Mit Tempo 140 durch die Messehalle

Speed, Präzision, Action: Drohnenfliegen ist längst zur Sportart geworden. Einer der besten Piloten der Schweiz ist der Berner Yanick Glauser. Ab heute fliegt der 24-Jährige mit seiner Renndrohne auf dem Bernexpo-Areal um die Wette.

Nach dem Testflug auf der Allmend gilt es für Drohnenpilot Yanick Glauser ab heute ernst. Dann in der Messehalle nebenan – und mit Brille.

Nach dem Testflug auf der Allmend gilt es für Drohnenpilot Yanick Glauser ab heute ernst. Dann in der Messehalle nebenan – und mit Brille. Bild: Christian Pfander

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Ein leises Surren. Ein paar Propellerumdrehungen zum Warmlaufen. Und dann geht alles blitzschnell. Wie eine fehlgeleitete 1.-August-Rakete schiesst die Drohne über die Berner Allmend. Umkreist einen Baum. Schraubt sich in den Himmel. Dreht sich um die eigene Achse. Einmal, zweimal, dreimal. Und stürzt dann im freien Fall in Richtung Boden, wo sie kurz vor dem Aufprall abbremst und surrend an Ort und Stelle verharrt.Was nach einem ausser Kontrolle geratenen Flug mit wundersamem Happy End aussieht, hat weder mit Glück noch Zufall zu tun.

Es ist nur eine kleine Kostprobe von Yanick Glauser. Von dem, was er praktisch jeden Tag tut: Drohnen via Fernsteuerung so schnell wie möglich durch die Luft und an Hindernissen vorbeizujagen. Die Geschwindigkeit, mit der sein Flugobjekt dabei unterwegs ist, ist atemberaubend. «Es erreicht bis zu 140 Stundenkilometer», sagt Glauser. Normalerweise verfolgt er seine Drohne deshalb nicht von blossem Auge wie bei seiner kurzen Demonstration auf der Allmend, sondern über eine spezielle ­Videobrille. Darauf sieht er den Flug aus der Perspektive seiner Drohne, die dank installierter Kamera das Livebild in Echtzeit übermittelt. Das Gefühl dabei? «Etwas zwischen Adrenalin und Freiheit.»

Flug durch Stierkampfarena

Yanick Glauser ist einer der besten Drohnenpiloten der Schweiz. Im vergangenen Jahr ist der 24-Jährige dank seines Talents weit herumgekommen. In der sogenannten Drone Champions League – der Meisterschaft der weltbesten Renndrohnenpiloten – ging der Schönbühler als Vertreter der Schweiz bei mehreren Rennen an den Start. In Brüssel liess er seinen Quadrocopter mitten im Stadtzentrum den Mont des Arts heruntersausen, in Madrid durch einen Parcours in der Stierkampfarena Las Ventas. In Paris, wo er selber nicht startete, dienen als Rennkulisse jeweils die Champs-Elysées.

Die exklusiven Schauplätze machen deutlich, dass Drohnenfliegen nicht mehr nur ein Hobby für Freaks ist. Der flotte Wettstreit der pfeilschnellen Flug­geräte, die hie und da auch mal spektakulär kollidieren, ist eine attraktive Sportart geworden – und ein Business, in dem sich Geld verdienen lässt. Allein in der Drone Champions League winkt für den Sieger ein Preisgeld von 150 000 Franken. Die grossen Rennen werden längst im Fern­sehen übertragen. Und Technologieunternehmen reissen sich ­inzwischen darum, bei den Besten der Besten als Sponsor auf­treten zu dürfen. «Das Ganze ist schwer am Kommen», sagt Yanick Glauser.

Dennoch ist das Drohnenrennfliegen – zumindest in der Schweiz – nach wie vor eine ­Nische. «Hier steht alles noch ziemlich am Anfang», sagt Glauser, der trotz seiner Vorreiterrolle hierzulande weiterhin einer Vollzeitstelle als Lüftungsmonteur nachgeht. Zwar werden ihm die Reisen an die grössten Wettkämpfe im Ausland bezahlt. Ein Sponsor finanziert ihm zudem Teile des Materials. «Unter dem Strich verdiene ich mit dem Drohnenfliegen aber nichts.»

In den USA gibt es Profis

Ganz anders sieht die Situation in Ländern wie den USA aus, wo eine Handvoll Piloten von den Drohnenrennen leben können. Entsprechend gross seien die Qualitätsunterschiede, die sich etwa in der Drone Champions League zeigen würden. «An die Teams aus den USA heranzukommen, ist als Schweizer praktisch unmöglich», so Glauser.

Vier Trainings pro Woche

Der Berner, der selber erst vor zwei Jahren durch Kollegen «einfach so reingerutscht» ist, hält sich mit allzu grossen Ambitionen denn auch zurück. «Im Moment mache ich das einfach aus Freude.» Ohne diese würde es nicht gehen, die Sportart zu betreiben, sagt Glauser. Immer wieder würden Drohnen kaputtgehen, dann müsse man herumbasteln, löten, neue Einzelteile kaufen. Und: Um nicht aus der Übung zu kommen, braucht es Training. In Yanick Glausers Fall rund viermal pro Woche jeweils nach Feierabend auf einem Acker, der ihm ein Bauer zur Verfügung stellt. «Das alles muss man schon gerne machen.»

Auch wenn Glauser im Leben mit beiden Füssen auf dem Boden geblieben ist – dieses Wochenende wird er wieder abheben. An der inoffiziellen Schweizer Meisterschaft, die ab heute anlässlich des Hero-Fests (siehe Box) in Bern haltmacht, kommt es für ihn zum Heimspiel. Allerdings: Während die Rennen sonst meist draussen stattfinden, fliegen die Piloten am Wochenende in einer Bern­expo-Halle um die Wette. Viel anders als draussen laufe es aber nicht ab, sagt Glauser. Ein leises Surren. Ein paar Propellerumdrehungen zum Warmlaufen. Und dann wird alles blitzschnell gehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2018, 08:13 Uhr

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40 Drohnenpiloten messen sich von heute bis Sonntag an der ­sogenannten Swiss Drone League – der inoffiziellen Schweizer Meisterschaft der Renndrohnenflieger. Für die Teilnehmer gilt es dabei, einen Parcours mit Ringen, Toren und Flaggen möglichst schnell zu durchfliegen. Ein Rennen, bei dem jeweils vier Piloten gleichzeitig starten, dauert mehrere Runden. Damit die Zuschauer dem rasanten Geschehen besser folgen können, sind die Drohnen mit verschiedenfarbenen LED-Lämpchen ausgestattet. Die schnellsten Piloten kommen weiter, die langsamsten scheiden aus.

Das Drohnenspektakel ist aber nur ein Teil von dem, was an diesem Wochenende spielmässig auf dem Bernexpo-Gelände über die Bühne geht. Im Rahmen des Hero-Fests wird die Bundesstadt zum regelrechten Gamer-Mekka. Unter anderem findet mit der Switzerlan ein mehrtägiger und mehrnächtiger Game-Marathon unter rund 2000 Zockern statt. Zudem können sich Game- und Comicfans auf einem sogenannten ­Cosplay-Laufsteg in Kostümen ihrer Helden wie Super Mario, Sailor Moon oder Spiderman präsentieren. Weiter stellen Spielzeughersteller Neuheiten und Klassiker vor.
Bernexpo führt das Hero-Fest zum ersten Mal durch. Es ist eine Art Ersatzveranstaltung für die Spielzeugmesse Suisse Toy, die heuer nicht stattfindet. Der Event, an dem die Organisatoren mit über 20 000 Besuchern rechnen, dauert von heute Freitag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr. Eine Tageskarte für Erwachsene kostet 28 Franken.cha

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