproblem habe – und zwar auch unter den Jungen, so Ronja Fankhauser weiter. «Es gibt einen apolitischen Teil, den wir noch nicht erreichen können.»

Bisher funktioniere die Vernetzung der Jugendlichen vor allem über die Gymnasien. «Nun beschäftigen wir uns damit, wie wir auch diejenigen an den Berufsschulen mit ins Boot holen und überzeugen können, sich für den Klimaschutz zu engagieren.»

Dafür wünscht sich die Gymnasiastin mehr Unterstützung von den Lehrerkräften – und dies schon früher. «Der Klimawandel und seine Folgen müssen bereits an der Oberstufe thematisiert werden», fordert Fankhauser.

Berner Zeitung

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