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Mitarbeiter hat Swisscom bestohlen

Um rund 340'000 Franken hat ein temporär als Personal-Rekrutierer angestellter Schweizer die Swisscom betrogen. Der Prozess gegen ihn hat am Mittwoch in Bern begonnen und dauert noch bis Freitag.

Der geständige 35-Jährige ist des gewerbsmässigen Betrugs in 12 Fällen sowie der Urkundenfälschung und der Geldwäscherei angeklagt. Vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland steht auch ein 27-jähriger Schweizer, welchem Hehlerei und Geldwäscherei vorgeworfen werden. Er bestreitet aber jede Schuld.

Er hat dem mit ihm befreundeten Hauptangeklagten sein Bankkonto für einen Teil der Swisscom-Zahlungen zur Verfügung gestellt. Nach seiner Aussage hat er aber nicht gewusst, dass es für einen illegalen Zweck war.

Beide Beschuldigten sind in der Region Zürich wohnhaft. Arbeitsort des Personal-Rekrutierers war Bern.

Fiktive Rechnungen gestellt

Der Hauptangeklagte ging so vor, dass er für tatsächlich erfolgte Anstellungen namens einer fiktiven Personalvermittlungsfirma Vermittlungsgebühren in Rechnung stellte. Sechsmal floss das Geld zu seinem Kollegen. Später benützte er sein eigenes Postkonto, aber mit einer fiktiven Geschäftsadresse.

Es sei leicht gefallen, da die Vorgesetzten nicht richtig hingeschaut, sondern die Rechnungen einfach visiert hätten, sagte der Beschuldigte. Allerdings erstellte er verschiedentlich E-Mails mit unwahrem Inhalt, um seine Machenschaften zu verschleiern.

Als Grund für seine Taten gab der Angeklagte seine schlechte Finanzlage an sowie die emotional schwierige Situation nach der Scheidung, ohne Kontakt zu seinem kleinen Sohn. Mit einem Drittel der tatsächlich ausbezahlten 300'000 Franken habe er seine Schulden getilgt.

Weiter habe er ein Auto für 40'000 Franken und Möbel für 15'000 Franken gekauft. Den Rest habe er in einem teuren Urlaub und in Nachtklubs verprasst. «Ich war nicht mehr ich selbst, ich habe kaum geschlafen, war in einem Rausch», erzählte der Beschuldigte. Nachträglich gesehen interpretiere er dies als Hilfeschrei.

Was nahm der Bankkonto-Inhaber an?

Dem 27-Jährigen wirft die Anklage vor, er habe zumindest annehmen müssen, dass die sechs Zahlungen, die über sein Konto liefen, aus einer strafbaren Handlung herrührten. Der Beschuldigte machte geltend, das erste Mal habe er ausgeholfen, weil die angebliche Firma des Kollegen noch kein eigenes Konto hatte.

Früher einmal habe der damalige Arbeitskollege ihm erzählt, dass er eine eigene Firma gründen möchte. In der Personalvermittlung habe er sich ja gut ausgekannt. Und der Umsatz sei zwar überdurchschnittlich, aber noch im Rahmen des Möglichen gewesen. Das alles sei ihm glaubhaft erschienen.

Ab dem dritten Mal habe er schon ein komisches Gefühl gehabt und als Gedankenspiel überlegt, ob Betrug dahinter stecken könnte. Aber das sei kein ernsthafter Gedanke gewesen. Als der Kollege trotz gegenteiliger Versprechen weiterhin Zahlungen auf sein Konto geleitet habe, habe er diese an die Swisscom zurückgeschickt.

Als Dank für seine Bemühungen habe er insgesamt 5300 Franken behalten dürfen.

Die Swisscom tritt gegenüber dem Hauptangeklagten als Privatklägerin auf. Zu einem Vergleich war der Beklagte nicht bereit. Er will zuerst die strafrechtlichen Vorwürfe gerichtlich geklärt haben. Das Urteil wird für den späten Freitagnachmittag erwartet.

SDA/tan

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